Zornige «Laien» setzten sich zur Wehr

14. Februar 2007 | Von | Kategorie: Nachrichten

Eine Alte Garde ohne Stammclique lässt sich an der Fasnacht selten antreffen. Doch eine Ausnahme bestätigt die Regel: Die Alte Garde vom Laiezorn feiert 50 Jahre Unabhängigkeit.

Schon seit längerer Zeit wollte ein illustres Grüppchen innerhalb der Basler Mittwoch Gesellschaft (BMG) eine Alte Garde gründen, denn für die älteren Jahrgänge der Clique zeigte sich die lange Cortège-Route zunehmend als Hindernis. Doch so berechtigt das Anliegen, so hässlich gerieten die Differenzen zwischen BMG und der geplanten Alten Garde.

Im Sommer 1956 liess sich die Auseinandersetzung nicht mehr friedlich schlichten: Nach dem Ausschluss von Cliquenmitglied Hans Jundt distanzierten sich laut Chronik «eine ganze Reihe» weiterer Personen vom BMG-Vorstand, und beschlossen, ein eigenes Zygli auf die Beine zu stellen. Trotz Bemühungen, die Streitigkeiten beizulegen, führten Vorschriften seitens der BMG schliesslich bei den Abtrünnigen zum endgültigen Bruch.

Lebenslicht fast erloschen

Am Vogel Gryff 1957 war es dann soweit: An diesem «gut baslerischen Datum» erfolgte abends im Restaurant «Zer Lyss» der offizielle Gründungsakt der Alten Garde. Doch schon kurz nach diesem Startschuss begann laut Chronik «ein Kesseltreiben» gegen die Altgardisten. Mit allen Mitteln habe die BMG versucht, den Fasnachtsauftritt der Alten Garde zu verhindern. Nachdem die BMG vergeblich beim Comité vorstellig geworden war, klopfte der Vorstand beim Kadi an und verlangte mittels einer einstweiligen Verfügung, dass der Alten Garde verboten werde, den Namen BMG zu tragen. Da deren Mitglieder wiederum weder einen Prozess ausfechten noch auf den Namen verzichten wollten, sah es so aus, als würde das «Läbensliechtli» der neu gegründeten Alten Garde bereits wieder erlöschen.

Am Donnerstag vor der Fasnacht kam es dann aber schliesslich doch noch zur Gerichtsverhandlung, welche mit einer Niederlage der Altgardisten endete. Um an der Fasnacht trotzdem klarzustellen, aus welchem Stall das Zygli entstammte, beschlossen die Abtrünnigen, den Namen Alti Garde vom Laiezorn anzunehmen.

Obwohl man heute für den weisen Richterspruch dankbar sei, herrschte damals laut Chronik eher Katerstimmung. Der Händel gipfelte im Versuch der BMG, der Alten Garde auch den neuen Namen streitig zu machen und die Abtrünnigen aus dem Löwenzorn auszuquartieren. Gestärkt von der ersten unabhängigen Fasnacht focht die Alte Garde vom Laiezorn den Globalausschluss aus der BMG nicht mehr an und wagte den Schritt in die Eigenständigkeit.

Läggerli-Duft verströmt

«Rückblickend ist das schon eine lustige, kuriose Geschichte», schmunzelt Obmann Urs Bühler heute über die turbulenten Anfänge. Seither allerdings gingen die Wogen nie mehr hoch, ausser im geselligen Sinne. «Wir sind eine gemütliche Gruppe und haben keine Skandale zu vermelden», meint der Obmann. Das Jubiläum wird denn auch nicht ausschweifend gefeiert: «Wir haben ein ganz normales Sujet, und feiern mit einem gepflegten Nachtessen sowie einem Apéro.»

Von den 18 Aktiv- und 30 Passivmitgliedern sind übrigens noch zwei seit der Gründung mit von der Partie. Als Alte Garde ist der fehlende Nachwuchs natürlich ein Thema. Seit 1997 dürfen deshalb auch Frauen mitmachen, was zu einem Verhältnis von 1:1 geführt habe. «Ohne Frauen sähen unsere Pfeifer hoffnungslos aus», freut sich Bühler über die weibliche Unterstützung. Neue Mitglieder finden meist über Zufälle und Bekanntschaften zur Alten Garde.

Da erinnert sich Bühler gerne an die Fasnacht 2004, als die Alte Garde vom Laiezornfür einmal im Rampenlicht stand: Als Seitenhieb auf die «Läggerli-Rösti» in Berlin verströmte ihre Laterne damals nämlich während des gesamten Cortèges einen hinreissenden Läggerli-Duft. «Ein gelungener Gag», lacht Bühler.