Zofingerconzärtli: Das Unikat im Vorfasnachtsangebot!

10. Februar 2023 | Von | Bilder: Nicole Messer BFO | Kategorie: Nachrichten

Das Zofingerconzärtli sollte man eigentlich nicht als „Vorfasnachtsveranstaltung“ bezeichnen. Es spielt in einer andern, eigenen Liga.

Ein Geschäftskollege aus Zürich mit einer neuen Filiale in Basel schreibt eine Mail: „Du, ich habe einen -ckdt kennen gelernt. Cooler Typ. Er sagt, ich müsse als Zürcher die Basler Vorfasnacht kennen lernen. Er hat mich an ein Konzärtli eingeladen. Findi guet!“ – Naja. Ich weiss nicht ob mein Zürcher Businessbody nach dem Besuch am Zofingerkonzärtli dann wirklich weiss, was Vorfasnacht ist….

Was er aber zu sehen bekommt, ist halt schon eine eigene Geschichte. Er wird das nicht verstehen, aber schon das Einlaufen des Publikums in den riesigen Kongressaal ist eine Vorstellung an sich. Wer sich ein ganz klein wenig in der Basler Oberschicht auskennt (v/o Daig), der kommt auf seine Kosten: Christs, Merians, Burckhardts, von Falkensteins und mittendrin das rote Kleid von Simonius, Elisabeth. Noch immer chic und das Kleid noch immer rot.

Und dann gehts los. Das Programm „copy paste“ seit vielen Jahren: Cantus (alle Studis stehen auf der Bühen, zwei davon mit einem halben Floristenladen auf der Schulter und dann wird gesungen: „Was isch im letschde Joor passiert? Wo hett sich naimen ain blamiert“… – Den Text kann man im Billje-Biechli nachlesen. Sofern man die altdeutsche Schrift auf die Schnelle beherrscht…). Dann der Prolog durch eine Solofigur. Dieses Mal ein Tell mit Armbrust, der noch keinen brillianten Text von sich gibt – aber dennoch: Chapeau vor der Leistung). Dann wird der schwarze Flügel auf die Bühne gestossen und Tram Giovanni (Christian Schmid) und c/o Jackie (Floris Zuur) geben im Concert zwei Lieder zum Besten: Belsazar von Heine/Schumann und das rassige „Volver“ von Carlos Gardel. Wäre es die Aufnahmeprüfung an die Musik-Akademie gewesen: Bestanden. Gratulation.

Schweschter Fäller und Esther Keller

Dann das erste „Stiggli„. Eine halbe Stunde Klamauk auf der Bühne mit den „Lyyche“ von Roger Federer (der absolut genau gleich ausschaut und spricht, wie sein Original. Man könnte meinen….). Dann Giovanni  Infantino, herrlich ekelhaft persifliert und als erstes „Schwester Fäller“, das Double von RR Esther Keller, die einzige, die sich an die Première getraute um zu lauschen, was man(n) von ihr hält. Mein Züricher Freund freuts: Es sind alles Männer, die sich – zum Teil atemberaubend schön – in Frauen verwandeln (An dieser Stelle ein grosses Kompliment an jene Menschen, die hinter Maske und Goschdymen der Fagunzen stehen. Das muss eine Heidenarbeit sein!). Die „echte“ Keller in der ersten Reihe und ihre beachtliche Entourage grinsen, lachen und freuen sich. Auch als die deftigen Sprüche direkt von der Bühne kommen: „Schweschter, wo hesch denn aigentlig di Bolitigg versteggt?“ – „He deert hinde, in dr underschte Schublaade“. Keller nimmts gelassen und freut sich ehrlich, als sie in der Pause auf ihre Parodie trifft: „Super, i könnts nid besser!

D Stiggli wechseln sich ab mit humorvollen Persiflagen auf die unsägliche Energiesparkampagne des Kantons, die auf einen Bildschirm geworfen werden.

In der Pause gibt für unseren Zürcher Freund „Baschteetli“. Er wird sich sich über die Preisgestaltung: „ains fir drey Frangge und drey fir 10“ wundern, aber er wird die kleinen Dinger lieben. Die Pause bedeutet: Smalltalk. Ich treffe einen Freund aus alten Zeiten: „I kumm amme numme um e paar Uni-Kolleege vo doozemoll z dräffe“.

Nach der Pause – endlich – etwas Fasnacht: Die „Alte Stainlemer“ spielen zwei Fasnachtsmärsche (da darfst Du nicht in der ersten Reihe rechts sitzen. Die Trommeln sind laut…) und machen einen guten Job.

Die zweite Hälfte der „Stiggli“-Orgie auf der Bühne in der Messe Basel ist so, wie sie immer ist: Ein Aneinanderreihen von Pointen und Slapssticks, eine grosse Anzahl von „Nääbelyyche“ (z.B. Kim Jong-Un, dessen Darsteller sich tatächlich eine nordkoreanische Frisur hat schneiden lassen oder ein grossartiger Almi). Ein paar wirklich perfekt abgefeuerte Pointen (z.B. an Roger Federer: „D Eva Herzog isch nid in Bundesroot gwählt woorde – wäg Dinere Wäärbig für JURA! Oder anlässlich des Schwingfestes: E Kampf zwüsche Funiciello und Martullo – das isch nid Schwinge. Dasch Sumo!).

André Auderset aus Mallorca

Die Fagunzen singen viel. Vorerst nicht so, als würden sie das können (mit Ausnahmen: Der gedoubelte Koch René Schudel singt wie Gölä!), aber sie tun es mit viel Imbrunst und Schalk. Einmal klatschen sie im Takt und: DAS PUBLIKUM KLATSCHT MIT! (Daran merkt man, dass der Daignachwuchs etwas unbeschwerter an die Sache geht).  Sie parodieren herrlich (Die Grossratssitzung mit Vergeat, Eymann, Thüring und  – per video aus Mallorca – Auderset) und sie pointern fröhlich daher.

Und zum Schluss, quasi als Abgesang, zeigen die Studenten der Zofingia dann doch, dass es Männer sind. Mit Stimmen! Der Schlussgesang (La Blanche) ist gewaltig und der Tag wird kommen, wo das Publikum im Saal aufsteht um zu applaudieren. Und zwar ohne, dass man sie dazu auffordern muss.

Mein Zürcher Freund wird begesitert sein (wenn er dann geht). Vorallem weil er noch nichts anderes kennt. Er wird sich wahrscheinlich fragen, warum die Schnitzelbägg ungoschdymiert in zivil singen, aber auch dieses Missverständnis werden wir ihm aufklären. Und wenn er denn einmal andere Vorfasnachtskisten besucht hat, dann wird er merken, dass das „Conzärtli“ nichts damit zu tun hat. Es spielt in einer ganz andern Liga. Nicht in einer besseren, aber in einer ganz anderen. Und wird dort wahrscheinlich Meister, weil es in dieser Liga eben nichts anderes hat.

Heute Freitag, 10.2 findet die zweite Vorstellung statt, die „Intermedière“. Morgen Samstag, 11.2. bittet man zur „Dernière“. Und für beide Abende gibt es an der Abendkasse noch Ticktes. Sie kosten 45.00 und – sind jeden Franken wert! Vorallem wenn man in der Pause noch eines dieser fantastischen „Baschteetli“ ergattert. Nehmen Sie also einen Platz hinten, nahe dem Gang. Dann sind Sie in der Pause am schnellsten bei den Leckereien…