Zofingerconzärtli 2006: Nach der «Mordnacht» kennt man die drei «Lyyche»

4. Februar 2006 | Von | Kategorie: Nachrichten

Dafür, dass sie eine lange «Mordnacht» hinter sich hatten, sahen die Mitglieder der Studentenverbindung Zofingia Basel an der erstmals durchgeführten Medienorientierung zum «Zofingerconzärtli» erstaunlich frisch aus. Das «Conzärtli» ist die älteste und mit nur drei Vorstellungen gleichzeitig die kürzeste der Basler Vorfasnachts-Veranstaltungen. Seine Theater-«Stiggli» sind legendär und gehören zum Feinsten, was die Szene zu bieten hat.

«Die erste Mordnacht fand 1942 statt», erklärte Mathis Heuss v/o Pecunia, Präsident des Zofingerconzärtlis. Da damals die Nachfrage nach Billetts noch nicht so gross war wie heute wurden in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die aus dem Jahre 1937 stammenden rot-weiss-roten Plakätchen an möglichst hohen Stellen der Häuserfassaden angeklebt und so Werbung gemacht. Doch diese Tradition hat sich verändert. Da die Toleranz der Polizei in den letzten Jahren gegenüber diesem Werbegag gesunken ist, mussten immer mehr Bussen bezahlt werden. Letztes Jahr kam es sogar zu Verzeigungen. Auch die Kritik in den Medien wurde immer stärker. Die Mordnacht wurde mit Randaleakten, Sprayereien etc. gleichgesetzt. Daher wurden dieses Jahr Plakate nur noch an Orten angeklebt, wo eine Bewilligung vorlag. Das erste wurde traditonsgemäss an der Universität angebracht. Als Ausgleich wurden von 25 Mitgliedern im Haus zum Breo am Nadelberg 2’000 mit dem Plakätchen bedruckte rote und weisse Ballone aufgeblasen. Diese kurzlebigen Webeträger zierten heute ab dem Stadtcasino die ganze Innerstadt.

Regisseur Fabian Looser v/o Kannebirre gewährte einen kurzen Blick hinter die Kulissen des «Zofingerconzärtli 2006». 1889 erstmals aufgeführt ist es die Grossmutter der Basler Vorfasnachts-Veranstaltungen. Die Ausarbeitung des Programms erfolgt gänzlich durch Studenten, wobei ihnen die AZ’s (Alt Zofinger) wertvolle Tipps geben. Die Hauptarbeit wird zwei Wochen vor der Première geleistet. «Dabei ist man bis zum letzten Moment nicht sicher, ob es wirklich ein Conzärtli geben wird», verriet Looser.Immer wieder gespannt ist man, wer die «dramatis personae» sind, welche von den drei traditionellen «Lyyche» gestellt werden. Dieses Jahr sind es Bundesrätin Micheline Calmy-Rey alias «Mme. Calamité», Fusball-Nationaltrainer Köbi Kuhn alias «Öpi Huhn» und Bischof Kurt Koch alias «Benedikt der 17. Knorrli».

Christoph Fuhrer v/o Papaduur, Präsident der Zofingia Basel, gab einen kurzen Einblick in die Geschichte der Studentenverbindung. 1819 im aargauischen Städtchen Zofingen gegründet, ist der Zofinger-Verein die älteste Studentenverbindung in der Schweiz. Ihr Hauptziel war die Schaffung eines Schweizerischen Bundesstaates. Heute besteht die Zofingia aus dreizehn Sektionen. Sie ist an fast allen schweizerischen Universitäten – Ausnahme Tessin – sowie an fünf Mittelschulen vertreten. Ihr gehören ca. 400 Aktive und 3’000 Altherren an. Die Sektion Basel hat aktuell 32 Mitglieder und ist, mit Aussnahme der Theologen, in allen Fakultäten vertreten. Zwar ist sie die grösste Verbindung auf dem Platz Basel, doch ist die Rekrutierung neuer Mitglieder nicht mehr so einfach.

Die drei Devisen der Zofingia lauten Patriae, Amicitiae und Litteris. Der Schwerpunkt liegt bei Amicitia, der Pflege der Freundschaft. Daneben setzt sie sich mit aktuellen Problemen in der schweizerischen Politik und der Wirtschaft auseinander. Zudem beschäftigt sie sich mit aktuellen Fragestellungen im universitären, kulturellen und sozialen Leben. Auch wenn in der Zofingia die politische Verantwortung geschult wird ist sie parteipolitisch neutral. Vorträge (u. avon Bernhard Thurnheer, Mathieu Jaus und Franz Sabo), und Anlässe (wie Conzärtli, geamtschweizerisches Centralfest in Zofingen und Dies Academicus) waren die Höhepunkte der vergangenen zwei Semester.