Zeedeldichter und Bänggler aufgepasst: «baaseldütsch» statt «baaseldytsch»

21. September 2010 | Von | Kategorie: Nachrichten

«Wieder schreiben können wie man spricht», war die Hauptmotivation für die Christoph Merian Stiftung und die Bürgergemeinde der Stadt Basel, um ein neues Wörterbuch zu ermöglichen. Ein Forschungsteam am Deutschen Seminar der Universität Basel unter der Leitung von Annelies Häcki Buhofer, Markus Gasser und Lorenz Hofer hat das für ein breites Publikum gedachte Buch seit 2007 mit einer gross angelegten Forschung aufwändig erarbeitet. Das neue Werk geht zwar vom bisherigen Wörterbuch von Rudolf Suter aus, das seit 1984 in mehreren Auflagen ebenfalls im CMS-Verlag erschienen ist. Doch gibt es deutliche Unterschiede.

Vor allem orientiert sich das neue Buch am aktuellen Sprachgebrauch und nicht an einem Traditionsdialekt, wie er teils noch an der Fasnacht gebräuchlich ist. Grundlage seien zahlreiche Recherchen gewesen. So lancierten die Forscher – erstmals bei einem Dialektwörterbuch – eine Internet-Umfrage, bei der über 4000 Personen mitmachten (42 Prozent davon waren Frauen, 58 Prozent Männer) und 70’000 Antworten beitrugen. Zudem legten sie eine Textsammlung aus Radio- und TV-Beiträgen, Literatur, Fasnachtszeedel, Songtexten und Anderem – zusammengekommen sind so gegen 10 Millionen Wörter und Begriffe.

Das Wörterbuch bietet ein verlässliches, detailreiches und unterhaltsames Abbild des jetzigen baseldeutschen Wortschatzes. Am «Fest der Wissenschaften» zum 550-Jahr-Jubiläum der Universität Basel stellt der Christoph Merian Verlag sowie das Deutsche Seminar das «Neue Baseldeutsch Wörterbuch» der Öffentlichkeit vor.

Gewöhnungsbedürftig ist die neue Schreibweise. Sie kennt kein «y» mehr und die offenen Vokale werden mit «Accent grave» geschrieben (à, è, ì, ò ù). Jeder Eintrag ist von einem ausgewählten Beispielsatz aus realen Kommunikationssituationen begleitet:

  • Gòòrtèèsch: Die Aggdiive nämmen alli am Gòòrtèèsch teil

  • Gòschdüüm, Gòschdüm: Mit e baar Bändel und Grälleli hèt si ììr Gòschdüüm ùffglöpft

  • Mittwùch: Am Mittwùch vòòr ere Wùche ìsch öppis bassiert

  • Mòòrgestraich: Schò am Mòòrgestraich hèt s Süüschee vòm Barbara-Glub vò witem glüüchted

  • Schissdräggzü`ü`gli: Drnoo könne si jò ìn ùnserem Schissdräggzü`ü`gli mìtmache

  • Zììbelewääie: An dr Faasnacht ìsst me Zììbelewääie ùnd Määlsùppe
  • Die im früheren Baseldeutschen als «e» und «i» gesprochenen und wiedergegebenen Laute werden durch «ö» und «ü» ersetzt: Lööli statt Leeli, ü`ü`ber statt ììber. Erhalten wurde «ie» wie in grien. Aufgenommen wurden auch neue, zum Teil aus dem Englischen stammende Worte:

  • Kòmpjuter, Kòmpjuuter (Computer): Sòtt jètzt ùffhööre doo am Kòmpjuter, es ìsch schò Äins znacht (gilt auch für die Abkürzung Kòmpi)

  • Peezee (Computer): Mìr hänn e nö`ie Peezee kaufft

  • rissaiggle (recyclen): Sit wènn muesch du Wìtz rissaiggle?
  • Das Register im hinteren Teil des Wörterbuches ermöglicht es, ausgehend von der Standardsprache baseldeutsche Wörter und Wendungen zu finden. In vielen Fälle sind im Register für ein standardsprachliches Wort oder eine standardsprachliche Wendung mehrere Einträge vorhanden (zum Beispiel für plantschen: gö`itsche, pflätsche, pflättere, pflòtsche, schwaadere). Dies wiederum beweist die Reichhaltigkeit unseres Dialektes.

    Ganz durchgesetzt hat sich im Buch die neue Schreibweise allerdings noch nicht. In seinem «Zum Geleit» schreibt Dr. Lukas Faesch, Bürgerrat und Präsident der Kommission der Christoph Merian Stiftung von «Baaseldytsch» mit y!