Wenn sich Könige verkleiden, dann ist die Fasnacht nicht mehr weit

6. März 2003 | Von | Kategorie: Nachrichten

Seit dem Jahre 1754 thronen über dem Hauptportal des Hotels Drei Könige am Blumenrain die Statuen von Kaspar, Melchior und Balthasar. Die Lufthyler-Waggis, eine Wagenclique, hatten die Idee, diese Majestäten über die Fasnacht durch Verkleidung in Waggisse zu verwandeln. Die Direktion des Nobelhotels war einverstanden – und nun wird an jedem Donnerstag vor der Fasnacht diese Zeremonie durchgeführt; heute kam es bereits zur 28. Verkleidung.

«Bleu-blanc-rouge» hatte Basler Fasnacht Online die Vorschau überschrieben. Doch heute war mehr «grau-blass-blau» angesagt. Grau war der Himmel über Basel, die Sonne blass und mehr zu erahnen als zu sehen. Blau waren einzig die vielen Ballone, welche an die Kinder verteilt wurden. Sie konnten damit an einem Wettbewerb teilnehmen, und jenen, deren Ballon am weitesten fliegt, winken schöne Preise.

Lange vor der auf zehn Uhr angesetzten Verkleidung wurde die Zahl der Zuschauer immer grösser. Darunter waren erfreulich viele Kinder, die meisten kostümiert. Zu ihnen gesellten sich um 9.50 Uhr noch die Kinder aus einem Basler Tagesheim. Angeführt von vier Pfeifern marschierten sie zur Melodie der «Alten» via Petersgasse zum Blumenrain. Gleich darauf erschienen die «Krachschnygge» auf dem Balkon. Für sie war es ein kleines Jubiläum, sind sie doch seit 25 Jahren immer dabei.

Drei Minuten nach 10 Uhr war es dann soweit. Die Lufthyler-Waggis fuhren auf dem offenen Saurer, einem alten Überfallwagen der Polizei, vor dem Hotel vor, im Schlepptau der grosse Löschzug der Feuerwehr. Die Gugge begrüsste sie mit einem fetzigen Saint-Louis-Blues. Dann wurde die Leiter ausgefahren, und die Verkleidung begann. Die «Krachschnygge», als königliche Uelis in grün-rot-gold gekleidet, hatten sich inzwischen auf dem Trottoir aufgestellt und unterhielten die Zuschauer mit einer rassigen Melidie nach der andern. Die Lufthyler-Waggis balancierten ihre Tabletts gekonnt von einer Strassenseite zur andern, ohne sich durch vorbeifahrenden Autos, Trams und Bussen gross beeindrucken zu lassen. Und der offerierte Weisswein, diverse Säfte und die feinen Kääskiechli fanden reissenden Absatz. Besonders stolz wird eine Polizistin sein, welche auf ihre orange Jacke vom Basler Fussballidol Karli Odermatt ein Autogramm erhielt.

Nach einer Stunde war das Werk vollbracht, und die beiden «Verkleider» durften wieder festen Boden betreten. Beim anschliessenden Apéro im Hotel wurde traditionsgemäss Pitt Buchmüller, der Obmann der Lufthyler-Waggis, durch den «Schorsch vom Hafebeggi II» mit sehr guten Versen zünftig aufs Korn genommen. Besonders wurde ihm angekreidet, dass er Basel den Rücken gekehrt hat und nach Strengelbach «ausgewandert» ist.