Wenn die Lälli-Clique Durst hat…

28. Januar 2002 | Von | Kategorie: Nachrichten

Ob sich der Name der 100-Jährigen vom Lällenkönig oder von der Sorge um genügend Flüssiges (siehe Infobox) ableitet, muss wohl Spekulation bleiben. Ebenso wenig kann gesagt werden, wann die Stammclique genau gegründet wurde. Unter anderen Namen kann die Lälli schon vor 1902 nachgewiesen werden. «Mit grosser Sicherheit darf das erste Erscheinen (und damit die eigentliche Gründung) der späteren Lälli 1885 oder noch früher angenommen werden», steht in der anlässlich des 75-Jahre-Jubiläums herausgegebenen Lälli-Chronik. Beweisen kann das allerdings niemand, viele Akten aus der Zeit sind verloren gegangen.

1902 erscheint also rein zufällig als Gründungsjahr, kein Grund für die Lälli, das Jubiläum nicht zünftig zu feiern. Gründer der Clique war der legendäre Fasnächtler und ausgezeichnete Tambour Carl Dischler. Sein Trommelstil sollte sich auf Generationen stark auswirken, er führte etwa als erster den Doppelstreich (Doublé) ein.

Die Clique machte in der Anfangszeit einen sehr vornehmen Eindruck, was ihr im Volksmund den Namen «Gschwälli-Clique» einbrachte. Nicht ganz unverdient, wie die Chronik selbstkritisch feststellt. «Heute ist dies gar nicht mehr so, wir sind eine sehr durchmischte Clique», versichert Martin Bammerlin, Instruktor bei der Jungen Garde.

Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte die Lälli stürmische Zeiten, vor allem wegen interner Streitigkeiten. Nicht weniger als sieben Präsidenten waren in der «chronique scandaleuse» der Lälli-Clique zwischen 1920 und 1927 im Amt. Es kam zu Trennungen und Abspaltungen, daraus entstanden Cliquen wie die Alti Richtig, Baslerdybli oder die Mitjubilarin Wettstai.

Die Lälli rappelte sich immer wieder auf und gründete bereits 1912 eine Junge Garde. Es sei die älteste Junge Garde in der Cliquenlandschaft und die grösste, so Mammerlin. Die Jungi Lälli und die Lälli-Binggis umfassen heute über 100 Mädchen und Knaben, die in zwölf Kursen das Trommeln und Pfeifen lernen. Übungslokal ist der schöne, zweistöckige Cliquenkeller in der St. Alban-Vorstadt.

Berühmt waren ab den dreissiger Jahren die liebevoll ausgearbeiteten Wagen der Lälli — und manchmal auch berüchtigt. So flog einst bei einem Halt eine, natürlich nur aus Sujet-Gründen mitgeführte Munitionskiste in die Luft. Grösserer Schaden wurde zum Glück keiner angerichtet. Auch sorgte sich die Lälli weiterhin treu um das Durstlöschen. Als die Clique bei den Rheinsporttagen von 1946 eine Bar betrieb, blieb der Ertrag aus, weil, laut Chronik, den Damen der Champagner in zu grossen Gläsern ausgeschenkt worden war.

1965 wurde das Lälli-Harem gegründet. Jährlich wählten die Fasnächtlerinnen aus dem Stamm einen «Harems-Schaich», den sie im Zug «mitführten». Aus dem Harem entstanden 1981 die Lälli-Gluggere, die noch heute existieren, obwohl Frauen seit 1994 im Stammverein Zutritt haben und unterdessen auch im Vorstand vertreten sind. Ebenfalls 1981 wurde die Alte Garde gegründet, die heute eine stattliche Grösse aufweist.

Im Jubeljahr ist die Lälli mit 300 Aktiven eine der grössten Stammcliquen. Auf das Jubiläum erhalten alle Angehörigen des Stamms eine Holztrommel, die sie teilweise selber herstellen. Der spezielle Klang der mit Kalbsfell bezogenen Trommeln wird an der Fasnacht zu hören sein, allerdings nur wenn Petrus so will. Neben zahlreichen Festaktivitäten ist die Lälli im Jubeljahr auch am Drummeli vertreten. Die Lälli werden in corpore die Jubiläumskomposition «Dr Lälli» von Beery Batschelet aufführen, unterstützt von einer Multimedia-Show.


Infobox

Namensforschung

Der Name legt nahe, die Lälli-Clique mit dem unhöflichen Kerl an der Schifflände in Verbindung zu bringen. Der Lällenkönig ist zum Cliquen-Symbol geworden und ziert ihr Signet. Es könnte sich aber alles auch ganz anders zugetragen haben. An der Fasnacht 1902 trat erstmals eine Gruppe unter dem Namen «Lälli-Clique» auf. Ihr Sujet war die Einführung der Polizeistunde, die besagte, dass Beizen nur von 9 Uhr bis 23 Uhr offen haben dürfen. Grund zur Sorge; die Clique trug Larven mit stierem Blick und langen, zündroten «Lällis». Der Fasnachtszug war «ein einziger Protestschrei gegen Vergewaltigung der primitivsten Menschenrechte». Sollte der Durst der Lälli ihren Namen eingebracht haben? (siw)

Die komplette bz-Serie über die Jubelcliquen 2002 (im PDF-Format):

100 Jahre Barbara-Club

100 Jahre Lälli-Clique

75 Jahre Spale-Clique

50 Jahre Die Aagfrässene

50 Jahre Giftschnaigge

50 Jahre Wettstai-Clique