Ein so begeistert mitgehendes Publikum hat die Kleine Bühne des Theater Basel wohl noch selten erlebt. Kein Wunder, wurde so die Premiere des Kinder-Charivaris 2003 ein voller Erfolg. Mit dem Fasnachts-Kinderkrimi «Räppli-Jagd» ist dem Autor Jürg Jösslin wieder ein Volltreffer gelungen.
Die Geschichte beginnt in einem Schulzimmer mit uralten Bänken. Hanna Pfannestiil erzählt ihrer Freundin Laura, dass sie heute mit ihrem Vater zum Trommelbauer gehen wird. Dort soll sie eine eigene Trommel bekommen. Doch der Vater muss unversehens für einen erkrankten Kollegen die Schicht übernehmen. Statt wie vorgesehen mit dem Tram, fährt Hanna alleine mit dem Velo los und baut prompt einen Unfall mit einem Töfffahrer. Der stiehlt ihr die Hälfte der 800 Franken, die sie bei sich hat. Doch ohne Geld keine Trommel, meint Trommelbauer Rolf Schleegel kategorisch.
Mit allen möglichen und unmöglichen Ausreden muss Hanna nun den Eltern und dem Trommelinstruktor der «Dintefässli» erklären, warum sie keine Trommel vorzeigen kann. Zusammen mit ihrer Freundin Laura sucht sie den Dieb. Im Rheinhafen belauschen sie ein Gaunertrio, das an der Fasnacht einen Banküberfall plant. Doch gerade, als dieses über den Termin reden, marschiert lautstark eine Guggenmusik vorbei. So wissen Hanna und Laura nur, welche Bank ausgeraubt werden soll – aber nicht an welchem Tag. Zum Glück haben sie zumindest erfahren, dass die Bankräuber abergläubisch sind und sich vor schwarzen Katzen, Leitern und Vampiren fürchten. Mit einem Trick gelingt es ihnen, die Gangster der Polizei in die Arme zu treiben. So zieht am Schluss Hanna doch noch selig mit ihrer Trommel hinter einer Clique her.
Lena Einsele als Hanna überzeugt – wie schon in früheren Jahren – durch ihr natürliches Spiel. Majda Kanlic (als Freundin Laura), Matthias Keller (als Hannas Bruder Marc) und Robin Nidecker (als Schulpolizistenhund «Päddy») spielen ihre Rollen ebenfalls sehr gut. Reinhard Stehle gibt den gestressten Vater Robi überzeugend, Mariette Oeggerli als Mutter wirkt dagegen etwas hölzern. Einfach hat es Silvio Fumagalli: Er spielt das, was er in Wirklichkeit ist – einen Basler Schulpolizisten. Leben auf die Bühne bringen die Kinder der 2. Klasse der Tagesschule Kleinhüningen. Der Comité-Bangg «Gluggersegg» verkörpert nicht nur die drei Räuber, die lieber singen als arbeiten – das Trio überzeugt auch mit guten Bangg-Versen. Junge Garde und Binggis der «Muggedätscher» (unter anderem mit einem eindrücklichen Morgestraich) sowie die seit Jahren mitwirkende Gugge «Schänzli-Fäger» sind für fasnächtliche Stimmung besorgt. Und erstmals bei einer Vorfasnachts-Veranstaltung ist mit den «Knochestampfer-Waggis» auch eine Wagenclique dabei.
Die grosse Kinderschaar im Zuschauerraum ist voll bei der Sache und greift immer wieder lautstark ins Geschehen ein. So, als Hanna nicht merkt, wie der Töfffahrer ihr das Geld stiehlt – oder als sie scheinbar nicht bemerkt, wie die drei Gangster in die Bank hineinschleichen. Und als Hanna sich darüber wundert, dass die drei grossen Typen vor Vampiren Angst haben und darob feststellt, «dass Männer so dumm sein können», will die (weibliche) Beifallsbekundung im Publikum kaum enden.
Da am Tag zuvor erstmals auf der Kleinen Bühne geprobt werden konnte, liessen sich kleine Längen nicht vermeiden. Trotzdem dürfen Regisseur Klaus Michael Zintgraf und Assistentin Susanne Repka mit der Aufführung durchaus zufrieden sein. Die Frage, ob das nächste Kinder-Charivari allerdings wieder dort stattfinden wird oder ob ein anderer Spielort gesucht werden muss, musste Obmann Dieter F. Wullschleger gegenüber Basler Fasnacht Online offenlassen.



