Freude herrscht bei den «Lufthyler-Waggis». Bis 2004 wurden von ihnen 29 Jahre lang am Donnerstag vor dem Morgestraich die Figuren der Drei Könige, welche seit dem Jahre 1754 über dem Portal des Hotels am Blumenrain stehen in Waggis verkleidet. Doch in den letzten beiden Jahren fehlten die Majestäten. Der Grund: Das Hotel wurde total umgebaut. Doch seit dem Frühling letzten Jahres stehen sie, frisch renoviert und in voller Pracht zum Glück wieder auf ihrem Podest. Und so kann eine liebgewordene Tradition fortgesetzt werden.
Das Ritual hat sich seit der ersten Verkleidung nicht verändert. Um 10 Uhr biegen die «Lufthyler-Waggis» in ihren traditionellen schwarz-weissen Kostümen auf dem offenen Saurer, einem alten Polizei-Überfallwagen in den Blumenrain ein. Zur Feier des Tages – und dem neuen «Les Trois Rois» angepast – tragen sie für diesen speziellen Tag eine goldige Larve mit einer goldigen Krone. Ihnen folgt ein Löschzug der Basler Berufs-Feuerwehr mit der langen, ausfahrbaren Hebebühne. Mutige Männer verkleiden dann in luftiger Höhe die Drei Königen mit den neuen, leichter zu befestigenden Waggis-Kostümen. So mutieren nach und nach König Kaspar, Melchior und Balthasar zum Waggis Kaschper, Melchi und Balz. Bis es so weit ist unterhält die Gugge «Krach-Schnygge» die hoffentlich zahlreichen Zuschauer mit ihrem fetzigem Gugge-Sound. Kühler Weisswein, köstlicher Orangensaft, sowie heisse Kääskiechli, alles gestiftet von Coop Schweiz, werden von den Lufthyler-Waggis elegant auf Tabletts durch die Menge balanciert und dem eifrig zugreifenden Publikum offeriert.
Begonnen hat alles 1975 im Restaurant Charon beim Spalentor. Dort gründete Pitt Buchmüller mit einigen Freunden die Wagenclique «Lufthyler-Waggis». Auf den Namen kamen sie, da viele von ihnen damals auf dem Flughafen Basel-Mulhouse tätig waren. Zwanzig Jahre lang nahmen sie am Cortège teil. Dann erkannten sie, dass zu viele Wagen unterwegs waren und die Route verstopften. Den Schlusspunkt setzte ein deutscher Tourist mit Hut und Gämsbart. Als er fragte: «Faschingsnarr, kann ich ein Programm haben?», löschte es ihnen endgültig ab.
Doch zurück zur Verkleidung. Buchmüller und «-sten» (Kürzel für Hanns U. Christen, Basler Journalist und Schriftsteller. Anm. d. Red.) wollten neben den üblichen Vorfasnachts-Veranstaltungen etwas Spezielles machen. Da damals bei der Bevölkerung gegenüber der Nobelherberge Hotel Drei Könige eine «Schwellenangst» herrschte entstand die Idee, die Drei Könige über dem Portal in Drei Waggis zu verkleiden. Und siehe da, jetzt trauten sich die Fasnächtler hinein. Aus dem damaligen Anlass entwickelte sich eine nunmehr bereits 32-jährige Tradition.



