Etwas ratlos betrachteten wir damals die Einladung für einen neuen Vorfasnachts-Anlass: Hochstehende Fasnachtsmusik sollte geboten werden, gepflegtes Piccolo- und Trommelspiel also. Wie wenn es das in Basel nicht schon gäbe, dachten wir einen kurzen Moment – doch schon besiegte die Neugier den Zweifel. Und wir erlebten am 4. Hornig 1981 im kleinen Festsaal der Messe Basel einen wunderschönen Premieren-Abend. Und es war ein fasnachts-musikalischer Hochgenuss, die Organisatoren hatten nicht zuviel versprochen.
Zwischen den Nummern kam jeweils ein grüner Basilisk, quasi das Nummerngirl, und überbrückte mit Sprüchen die kurzen Umbaupausen. Für die Organisatoren war er wirklich nur der Pausenfüller, ganz bewusst; der Anlass sollte wirklich ganz den Musikanten gehören, und das wurde über die Jahre so durchgezogen.
Die Idee war im November 1980 am Stammtisch der Harlekin entstanden, nach einer Pfeifer- und Trommelübung. «Trommeln und Pfeifen ist Musik und Virtuosität und damit mehr als nur Begleitrhythmus der Fasnacht», hiess es in einem Grundsatzprotokoll der Räppli-Serenaade. Die Fasnachtsmusik solle im Zentrum stehen, und auch kleineren Gruppen «mit ausserordentlicher Musikalität und besonderem Niveau» sollte es ermöglicht werden, sich an einem Konzert oder eben an einer Räppli-Serenaade zu präsentieren.
Ganz bewusst verzichtet wurde von Anfang an auf Schnitzelbänke, nicht aber auf eine Guggemusig vom Feinsten: Die Schotte-Clique tat von Anfang an mit und gehörte zu den tragenden Säulen.
Beim Start dabei war eine illustre Fasnachtsgesellschaft: Harlekin, d Bajass-Clique, dr Basilisk, d Läckmerli (die mit ihren extravaganten Auftritten stets für Furore sorgten), d Mihlireedli, d Schotte-Clique und d Znynibigger. Drei weitere Serenaaden fanden in der Muba statt, ab 1989 gastierte man im Saalbau Rhypark im St. Johann, nun im Zweijahresrhythmus. Daselbst fand dieses Jahr die 13. Räppli-Serenaade statt – mit gutem Erfolg und mit viel Applaus bedacht. Über 70 sogenannte BWUUF (Basler Wält-Ur-Uf-Fierig) wurden insgesamt geboten.
Als die Räppli-Serenaade gegründet wurde, gab es an Vorfasnachts-Veranstaltungen erst das Drummeli (seit 1906), das Charivari und das Pfyfferli (beide seit 1976), derartige Anlässe feierten Hochkonjunktur, und es wurden immer mehr davon. Im Laufe der Jahre ergab sich eine gewisse Übersättigung, die Sääle füllten sich nicht mehr von selber, was der eine oder andere Veranstalter zu spüren bekam, auch die «Räppli». Dazu gesellte sich ein Generationenproblem: Die Gründerväter wollten sich nach einigen Jahren eigentlich ins zweite Glied zurückziehen, doch fehlte es an Organisatoren-Nachwuchs.
Schon im Juni vermeldeten die Harlekin ihren Rückzug. Eine letzte Sitzung in der letzten Woche führte auch nicht weiter – dem letzten Räppli-Obmann Rolf Meyer blieb nichts mehr anderes, als im Namen der Bajass-Clique, der Barfiessler, der Harlekin, der Jungi Naarebaschi, der Mihlireedli und der Schotte-Clique die stille «Beerdigung» des einst so stolzen Vorfasnachtsanlasses zu vermelden.



