Vorfasnächtlicher Volltreffer

24. Januar 2005 | Von | Kategorie: Nachrichten

Es gibt Nächte, in welchen die Träume eine besondere Bedeutung haben,
ja vielleicht sogar wahr werden. Eine solche Nacht ist jene vor dem
Morgenstreich ­ zumindest für den kleinen Niggi. Von seinem Traum erzählte
der Kabarettist César Keiser in einem vorfasnächtlichen Kinder- und
Familienkonzert des Sinfonieorchesters Basel im Stadtcasino. Dirigent war
Howard Griffiths.

Der Engländer, Leiter des Zürcher Kammerorchesters, hat mittlerweile reiche
Erfahrung im Umgang mit einem jugendlichen Publikum. Mit spontanem Witz und
der Fähigkeit zu erfrischender Selbstironie hat er es rasch im Griff. Dabei
biedert er sich nie in falsch kindertümelnder Art an, sondern nimmt die
Kinder ernst ­ was sich schon darin zeigt, dass er sie konsequent mit «Sie»
anspricht.

Er dirigierte ein Programm mit schmissigen, volkstümlichen Stücken und das
sichtlich motivierte Orchester spielte ausgezeichnet. Mit mitreissendem Elan
und blitzenden Bläsereinsätzen eröffnete Dmitrij Kabalewskys
«Komödiantengalopp» das Konzert; mit wienerischem Schwung folgte die Polka
«Feuerfest» von Josef Strauss; eine prachtvoll klingende «Farandole» aus
Bizets «Arlésienne»-Suite beendete den ersten Teil des Programms. Natürlich
liess Griffiths den Amboss, der in der Polka zum Einsatz kommt, vorführen.

Eingängige, schwungvolle Komposition

Zwischen den Stücken erklärte er einige Fachbegriffe, liess das Publikum ein
Crescendo und ein Diminuendo singen und die accelerando vorwärts treibende
Hornpipe von Henry Wood mit rhythmischem Klatschen begleiten. ­ Dann aber
brach die Fasnacht in den Stadtcasino-Musiksaal ein: Mit dem brillant
gespielten «Läggerli» drangen die von Cathrin Cattelan instruierten Binggiss
der Naarebaschi ins Auditorium.

Nun war es Zeit für «Em Niggi sy Draum». Dieser Traum versetzt den Knaben in
das «Fasnachtshaus». Es ist von allerlei Instrumenten bevölkert, die
zusammen Fasnachtsmusik machen. Einzig das Piccolo bleibt stumm; es wünscht
sich, von einem Jungen an die Fasnacht mitgenommen zu werden. Ein Engel
erfüllt seinen Wunsch: Als Niggi erwacht, liegt das Piccolo auf seinem Bett.
Diese Geschichte hat Maja Theurillat erfunden und in baseldeutschen Verse
erzählt; Pen Kaisi hat sie mit feinen Pastelltönen illustriert. Ihr
Bilderbuch «Em Niggi sy Draum» ist vor kurzem erschienen.

Natürlich ruft diese Vorlage geradezu nach Musik. Arth Paul Huber, der
Hauskomponist des Théâtre Fauteuil, hat sie komponiert. Mit Humor und
souveränem Handwerk nutzt er die Möglichkeiten des gross besetzten
Orchesters. Seine Komposition ist eingängig und hat Schwung.
Selbstverständlich bezieht er traditionelle Fasnachtsmusik mit ein:
Phantasievoll variiert er den letzten Vers der «Routensinfonie» ­ mit dem
bekannten «Das Wandern ist des Müllers Lust» ­ und den Anfang des «Saggodo»
lässt er klingen, als ob ihn Giacomo Meyerbeer komponiert hätte.

César Keiser erzählte die Geschichte in gepflegtem, doch nicht affektiertem
Baseldeutsch, nüanciert, aber ohne aufgesetzte Effekte. Der abschliessende
Auftritt der Binggis mit »Z Basel» war ein Volltreffer ins Fasnächtlerherz
und der Jubel war riesig.