Nichts da mit gemütlichem Einlaufen à la FCB-Match. Schon weit unterhalb der Burg ist die Royal Mile grossflächig abgesperrt. Hier hat sich der geduldige Besucher des Tattoo in Kolonnen einzureihen die weit um die nächste Häuserzeile reicht – um anschliessend doch wie eine Herde aufgescheuchter schottischer Schafe blökend, (sorry – in einem vielfältigen Sprachmix unterteilt) gemeinsam zur Burg hochzutrotten. Positiver Nebeneffekt betrifft die Völkerverständigung: so grüsse ich an dieser Stelle das Häuflein Städter, welche (ohne Fähnlein!) mich so grossartig beim Zusammensetzen meiner scheinbar unübersehbaren Special-Top-Secret-Basler-Fahne assistiert haben.
Dass Schotten geizig sein sollen hab ich ja schon gehört. Richtig bewusst wurde mir diese Tatsache aber erst am Tattoo selbst, als mich bei sehr heftigem und kaltem Wind nicht mal meine warme Trekkingjacke davon abhielt, einen Abend lang wie ein Schlossgespenst zu schlottern. Ganz im Gegensatz zu eben diesen erwähnten Schotten, die da nur im kurzärmligen T-Shirt aufkreuzen. Selbst der 1.90m/95kg Ami neben mir in seiner Original Chicago State Vlies Jacke sass vibrierend neben mir. Diesem hatte ich übrigens noch eine Stunde zuvor auf der Strasse mein überzähliges Ticket verkauft und dabei fast einen kleinen Aufstand produziert, weil ich das Ticket zu billig (30GBP) verkauft hatte. Eine Dame hätte fünfzig bezahlt, ganz zu schweigen von diesem Japaner mit der Flaschenbodengläserbrille und den flehenden Cockerspaniel-Augen darunter, der mir für mein verbleibendes Ticket sicher 200GBP bezahlt hätte!
Die Show dann GREAT und EXTRAORDINARY und auch FANTASTIC – nur der Admiral in der VIP Lounge, der vom ewigen aufstehen und jede Formation salutierend, sicher arge Bandscheibenbeschwerden mit auf sein Schiff nahm, konnte einem Leid tun.
Nach dem grossartigen Finale trottete die Herde wieder aus der Arena, ich mittendrin und die Special-Top-Secret-Basler-Fahne noch stolzer und höher haltend. Plötzlich links von mir doch noch ein Grüpplein Basler Fähnlein schwingender, die mich prompt davon abhielten, mich zusammen mit dem Ami bei einem Malt Whisky in der erstbesten warmen Stube aufzuwärmen. So erkannte ich doch tatsächlich Pico, Päuli, Butz, Dürr und Peter samt Begleitung aus Sissach (mit Basler Fähnlein !!!). Anm. am Rande: Für einmal Basler sein muss angesichts des grossartigen Erfolges des TSDC auch mal uns Baselbietern vergönnt sein – erlauben wir doch unsererseits den Städtern , wenns um den Chienbäse, unseren Banntag oder auch das Chluuriverbrennen geht, Rampasse zu sein.. und zwar mittendrin nicht nur dabei!
Kurz darauf war dann auch das Espionage, heimliches Headquater der TSDC und mit den wohl längsten Öffnungszeiten in Edinburgh fest in Baselbieter Hand.
Am zweiten Tag war dann Kultur angesagt, und so setzte ich mich aufs Oberdeck einer dieser Sightseeing Busse. Den falschen, wie sich nach der Abfahrt herausstellte, denn der Kommentar war nur in schottisch/englisch, aber trotzdem verry interresting.
Genug von imposanten Häusern und Monumenten, und nach der Tea Time wieder rein ins Pub unterhalb der Burg. Überraschend stossen Erik Julliard und vier seiner Jungs dazu, um sich bei einem Glas Wasser zu zu erfrischen (!?!), denn nach Aussage des Barkeepers dürften sich Angehörige einer Formation vor dem Tattoo nicht in Pubs o.ä. blicken lassen. Bei dieser Gelegenheit die Special-Top-Secret-Basler-Fahne überreicht und noch etwas über Zukunftspläne, weitere Auftritte und einen eventuellen weiteren Besuch meinerseits (ohne Ticket) diskutiert. Impossible, weil der von Erik umgehend kontaktierte Tätschmeister des Tattoo, Sgt Mr Steve Hardcastle sich heute abend mit dem immer noch starken Wind herumschlagen müsse.
Dann eben nicht- oder doch? Nachdem sich die Jungs Richtung Dusche und Garderobe verabschiedet haben, und ich noch per Zufall mit zwei Mitgliedern des ehrwürdigen Scotish Parliament etwas Small Talk führen durfte, kam dann dieser Gedanke in mir hoch! Dieses Sicherheitsdispositiv der Polizei und Security kann und muss man doch irgendwie.. Verzeiht liebe Jungs und Erik von TSDC meine Aufdringlichkeit, aber die Versuchung war zu gross! Alle Barrieren und Abschrankungen erfolgreich umgangen – bis auf den letzten inneren Riegel. Hier half dann nur noch ein nettes Gespräch über TSDC mit dem dort positionierten Bobby und einem Anruf bei Erik, der mich dann auch prompt dort abholen konnte. Erik stellt mir alsdann den, seinem Namen entsprechend streng wirkenden, aber äusserst sympathischen Sgt Mr Hardcastle vor. Übrigens, der Stock, den er dabei hat, heisst „Pacestick“, wie mir von meinen B&B-Gastgebern bestätigt wird, und dient nicht einfach zum abstützen, sondern zum Ab- und Ausmessen von in Reih und Glied stehenden Soldaten.
Um halb Zehn wolle er mich vor dem Souvenirshop an der Ecke abholen und zu den Jungs führen. Genug Zeit also die vorbeiziehende Menschenmenge (immer noch wie Schafe) zu beobachten und nochmals Schlangestehen, diesmal vor der Toilette. Zwei Bobbys wollten mich alsdann mangels Batch oder sonstigem TSDC-Ausweis schon fast verhaften, als gerade rechtzeitig der Sgt Mr auftaucht, Oops. Dann führt er mich durch einen langen Tunnel in die geheiligten inneren Gemäuer der Burg, und diese Ehre wird, wie ich denke wahrlich den wenigsten zuteil. So erlebe ich die letzten Vorbereitungen des TSDC-Formationsübungen, Warm-up und Naseputzen – auch Stars sind vor dem schottischen Wetter nicht gefeit!
Es geht los und ich erlebe an der Seite von Sgt Mr Hardcastle, an absolut bester Lage, direkt und ebenerdig neben einem Künstlereingang einen weiteren sensationellen Auftritt des TSDC, siehe auch die Bilder in der Foto Galerie. Wer war wohl stolzer, Hardcastle auf „seine Boys“ oder ich auf „unser Corps“ , wir strahlten beide!
Das wars. Verabschiedung von der Gruppe nach Ihrem Auftritt , mit immer noch leicht anhaltendem schlechten Gewissen aufgrung meiner gezeigten Hartnäckigkeit.
Sorry und Danke nochmals an alle Mitglieder des TSDC. Ich bin echt stolz auf dieses Corps (auch wenn ich Baselbieter bin) und wünsch mir wie viele andere auch, weitere Auftritte von Euch – warum nicht am Eröffnungsmatch des EHC gegen Langnau?
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