Von «Narrensprung» und «Hexentanz»

20. Januar 2005 | Von | Kategorie: Nachrichten

«Wir Basler haben die Fasnacht nicht erfunden.» Mit dieser Feststellung begann Edith Schweizer-Völker im Chor der Basler Peterskirche ihren Dia-Vortrag «Narrensprung und Hexentanz – Fasnachtsbräuche im Dreiland». Mit Texten aus ihrem Buch «Butzimummel – Narro – Chluri, Bräuche in der Regio» bewies sie den Zuhörern, dass es in der alemannischen Fasnacht viele grenzüberschreitende Gemeinsamkeiten gibt. Und mit wunderschönen Farb-Dias lieferte die Kultur-Journalistin und Volkskundlerin auch den optischen Beweis dieser Feststellung.

Die Reise zu den traditionellen Fasnachten im Dreiland führte zuerst ins Elsass. In Buschwiller bei Hegenheim wird eine Puppe, die «Dorothée» an einem Baum aufgehängt, so hoch, dass auch die Pompiers sie nicht herunterholen können. Am Samstag vor dem Basler Morgestraich holen die Conscrits (Stellungspflichtige des Dorfs) sie herunter. Im Rahmen eines grossen Volksfestes verbrennen sie dann ihre «Dorothée».

Weiter gings zur alemannisch-schwäbischen Fasnacht. Nördlich von Freiburg im Breisgau liegt das Drehorgelstädtchen Waldkirch. Auf Befehl des Teufels tanzen dort am Samstagabend vor Aschermittwoch die Kandelhexen ums Feuer. Mit funkensprühenden Besen «reiten» sie dann an einem Drahtseil über den Marktplatz. Am nachfolgenden Sonntag beginnt um 12 Uhr die Fasnacht in Elzach. Hier ziehen die rotgeschuppten «Schuddige» mit Wildmännerlarven und «Saubloodere» durchs Städtchen. Zwei Stunden später hüpfen in Zell am Harmersbach die Narren aus dem Narrengrab im Storchenturm. Sie tragen freundliche Holzlarven. Bekleidet sind sie, ähnlich einem Blätzlibajass, mit Bändele- Jasskarten- und Schneggehüüsli-Kleidle.

Die Reise endete in Rottweil am Neckar. Am Montag vor Aschermittwoch «Punkt 8 Uhr» leiten die grossen Narrensprünge «Rottweils höchste Feierdäg» für Bennerrössle, Federahannes, Gschell und Biss, Fransenkleid, Schantele, den Guller, den Langen Mann und neuerdings wieder den Bettelnarr ein. Vom Schwarzen Tor zieht ein gut dreistündiger Zug auf dem Friedrichsplatz, wo sich der Narrensprung auflöst. Wiederholt wird der Narrensprung am Dienstag um 8 und 14 Uhr.