«Mer strample»: Das diesjährige Fasnachtsmotto hat – kann man mit leichter Häme feststellen – in erster Linie auf die Wetterpropheten zugetroffen. Zumindest haben die Kachel- und andere -männer und Frauen Frau Fasnacht und ihr offensichtliches Verhältnis zu Petrus wohl kaum in ihr Kalkül einbezogen. Jedenfalls gebärdete sich das Wetter über weiteste Strecken überhaupt nicht derart mies, wie es die Auguren vorausgesagt hatten. Ja, die Fasnächtlerinnen und Fasnächtler werden es ihrer «Übermutter» danken, dass sie mit Petrus quasi eine Fusion eingegangen ist. Fusion muss also nicht a priori negativ sein…
Jene der Grossbanken war selbstverständlich ein häufig persifliertes Thema – vor allem bei den Bängglern. Für die Stammcliquen war das volkswirtschaftlich bedeutendste Ereignis des letzten Jahres zeitlich zu spät gekommen, als dass sie es noch aktuell hätten umsetzen können. Allerdings mit einer löblichen Ausnahme: Die Aagfrässene bewiesen mit ihrem Sujet Unhaimligi BSchäärig einmal mehr, dass sie zu Sonderefforts fähig sind.
Doch nicht nur Fusionen, die wirtschaftliche Lage allgemein – Rationalisierungen, Outsourcing, Entlassungen, Arbeitslosigkeit usw. – wurde als Sujet von den Cliquen und Gruppen mehrfach aufgegriffen. Das politische Malaise, das angeschlagene Selbstbildnis und -bewusstsein der Schweiz wurden ebenfalls aufgenommen und führten dazu, dass die düsteren Züge im Cortège zahlenmässig wohl noch nie so stark vertreten waren. Das ist der Fasnacht indes überhaupt nicht abträglich, im Gegenteil, sie spiegelt schlicht den Zeitgeist wider.
Gelegenheit, die düsteren Momente durch farbenfrohe Umsetzung von Ereignissen des letzten Jahres aufzuhellen, boten sich ohnehin genug. Ich denke da vor allem an die Rückgabe der britischen Kronkolonie Hong Kong. Dieser historische Moment lud geradezu zur Realisierung von farblich opulenten Cliquenzügen ein, was vor allem den Muggedätscher, aber auch den OptiMischte vortrefflich gelungen ist. Bestnoten haben sich auch die Vereinigte Kleinbasler mit ihrem «Last Minute»-Sujet, die Basler Mittwoch-Gesellschaft und die Gugge Fuege-Fäger mit ihrer Fusion, die Alti Stainlemer mit ihrer «Ego-Parade» oder auch bei den 75-Jahr-Jubilaren die Rätz-Clique und die Alti Glaibasler verdient.
Guter Jahrgang oder nicht? Diese Frage wird jedes Jahr im Zusammenhang mit den Bängglern gestellt. Sie kann heuer getrost positiv beantwortet werden, ja, die «Bangg-Spezialisten» sind sich einig, dass es sich sogar um einen ausgezeichneten Jahrgang handle. Mit dazu beigetragen hat wohl, dass erstmals vier Bänggler-Gruppen, die den qualitativen Anforderungen nicht mehr zu genügen vermochten, suspendiert wurden. In diesem Fall ein «Stellenabbau», der durchaus Sinn macht und lediglich zur Konsequenz hat, dass die betroffenen Bänggler nicht mehr unter dem Label «Comité» auftreten dürfen. Es ist ihnen aber unbenommen, als «Wilde» ihr (vermeintliches) Können zu beweisen – nur Subventionen gibt es dafür allerdings keine.
Zu viel oder nicht? Mit Blick auf die Guggen und Wagen eine weitere Frage, die jedes Jahr die fasnächtlichen Gemüter bewegt. Die Beantwortung ist eine Glaubenssache. Allerdings ist Tatsache, dass die Teilnehmerzahlen sowohl bei den Guggisten als auch bei den Wagencliquen in den letzten Jahren stagnieren. Und zum Glück nicht zunehmen, möchte ich anfügen. Denn ebenso Tatsache ist, dass es immer noch viel zu viele Wagen-Cliquen gibt, die wie geklont scheinen. Will heissen, Traktor plus Anhänger mit lausig bemaltem Bretterverschlag, oder die zweite Variante – wohl nach dem Motto «Strau zu Strau gesellt sich gern» – ein simpler Stroh-Wagen. Erfreulich wäre darum, diese Wägeler würden 1999 wenigstens während der Vorbereitungen «strample».



