Wer es sich leisten kann, sollte einmal im Leben Fasnacht ohne Termine machen! Geplant hatte ich ein paar Kellerbesuche … ich war in keinem! Mein Weg führte mich zuerst ins Cafi Barfi im Gerbergässlein. Essen draussen, mitten im Chaos. Von links, von rechts, von hinten und von vorne – Zyygli, Gugge und Einzelmasken, und ich sass in der ersten Reihe!
Plötzlich kommt eine Guggenformation, kläglich klein, in einem Anzugsgoschdym und Halblarven, schlechter Marschrythmus und ich dachte schon: überflüssig. Dann stellten sich die Formation auf und die grosse Überraschung: nachdem sie Michael Jacksons Thriller (!) gespielt hatten, ging die Show los. Eine halbe Stunde Musik vom Feinsten, keine Gugge, eher eine Delegation der Musikschule, 300 Menschen, Riesenapplaus und Zugaberufe wie im Konzertsaal. Klasse! Ein kleiner Zug von trommelnden Zyschtigsziigler bricht frustriert ihren Umgang ab angesicht der Hunderschaft von Guggenfans. Brutal, aber hier gibt es für ein paar Momente keinen Platz für Spitzenpfyffer und Startambouren!
Nach dem guten Essen war mir nach einer Zigarre und einem „Waggis“. Die Kunsthöhle war mein Ziel. Unterwegs Dutzende von Guggen auf dem Weg zu ihrem Auftritt auf der Barfi-Bühne. Ich habs immer gesagt: DIE SCHÖNSTEN GOSCHDYM SIEHST DU BEI DEN GUGGEN AM ZYSCHTIG!!!
Im Kunsthallen-Garten: Tausend openair Sitzplätze, wenige besetzt. Kaum niedergelassen kommt Simon, mein Neffe und erzählt mir von der Alten Richtig, die in ein paar Minuten mit einem Monsterzug von 200 Aktiven den Kohleberg erklimmt. Und tatächlich; mit einem Riesenzug verlässt die ARI das Gelände. Inmitten auch Doris, eine Ur-Junte, geschätzte 70 Lenze mit der Trommel am Bauch. Versteckt unter Larve und Goschdym eine von vielen ARI. Herrlich fasnächtlich.
Mein nächstes Ziel war das angekündigte Konzert der LäGGerli-HaGGer vor der Manor. Mit einem Zyygli marschierte ich über die Ladäärne-Usstellig ins Glaibasel, und dort wurde bereits mit rot-weissem Band der Konzertplatz abgesperrt. Um 22 Uhr – pünktlich – kam, Wessels voraus, die Supergugge als Baudeppen goschdymiert und konzertierte vor 300 Personen. Guggemuusig at its best! Der Oberchef vom Fasnachtsserver – ein pausierender LäGGerli-HaGGer – spendierte dem staunenden Schreiber ein Bier on the road!
Neben dem Geschehen entdecke ich die „Rhychtige“: Eine kleine Gruppierung, die an der Fasnacht zwei Mal pro Fasnachtstag ihre Tafel aufbaut und jene bewirtet, die gerne bewirtet sein wollen. Grill, Bier und Gespräche unter dem Motto: nehmen und geben! Alain, Yvo und Michi erzählen von ihrer Interpretation von „Fasnacht“. Stolz zeigen sie mir ihre Larve: Eine Kreation aus dem 3D-Drucker! Der Hammer!
Danach geht’s kurz zum MANOR-Restauranteingang. Mein vermisstes Securitas-Männchen ist nicht da, der Eingang dunkel, unbewacht und geschlossen. Der wird doch nicht etwa….? Ich stelle fest, dass keine Garbkerze brennt und hoffe auf morgen. Ich werds überprüfen…
Weiter geht’s, via Bermudadreieck (Adler, Venezia, Baggenstoss) und der Fägimuusig folgend über die Mittlere Brücke. Dort überhole ich die rund 60 Waggisse der Märtplatzclique, die – mitten auf der Brücke, den Riesenharst an Pierrots des Dupf Clubs kreuzen. KEIN REGISSEUR DER WELT KANN SOWAS INSZENIEREN! Hunderte von Handys machen Fotos und einmal mehr gibt’s auf der Mittleren Brücke ein Gedränge, als würde jeden Moment das 1. August-Feuerwerk gezündet.
Zurück in meine Schreibstube im Hotel Basel. Rund um das Fasnachtshotel, im Lääberlidampf, geschätzte 1000 Passanten und Fasnächtler, die sich an dem wunderbaren Zyschtig erfreuen. In einem Keller war ich nicht. Das spare ich mir für die nächste Regen-Fasnacht auf… Jetzt auf „Senden“ clicken und nochmals eintauchen in die unglaubliche Fasnachtseuphorie. Wer auch immer den Fasnachtszyschtig erfunden hat: Danke!



