Jedes Jahr das Gleiche: Vorfreude, schlecht geschlafen, dann emsiges Treiben, Licht aus, vorwärts, Marsch, Punkt! – Und doch ist es immer wieder etwas Spezielles. Als aus der Ferne die vier Glockenschläge zur vollen Stunde ertönen, ist es da – dieses kalte Kribbeln auf dem Rücken, Hühnerhaut nennt man sowas. Plötzlich tausendfach ein Aufschrei, einige Dutzend Mal im Umkreis das unmissverständliche Kommando: «Morgestraich, vorwärts, Marsch!»
4.00 Uhr: Sie hat uns wieder die Fasnachts-Glücksääligkait. Wir tauchen ein in einen – ja, das kann man in diesem Jahr mit Bestimmtheit sagen… – Jahrhundert-Morgestraich. Bei angenehmen fünf Grad Celsius, unter einem sternenklaren Himmel. Prachtvoll die Laternen – ob gross (und getragen) oder klein (auf dem Kopf der Fasnächtler thronend).
4.17 Uhr: Längst ist die Marsch-Monotonie gewichen. «Baslermarsch», «Unggle Sam», «Rossignol» – ein bunter Mix. Drücken, schieben, ziehen – selbst zwischen Marktplatz und Schifflände ist ein Durchkommen kaum möglich. Unsäglich die ewige Blitzerei der Hobby-Fotografen.
4.37 Uhr: Die ersten Cliquen schätzen sich glücklich, haben ihre Route bis zum ersten Marschhalt geschafft. Dann geht man über zu Zwiebelwähe und Mehlsuppe. Die Breo-Ladärne steht am Fischmarkt, diejenige der Querschleeger gleich um die Ecke. Die Mittlere Brücke ist überwunden: Naarebaschi, Wiehlmys und Olympia kommen ins Grossbasel.
5.12 Uhr: Aufregung, Druggede. Mit Blaulicht versucht ein Sanitätsauto, sich an der Schifflände neben der Lampe des Barbara-Club 1902 durch die Menschenmassen zu kämpfen. Wenig später scheint der Boden zu beben – die Vereinigte Kleinbasler gehen mit rassig-französischen Marschmelodien ans Werk, ihnen auf den Versen die Alte Glaibasler.
5.48 Uhr: Nachttischlampen? Ein untrügliches Zeichen, dass die Alte Stainlemer unterwegs sind – zielstrebig über den Marktplatz. Kurz dahinter die Basler Bebbi mit einem ebenso imposanten Harst an Tambouren und Pfeifern. Es beginnt zu dämmern. Fast hat uns der (Fasnachts-)Alltag wieder. Und so ärgern wir uns auch überhaupt nicht über diejenigen (oft mega-trendigen und dennoch beleuchteten) Geschäfte, die noch nie etwas vom Morgestraich gehört haben…



