Trotz em Himmel grau in grau – isch si farbig, d Lampe-Schau

18. Februar 1997 | Von | Kategorie: Nachrichten

Die Laterne – besser müsste es dem Sujet gemäss eigentlich Latirrne heissen – der Basler Bebbi passt sich Ton in Ton dem Wetter an, das heisst grau in grau. Und manch ein Helgen und das dazugehörige Värsli sind bitterbös: Zu einem Kreuz, dessen Schenkel aus vier Hakenkreuzen bestehen und in dessen Zentrum das Schweizer Kreuz prangt:

Verirrt het sich das Gold in d Schwiz

– in Ziri litts, in Ziri litts

Etwas versöhnlicher, aber nicht minder treffend, heisst es zum Ergebnis der Regierungsratswahlen, die ja auch etwas irr verlaufen sind:

Dank neuem Duden sinn mir jetz alli gscheiter

statt Gemsen schribsch Gämse, statt Stutz schribsch jetz Schneider

Der Värslibrinzler der Muggedätscher sieht den abgewählten Baudirektor in einem anderen Licht:

Dr Tschudi blybt, dr Stutz dä goht

Do gsehn mir wirgglig nur no root

Dies ist auch das Sujet dieser Clique: folgerichtig dominiert rot auf der Laterne. Vorne ein wutschnaubender Stier, der mit dem roten Tuch gereizt wird, um ihn herum eine ganze Reihe Baselstäbe, auf denen jeweils ein Geier sitzt.

Dä Geier uff em Baselstab

frisst d Lyche vom Novartis-Grab

lautet etwa ein Kommentar. wird auf der Rückseite durch ein regierungsrätliches Feuerwehrauto mit gehetzt dreinblickenden Feuerwehrmännern symbolisiert:

Dr Regierigskaare vo dr Stadt

isch hinde rot und vorne blatt.

Rot ist auch die Farbe der Laterne der Rootsheere, wobei die Frontseite nicht ein wutschnaubender Stier, aber immerhin der in Boxhandschuhen fightende Karl Schweri ziert. , lautet das Sujet, und darum steht bei der Figur im Taucheranzug auf der Rückseite der Laterne:

Dr Denni mit dr groosse Schnure

funggt die diefschte Bryse dure.

Farbenprächtig – rot, blau und gelb sind die dominierenden Farbtöne – ist sie, die Lampe der jubilierdnen Sans-Gêne (75 Jahre), gibt dem Betrachter aber einige Rätsel auf. Doch nicht nur ihm, wie es sinnigerweise in einem Värsli heisst:

Gäll unser Sujet isch schwär z verstoh

doch au em Sujet-Obmaa goht s esoo

Was soll’s? Die Laterne ist ein Meisterstück; vorne hängen die klassischen Fasnachtsfiguren an einer Garderobe und auf der Rückseite vergnügen sie sich in einem fasnächtlichen Tohuwabohu, ganz gemäss dem Sujet die Roote mit de Gääle und die Gääle mit de Blaue…

Mit Fusionen – zum Beispiel Männli mit Wybli – hat dies nur cliquenintern zu tun, die Basler Zepf Ziri indes halten es da schon grenzüberschreitend. Auf ihrer Laterne prangen – vereint – links der Zürileu, rechts der Basilisk und dazu der Vers:

Dääne zwai duet s haillos gruuse

mitenander miesse z pfuuse

s haisst nimm: Schätzli kumm mit mir ins Bett

jetz sait me, ass me pfusioniere wett.

Auf der Laternen-Rückseite fliesst der Rhein unter dem Zürcher Grossmünster und dem Basler Münster:

Als Zöifter uff dr Rhymmat wöischt er

sich näbem Minschter no es Möischter.

Auf dem Rhein (oder doch der Limmat?) ein Boot, das beinahe voll ist und auf dem ein Gerangel im Gange ist:

Schiffli fahre uff em Rhy

und scho gheit e Zircher dry

ebbis macht uns sehr betroffe

es syg e Basler mitversoffe.

Echt betroffen macht zum Schluss die Laterne der VKB, die nicht nur ein malerisches, sondern auch ein textliches Chef d’oeuvre zum Sujet ist. Vor dem Betrachter liegt ein altes Geschichtsbuch offen da, die erste Seite zeigt ein Goldvreneli, das sich in Dämpfe auflöst, und ganz oben erkennt man Hitler:

Stinggt s gottserbärmlig gopferdeggel.

Oh Vreneli, oh Vreneli
Uus de Bangge ihre Rysswölf

stygt dr Moderduft vom Dölf

Dazwischen vier alles sagende Worte:

Gefangenheit, Vergangenheit

in Ewigkeit Befangenheit

Letztlich das:

Dr Jud kunnt hitte iber d Schwyzer Gränze gritte

Sy Sagg isch schwär und digg, he jo zem guete Gligg…

Was einem die Worte im Hals ersticken lässt.