Testsingen vom Elfiglöggli. Es gibt „Drfür und Drwider“…

16. Oktober 2025 | Von | Kategorie: Nachrichten

’s Elfiglöggli – ein Basler Schnitzelbangg der VSG – veranstaltet bereits zum dritten Mal ein Testsingen. Dies hat innerhalb der Redaktion unseres Fasnachtsmediums zu einer lebhaften Diskussion geführt. Pro und Contra in diesem Beitrag.

Die Fakten vorab: ’s Elfi-Glöggli organisiert zum dritten Mal ein Testsingen, zusammen mit drei weiteren VSG Bängg (Daameryschli, Clara Käthy und Kater Carlo und dr Blageeri). Das Testsingen findet im Bistro des Antikenmuseums statt und zwar am Samstag, 3. Jänner 2026 um 18.30. Tickets gibts bei www.eventfrog.ch und sie kosten CHF 70 pro Person. Darin inbegriffen ein dreigängiges Menü (Fleisch oder Vegi) und die Teilnahme an einem Wettbewerb mit einem „exklusiven Preis“. Soweit, sogut.

Nun ist bekannt, dass ein grosser Teil der Bängglerformationen in irgendeiner Weise ihre gedrechselten Verse an „Testpublika“ ausprobiert. Da gibt’s Vorsingen bei Wagenvernissagen von Wage-Clique, Auftritte an Stuubede und Vorfasnachtsveranstaltungen. Einige organisieren dann auch einen eigenen Anlass (z.B. das legendäre „Fresserli“ vom verstorbenen Peperoni) oder lassen sich von der eigenen Gesellschaft bewerten. Es gibt tatsächlich Dutzende von „Testformen“.

Innerhalb der „fasnacht.ch“-Redaktion gibt es zwei Lager: Die einen befürworten solche Anlässe, die andern sind dagegen. Die Argumente sind interessant und wir haben beschlossen, ein „Pro und Contra“-Artikel zuzulassen um der Leserschaft die Gelegenheit zu geben, sich eine eigene Meinung zu bilden. Letztlich ist das kein weltbewegendes Thema. Aber solche „geteilten Meinungen“ sind innerhalb der Redaktion derart selten, dass wir das gerne mal aufgreifen. Viel Spass dabei!

PRO (Daniel Thiriet)

Ich verstehe wirklich nicht, wo das Problem liegt. Die Illusion, dass der Schnitzelbangg am Montag Abend erstmals mit seinen Versen auf die Gasse geht, ist längst verblasst. Heute muss ein Bangg, der überleben will, ein Marketing machen und seine Verse und seinen Humor verkaufen! Einen „Singvogel“, ein „Dr. FMH“ oder früher „d Striggedde“ sind und waren stadtbekannt. Warum? Sie haben Vorfasnachtsanlässe besucht und eigene Anlässe (Striggeddenoobe) kreiert. Da gibt es andere Bänggler, die sind versmässig ebenso gut (manchmal sogar besser), aber man kennt sie kaum, weil sie halt einfach nur an der Fasnacht singen. Und solche Marketing-Gags jetzt als „kommerziell“ oder gar „übertrieben“ abzutun, wird der Sache nicht gerecht. Was ist denn mit dem ehemaligen „Fresserli“ von Peperoni? Das war Kult und wesentlich kommerzieller als das Testsingen vom Elfi-Glöggli. Da ist die Frage höchstens, ob man 70 Franken ausgeben will für ein Risotto und vier VSG Bängg. Aber da kann man schliesslich selber wählen. Ich finde jedenfalls, dass das in die News von „fasnacht.ch“ gehört. Immerhin bewegt sich was.

 

CONTRA (André Auderset)

Daniel hat grundsätzlich recht, dass jeder Schnitzelbangg in irgendeiner Weise testet und testen muss, um Anhaltspunkte zu bekommen, welcher Vers dann „zieht“ und welcher besser „ungesungen“ bleiben darf. Die „Innenansicht“ ist nämlich oft alles andere als identisch mit der Aussenwahrnehmung. In meinen über 20 Jahren als aktiver Bänggler ist es mir mehr als einmal passiert, dass ich etwas für einen „Jahrhundertvers“ gehalten und ihn mangels Resonanz nach drei Auftritten „gespült“ habe. Und ich habe immer getestet!

Aber es macht meines Erachtens einen grossen Unterschied, auf welche Weise man testet. Meine Verse gingen erst mal in schriftlicher Form an einen engen Kreis von Freunden. Was von diesen gut befunden wurde (oder von mir trotz deren Bedenken als gut erachtet wurde) ging dann in die weitere Bearbeitung. In Diskussionen an den BSG-Stammtischen und beim „Vorsinge“ in der Schnitzelbangg-Gsellschaft  konkretisierte sich dann das Programm. Und in den letzten Tagen vor der Fasnacht folgten der Feinschliff und Auftritte bei befreundeten Bängg, die bei sich zuhause oder in Cliquenkellern ihre privaten „Stubete“ veranstalteten. Das Publikum war dort eingeladen oder musste die Getränke zu meist sehr moderaten Preisen bezahlen. Nie wäre es mir eingefallen, Freunde und Bekannte quasi zu nötigen, Eintritt zu bezahlen, um mir beim Üben und Testen zuzuschauen.

Ausserdem wollte ich mir die Freiheit lassen, spontan auf Ereignisse einzugehen, die erst in den letzten Tagen vor der Fasnacht passierten. Das geht nicht, wenn man das Programm schon Wochen zuvor sozusagen „basisdemokratisch“ absegnen lässt. Auch finde ich – bin halt altmodisch und etwas fasnacht-romantisch – immer noch, dass meine Verse für das breite Publikum bis zur Fasnacht mehr oder weniger geheim bleiben – Ausnahme natürlich, wenn man an Vorfasnachtsveranstaltungen auftritt (aber auch dann habe ich noch ein eigenes „Fasnachtsprogramm“ aufgestellt.)

Fazit: Zumindest für mich entsteht der Eindruck, dass eine solche „Stubete“ eher durch Gewinnstreben motiviert ist und nicht dem Bestreben, durch vorrangiges Testen die Qualität zu verbessern. Kann man machen – aber ich muss da nicht dabei sein.