«Aadie zämme, d Kaffimihli». So verabschiedete sich Werner F. Vögelin einst als Bänggler. Und dieses Jahr sagt er nun «Aadie» als Stubete-Gastgeber. Was vor zehn Jahren am Spalenberg begann, endet im Atlantis am Klosterberg. Und zu seinem Abschied von der Bühne hat er sich etwas Besonderes einfallen lassen. Ein Programm «mit viel Gutem auf der Bühne und auf dem Teller». So bot Vögelin seinen Gästen ein buntes, fasnächtliches Programm, welches das vorzügliche Drei-Gang Menu umrahmte. Die Gäste sollen feiern wie an einer Hochzeit, dies war sein Wunsch.
Hauptperson des Abends war natürlich Werner F. Vögelin. Ob von Bettina Urfer am Klavier, von Lea Hosch am Cello oder von Barbara «Kurtli» Kleiner begleitet, er wusste sich immer in Szene zu setzen. Nach dem obligatorischen Stubete-Lied zum Auftakt macht er sich in «Mir mache Feschter, jubiliire» zusammen mit Kleiner (Handörgeli) darüber lustig, dass aus jeder einigermassen runden Zahl ein Fest gemacht wird. In «Stadtflucht» bedauert er, dass immer mehr Reiche ausziehen. Doch an der Fasnacht kommen sie wieder. «Do kaa me die loobe. Lieber die in de Hotel, als Ziircher und Schwoobe», meint er augenzwinkernd. Und im Lied von den Heimwehbaslern stellt er fest: «Kasch Basel nit mit andre Städt vergliiche».
Das 200-Jahr-Jubiläum von Schillers «Wilhelm Tell» bringt Vögelin gleich in zwei Versionen auf die Bühne. Einmal auf Hochdeutsch mit der Tell-Ouvertüre von Rossini (Lea Hosch am Cello), dann auf Schweizerdeutsch (Kleiner am Klavier und Vögelin am Alphorn!). Hier fragt er «Willi, Tell me why?». Eine schöne Hommage widmet er dem oft vielbelächelten «Voordraab». Dabei müssen ihm doch die Pfeifer und Tambouren hinterherlaufen. Als Paukist beklagt er, zusammen mit Kleiner als (erstaunlich gute) Tambouröse, dass die kleinen Cliquen an der Fasnacht keinen Platz mehr haben. Daher beschliessen sie «mir haues ab noch Böörminghäm». Und wenn schon die «Basler Elschtere» auf der Bühne stehen, dann darf zum Abschluss ihr grosser Hit «s Martinsglöggli» nicht fehlen.
Für die Rätz-Clique in wunderschönem Charivari ist das Atlantis-Bühnchen fast zu klein. Doch trotz der Enge begeistern sie mit drei sauberen Auftritten. Sowohl die drei Tambouren als auch die elf Pfeifer brillieren mit einem hervorragenden «Läggerli», dem «Naarebaschi» und einem herrlichen «Ohremyggeli».
«Nirgends können Sie so viele Bängg geniessen wie an der Stubete», verspricht Vögelin. Und tatsächlich treten fünf Formationen auf, die Mehrzahl vom Comité 2000. Aber leider hinkt die Qualität der Quantität stark hinterher. «Die Aabrennte» machen den Auftakt. Sie sind schwarz gekleidet, tragen weisse Larven, die Helgen sind schwarz-weiss wie Scherenschnitte. Ihr Vortrag ist etwas unsicher, dazu stört die abgehackte Melodie. Melodisch besser präsentieren sich «D’Muulwirf», doch sind auch sie noch nicht vortragssicher. Schon besser macht es «D Ständerlampe». Leider sind ihre Verse etwas zu brav. Es fehlen die zündenden Pointen. Besser kommt «Dr Uffgweggt» mit einem guten Vortrag an. Statt Helgen trägt er einen Korb am Arm, aus dem er zu jedem Vers einen Gegenstand wie Taucherbrille, Duschkopf oder Kamm hervorknübelt. Völlig überzeugt dann der Comité-Bangg «Die Penetrante». Sie tragen wunderschöne Kostüme, haben tolle Helgen und ausgezeichnete Verse.
Zum absoluten Highlight des Abends wird der Auftritt von Megge Buser als «Amalie Aenishänsli». Die Erlebnisse der Aushilfs-Serviertochter – sei es im Nobelrestaurant bei Stucki oder in einer gewöhnlichen Beiz – lassen kein Auge trocken. Hier sitzt beim ehemaligen Schnitzelbänggler (Stachelbeeri) einfach jede Pointe. Zum Schluss verwandelt sich die Stubete wieder in das alte –tis. Die Stubete-Band «Caesars Blues Connection» mit Willy Surbeck (Bass-Gitarre), einem hervorragenden Peter Kalt (Solo-Gitarre) und Vittorio Müller (Schlagzeug) begeistern die Gäste mit drei rockigen Vorträgen.
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NEU Foto-Galerie von der Vorfasnacht 2005



