Stubete 2004: Xylophon-Highlights zur «Geister-Stunde»

7. Februar 2004 | Von | Kategorie: Nachrichten

Eine Stubete hat eine spezielle, gemütliche Atmosphäre – dies macht Werner F.Vögelin gleich zum Auftakt des Abends klar, wenn er mit erhobenem Glas durch die Zuschauer geht und mit ihnen auf seine Vorfasnachts-Veranstaltung anstösst.
Keine Trommler- und Pfeifergruppen, dafür schräge Fasnachtsmusik hatte der Hausherr, Produzent und Regisseur Werner F. Vögelin im Vorfeld versprochen. Speziell ist das Fasnachtsmusikalische des Stubete-Jahrgangs 2004 in der Tat; speziell und vor allem schön.

Die «Quattro Celli» unter Leitung von Lea Hosch eröffnen den zweiten Teil mit einem äusserst stimmungsvollen Medley. Klassiker wie der «Bolero» vermischen sich mit Fasnachtsmärschen, etwa dem «Arabi» und dem «Gässler». In der Nummer «Sister Act‘s» konvertieren sieben Nonnen zur Fasnacht und blasen als «Mini-Gugge» der Oberschwester Werner F. Vögelin den Marsch. Wunderschön sind auch die Piccolo-Soli des «Stubetegaischt» Christian Müller. Begleitet von Bettina Urfer am Piano beweist Müller in der Nummer «Summertime», dass er auch das Saxophon beherrscht.

Die Nummer, in der sich Vögelin in einem umwerfend komischen Kostüm über die Affenhitze im Sommer beklagt, war das Beste der Rahmestiggli, dicht gefolgt von einer gemeinsamen Nummer von Vögelin und der Zürcher Schauspielerin und Sängerin Yvonne Kupper. In «Dr willig Jakob» wird der Nati-Coach Köbi Kuhn kurzerhand zum Super-Helden erkoren und Kupper huldigt Kuhn als Marlene Dietrich in Reinkultur. Das Duo Kupper und Vögelin nimmt ausserdem die neue Bahnhofpasssage mit ihren uneingeschränkten Einkaufsmöglichkeiten aufs Korn und mimt den alleswissenden, beziehungsweise den völlig unwissenden Zuschauer an einem FCB-Match. In diesen Nummern sind die Lacher altbekannt und bleiben vorhersehbar. Vögelin bleibt ausserdem als «Gaischt vo Böckinghäm» der Queen auf den Fersen und in einer weiteren Vögelin-Solo-Nummer, «Fitness-Tescht am Everescht», lernt das Publikum Basel von seiner hügeligen Seite kennen, frei nach dem Motto: Wozu auch in den Himalaya fahren…

Das Experiment der «Bangg-Rott», ihre Verse mit kleinen Zwischen-Szenen vorzutragen, funktioniert nicht ganz. Trotz guter Ideen fiel der Bangg ab im Vergleich mit den anderen zwei Schnitzelbänken, die die Premieren-Bühne betraten. Der «Schuufle-Buur» und die «Penetrante» waren jedoch auch in Hochform und die Pointen grösstenteils Spitzenklasse. Eine kleine Kostprobe des «Schuufle-Buur»:

Dr Meier klopft an d Himmelsdyyre

dr Petrus luegt kurz hindefiire

und sait in syyne Birggestogg-Sandaale

gang zerscht zrugg dr Sarg go zaale!

Höhepunkt der diesjährigen Stubete ist der Auftritt des Stargastes Ralph Heid. Der sympatische Basler Xylophon-Weltmeister steht seit sage und schreibe 50 Jahren auf der Bühne, seinen ersten Fernseh-Auftritt hatte er als Vierjähriger… Es ist atemberaubend und unglaublich, was Heid mit vollem (Körper)Einsatz seinem Instrument entlockt. Ob ungarisches Temperament (das er auch gleich noch dem Stubete-Publikum beibringt), Can-Can-Klänge von Offenbach oder der Hummelflug von Rimskij-Korsakow: dem Publikum bleibt nur das Staunen. Und die Gewissheit, dass es mit Sicherheit die schnellsten Hummeln der Welt gehört hat: Heid spielt mit bis zu 16 Anschlägen pro Sekunde.

Natürlich durfte auch das traditionelle Stubete-Lied zu Beginn und am Schluss des Programms nicht fehlen. Bettina Urfer und Werner F. Vögelin fordern auch dieses Jahr das Publikum auf, ein Stück des Vorfasnachtskuchens zu versuchen und je nach Geschmack das eine oder andere Stück als «Bhaltis» nach Hause mitzunehmen. Bei dieser neunten Auflage der Stubete dürfte die Wahl schwerfallen.