Sie debutieren, jubilieren und kritisieren

14. Februar 2005 | Von | Kategorie: Nachrichten

Mit 29 Formationen nähert sich der Comité-Bänggler-Marathon der
obersten Grenze dessen, was selbst eingefleischte Freunde fasnächtlicher
Satire gerade noch aufnehmen können. Aber wenn die fünfeinhalb Neuen auch
punkto Vortrag und Auftritt halten, was die Trockenlese ihrer Verse
verspricht, darf sich nicht nur das Schnitzelbangg Comité freuen. Das gilt
insbesondere für s Fäägnäscht. Der reine Frauenbangg zeigt gute
Ansätze und hat etwa diesen ­ allerdings nicht ganz werbefreien ­ Vers im
Repertoire:

Mi Maa het letschti gsait:
«Kasch wähle zwische grien und rot.»
Ych ha denn gfroggt: «Was soll jetz
das? Zum Wähle isch s doch z spoot.»
Druff het är gmaint: «Du hesch
d Begoobig alles lätz z verstoh.
Ych ha doch numme welle
e Nespresso uuseloo.»

Der Doggter FMH wartet nicht nur mit einer «Anamnese» auf, sondern
stellt auch gleich eine «Diagnose». Das liest sich dann so:

Sin si allergisch uf d SVP
und nämme wäge däm Kamilletee?
Tringge sy Rhywasser, das macht Sinn:
s Het Antidepressiva drin:
Diagnose: Vo dr SVP gits sone Huffe,
do muesch dr ganzi Rhy ussuffe.

Zwischen Strassen- und Bänggler-Fasnacht sind in diesem Jahr auf der
Beliebtheitsskala kaum Unterschiede auszumachen. D Dootebainli
schleichen sich allerdings von einer ganz anderen Seite an einen
Dauerbrenner heran und kombinieren:

Dien au Si no
uff das Migros-Budget schweere
oder sich doch zum «Prix Garantie» bekehre?
Au der Denner und der PickPay
dien aim alles ginschtig gää
do kennt sich d BVB emool
e Byspiil nää!

Eher schwarzmalerisch geben sich die Lange Naase, die mit diesem noch
etwas holprigen Ratschlag aufwarten:

Der hüttig Oobe und die Fasnacht miend ihr gniesse.
S isch wohl die letschti,
denn bald wärde mer miesse biesse.
S isch nit z vermyyde,
e Krieg stoht uns ins Huus,
denn luut dr BaZ goht
d «Axe des Bösen» zmits durch Buus.

Nach dem sie als «Wilde» Erfahrung gesammelt haben, machen d
Gardischte nun beim Schnitzelbangg-Comité mit. Ihr Schussvers geht
so:

Dä dert usse linggs,
dä isch e weneli schnäll gfahre.
Und dä het zwai drey Schliggli gha und styggt derno in Kaare.
Är leest nie e Bylljee,
soo wie alli Optimischte.
Aadie zämme und bis bald ­
mer gsehn is in der Kischte.

Erfahrung haben auch d Schnaabelwetzer, die teilweise schon als
Fläädermyys unterwegs waren.

Dr Schubarth het gspeyyt,
jetzt lehrt är guets Binäh,
lehrt Danggscheen saage,
au d Hand richtig gää.
Am Schluss vom Kurs
gits d Noote drey:
Dä Depp het gsait
zu däm wo vor ihm stoht: Y bi so Frey!

Rekordverdächtig auch die Zahl der Jubilare. Mit seinen Vierzeilern nun seit
30 Jahren dabei, d Filzluus, die bitterböse reimt:

S isch hitzedaags fascht wiene Fluech,
wär prominänt isch schrybt e
Buech.
Ych hoff, d Frau Fetz die losst das blybe ­
bi ihre längt e
Ruggtrittsschrybe!

Mit gleichem Jahrgang auch d Käärnebigger, die über einen weiten
Umweg zur Pointe vordringen:

Me het au uns gseh
ins Drey Keenig ynelaufe.
Mir hän e Himmelbett
als Schnäppli kenne kaufe.
Mir hänns denn transportiert
in d Lange Erle uuse,
dass der Vosseler nimm muess
uff em Boode pfuuse!

Zu den Jubilaren zählen auch die «Marmeltüten», seit 20 Jahren besser als
Gluggersegg bekannt. Ihr Running-Gag geht diesmal so:

Der Waagefiehrer Haiggi Hayer
singt voll Innbrunscht in sym Zwaier
e Schlaager vo glyy jede kennt:
s Depot brennt, s Depot brennt!

Das Feld der «Zehnjährigen» führen d Passe-vite an, die sich an ein
eher selten gewähltes Subjekt wagen:

Im Märli schysst der Esel Daaler.
Doch Esel sin hitte vyyl brutaaler.
Bim Behring byspiilswys, do gisch,
erscht denne waisch, wär der Esel isch!

Wie die Verschiffte, die wir für die Fortsetzung von Morgen
aufgespart haben, jubilieren auch d Stroossewischer, die eine
Baselbieter Besonderheit aufs Korn nehmen:

«Halt! Stopp! Vercheerskontrolle.
Jä wait ihr soo do hai?
Kai Liecht am Schutzbläch.
Das macht 150 Stai!»
Do rieft am Funk
der Gysi Hans vo Rooteflue:
«Loos, lo se fahre Fritz,
mer hai für daas Joor gnue!»

Der Gasladärne hat es der Wirbel um die Kleinbasler
Weihnachtsbeleuchtung angetan:

Fir as die Ryche
als no rycher kenne wärde
und alle Luxus kenne gniesse
uff der Ärde,

duet me dääglig
e paar hundert Biezer schasse ­
und im Glaibasel
wärde d Wiehnachtsbäum entlasse.

Hoch aktuell d Setzlig, die sich bei den Windsors angesaugt haben:

s Drey Keenig macht en Usverkauf,
der Charles fliegt haimlig y.
Wenns los goht mecht är unbedingt der erscht am Wiehltisch sy.
Das isch vylicht die letschti Chance
fir dä armi Dropf,
sunscht griegt dä ewig Prinz jo nie e Krone uff sy Kopf.

Der Spitzenreiter der Fasnachtssujets ist auch für Peperoni ein
Thema, der genial kombiniert:

Y bi dur e Bahnhof gloffe
und uff der Passerelle fascht versoffe.
Im Grund gnoo isch mir das egaal
­
s git Schlimmers do uff Ärde:
Me kennt jo au als Kunschtobjäggt vom Hirschhorn aagsaicht wärde…

Auch der jüngere der Yakin-Brüder bekommt sein Fett ab. Der Banggomat
reimt dazu (fast) Goethe-like:

E Bueb froggt:
«Babbi, wär lauft so gschwind
dur der nassi Wald
mit hängendem Grind?
Isch¹s der Erlekeenig mit sym Kind,
wo ummenirrt bi Rääge und Wind?»
Nai Bueb, dert gsehsch
wie völlig gsteert
der Hakan Yakin seggle lehrt.

Ein eher makabres Ereignis hat die Bänggler ebenfalls inspiriert. Dazu dr
Pierrot:

Wo der Couchepin der Blocher bloggt,
hett der Blocher
der Couchepin gfroggt:
In Basel, hesch das scho vergässe,
het au e Niilpfärd e Zebra gfrässe.

Und s Gratz-Bürschtli meint, weil sich vergässe so gut auf gfrässe
reimt:

E Niilpfäärd het fascht e Zebra gfrässe.
E Huffe hän das scho vergässe.

Ych hät e Ydee, e ganz e tolli:
Frau Zanolari göhn si meh in Zolli.

So, das wärs vorerst. Mehr zum Bänggler-Marathon morgen in dieser Zeitung.
Vielleicht mit neuen Erkenntnissen oder auch nicht. . .

Weitere Informationen:

bz-Berichterstattung
Fasnacht 2005