S strahlen alli Kepf bi de glaine Gnepf

14. März 2000 | Von | Kategorie: Nachrichten

Was müssen das für Zeiten gewesen sein, als sich die Basler Fasnacht auf den Montag und Mittwoch konzentriert hatte. Einverstanden, da gabs mal sowas wie zwei Morgestraiche – aber längst will keiner mehr diesen speziellen Fasnachtsdienstag missen. Die Guggen nicht. Die vielen Schyssdräggzigli nicht. Und erst recht die Kinder nicht – denn ihnen gehört ein Grossteil des Nachmittags.

Wenn einem nichts Besseres einfällt, dann heisst es zu diesem Thema oft: «Um den Nachwuchs muss sich die Fasnacht keine Sorgen machen.» Doch diese bedeutungsschwangeren Worte sind verflogen, wenn man in die Gesichter der Knirpse blickt.

Etwa auf der Claramatte, wo Löffel, Egon und dr Samuel – die Hauptdarsteller aus dem Kinder-Charivari – die Kinder aus aller Welt zum Umzug eingeladen haben. Es dominiert die Bollennase. Und die Läggerli-Drummle. Obmann Dieter F. Wullschleger schaut sorgenvoll zum Himmel. Es regnet. «Das muss nun wirklich nicht sein», meint er dafür um so trockener. Doch pünktlich, als die Jungi Rätz zusammen mit den Schänzli-Fäger einsteht, hört der Regen auf – und verabschiedet sich für längere Zeit. Die Kinder haben sich zwischen Trompeten, Pauken, Trommeln und Piccolos eingereiht, haben oft ihre eigenen Instrumente mitgebracht.

In der Gerbergasse herrscht fast schon eine Druggedde. Die Waggisse auf den Leiterwagen haben Hochbetrieb. Und selbst durch die kleinen Larvenschlitze lässt sich erkennen, wie die Augen stolz funkeln, wenn die Räppli ihr Ziel gefunden haben: den Mantelkragen. Der Ablauf ist bei manchem Binggis schon bestens einstudiert: In der rechten Hand «e Hampfle Räppli», Wurf, Treffer – und schon fährt die linke Hand mit den Däfeli zum Trösten des Opfers aus.

Von der Mittleren Brücke her hat sich an der Schifflände und dem Fischmarkt vorbei ein veritabler Cortège Richtung Marktplatz gebildet. Mit schränzenden Guggemusiken. Mit Waggiswagen, die fest in Kinderhand sind. Mit Schyssdräggzigli. Viele Pfeifer und Tambouren geniessen die Fasnacht abseits der Zwänge von vorgeschriebener Route und Cliquen-Terminplan. Die Bebbi-Stompers als herrliche Blätzlibajass defilieren an den Zuschauern in der Schneidergasse vorbei. Und immer wieder wirbeln Räppli durch die Luft. Immer wieder erschallt ein spöttisches Lachen.

Am Rümelinsplatz haben sich einige Binggis schick gemacht: Eine wunderschöne Alte Dante (im Hosentaschenformat) schleppt einen riesigen Räpplisack herum. Zwei Waggisse klappern mit ihren Holzzoggeli – und haben sichtlich Mühe mit dieser Art von Schuhwerk. Plötzlich bebt der Boden, d Neandertaler ruessen, was das Zeug hält. Richtung Spalenberg schwebt eine Pfeifergruppe in traumhaft-farbigen Kostümen davon – setzt so dem tristen Nachmittagshimmel einen Farbtupfer auf. «Baslermarsch», «Auprès de ma Blonde» – der Fasnachtsdienstag ist auch Zeit zum Experimentieren. Dafür hat man extra Märsche einstudiert, die im Cliquen-Repertoire keinen Platz finden. Die nicht mehrheitsfähig sind. Doch aufgepasst: Nicht jeder, der sich eine Holztrommel umhängt, muss ein Spitzentambour sein. Da ist ab und zu auch Etikettenschwindel dahinter.

Nicht so bei den kleinen Gnepf. Sie werfen noch immer. Sie intrigieren. Sie hämmern auf ihre Läggerli-Trommeln ein. Oder sie haben sich ganz einfach in den Leiterwagen gelegt, um eine kleine Pause einzuschalten.

Langsam leert sich gegen Abend (nur vorübergehend) die Innerstadt. Erwachsene (kostümierte und zivile) Gestalten beherrschen wieder die Szenerie. Und alle sind sie sich nach diesem Nachmittag einig: Um den Nachwuchs muss sich die Basler Fasnacht nun wirklich keine Sorgen machen!