Mit dem „Pfyfferli“ im Theater Fauteuil am Spalenberg hat eine weitere Vorfasnachtsveranstaltung seine Premierenvorstellung gefeiert. Etwas neu aufgestellt im musikalischen Bereich und erstmals ohne ihre Hausherrin im Ensemble, wartet das Bijou der Basler Fasnacht mit einem grossartigen Mix aus Schauspiel, Klamauk, Schnitzelbängg und Fasnachtsmusik auf. Das Premierenpublikum war begeistert.
Eben dieses Premierenpublikum, welches vornehmlich aus dem „who is who“ der Polit- und Kulturprominenz aus den beiden Halbkantonen bestand, frönte offenbar dem offerierten Apéro in den oberen Räumlichkeiten des Theaters etwas zu lange, sodass die Vorstellung erst mit einigen Minuten Verzögerung beginnen konnte.
Alsdann ging es aber Schlag auf Schlag. Unter der Begleitung des Solopfyffer Sebastian Meyer und Solotambour Ivan Kym, schritten das Ensemble als Troubadoure gekleidet die Treppe in die Katakomben hinunter um den Gästen lauthals, resp. singender Weise zu verkünden, „loosed zu, was z Basel esoo lauft“. Ein Rundumschlag gerichtet an die Regierungsvertreter, bis hin nach Bundesbern.
In einem Tramzug nach Kleinhüningen befand man sich danach in der Geschichte vom „Dalbanees sy Füllfääderhalter“. Urs Bihler und Roland Herrmann führen hierbei eine angeregte Unterhaltung, welche einen vorzüglichen Unterhaltungswert hat. Dann bezeichnet sich Charlotte Heinimann selber als „scho e weeneli alti Schachtle“ oder fasnachtlich gesehen als charmante „Alti Dante“ und stellt, mit ihrer wunderbaren Stimme, die heutig Zeit in Frage.
Zum Thema Velokurrier (1. Teil) beschreibt Roland Herrmann seinen Alltag in den Strassen und Gassen von Basel. Grandios! Alsdann kommen die Spielverderber in Person der „Basler Schugger“ auf die Szene, welche äusserst „beschnautzt“ und eher in die Guilde der Village People gehörend, ihrer Freude über das Piesacken von Velofahrern und das Ausstellen von Bussen Ausdruck verleihen. Köstlich.
Alle musikalischen Darbietungen wurden vom bestens aufgelegten Daniel Wittlin begleitet. Er sorgt für den richtigen Ton!
Tief schwarz, obwohl die drei Damen, Salomé Jantz, Charlotte Heinimann und Myriam Wittlin auf der Bühne farbig daherkommen, findet sich das Publikum im aktuelle Weltgeschehen wieder. Unter dem Titel „y bi scho länger doo“ geht man unverblümt auf die Situation in Frankreich mit Terror und Banlieu ein.
Beschwingter geht es in die Pause. „s liggt als no ebbis in dr Luft“ frohlockt das Ensemble, obwohl der Spagat zwischen Terror und Fasnacht etwas schwer zu fallen scheint und wendet sich beinahe überdreht Richtung „de scheenschte drey Daag“.
Mit „zwai linggs, zwai rächts“ geht es parodistisch in den zweiten Teil des diesjärigen Pfyfferi. Blinde SVP’ler und Weisswein schlürfende SP’ler/Innen, feiern ihren Wahlsieg vom Herbst oder lecken ihre Wunden.
Zum Thema Velokurier (2.Teil) steigt nun der pensioniert, aber nicht in Ruhestand getretene Neukurrierfahrer Urs Bihler, erstmals auf sein E-Bike, oder er versucht es zumindest. Alsdann erscheint der Rest des Ensembles und hilft dem gebrechlichen Biker. Was folgt ist eine Fadengerade ins Hause von Hanspeter Wessels. Mit der Musik der britischen Kultgruppe Queen und ihrem Lied „bicycle“ schmettern die Interpreten dem Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartements, welcher sich ebenfalls unter den Premierenbesuchern befand, lauthals ein „es länggt Hanspeter!“ entgegen. Tosender Applaus.
Nicht zum ersten Mal durfte David Bröckelmann im Pfyffeli einen Soloauftritt mit seinen Stimmenimitationen darbieten. Heuer persiflierte er Minu und seine abgesetzte Kochshow. Seine Gäste waren FCB-Trainer Urs Fischer, Stadt-Theater Direktor Andreas Beck und Fernsehikone Kurt Aeschbacher. Sie alle mussten sich einem Fasnachtstest unterziehen, welcher mehr oder minder erfolgreich ausfiel.
David Bröckelmann bleibt gleich auf der Szenerie und wird von einem Gespenst (Urs Bihler) erschreckt, oder auch nicht. Die Gäste im Theater waren auch nicht erschreckt, auch nicht von der Schlusspointe.
Pointiert waren jedoch die beiden „Schnitzelbängg“ am Premierenabend. „Dr Spitzbueb“ welcher wie gewohnt schnörkellos und ohne Rücksicht auf Verluste auf sein Ziel zusteuert, vermag die Zuschauer im ersten Teil zu begeistern. Nach der Pause fand das „rappende Bürli aus dem Oberbaselbiet“ mit seinem tanzfreudigen Kälbchen den Weg an den Spalenberg. „Dr Heiri“ ein Garant für unterhaltsames „Schnitzelbänggle“ und treffende Pointen. Prima.
Nebst den eingangs erwähnten Solointerpreten, findet sich in der Pfyfferli-Ausgabe 2016 vermehrt auch das Pfeifen und Trommeln im Programm wieder. Am Premierenabend glänzten als Pfeiferformation „d Barfiessler & Bajass„. Für die Trommelkunst zeigten sich „d Chriesibuebe“ verantwortlich. Spektakulär hierbei ihr Auftritt „s ruesst“. Wow!
Der Epilog „lueged zue!“ rundet ein Vorfasnachtsprogramm ab, welches gespickt mit tollen Texten, einem hervorragenden Ensemble, welches mit der Besetzung von Myriam Wittlin sympathisch ergänzt worden ist, tollen Schnitzelbängg und Fasnachtsmusikern, welche ihr Handwerk beherrschen und für einen kurzweiligen Abend besorgt ist. Caroline und Claude Rasser dürfen stolz auf ihr Programm sein.
s Pfyfferli 2016, das Bijou der Basler Fasnacht
Achtung: Das „Pfyfferli 2016“ ist weitgehend ausgebucht. Es sind nur noch sehr wenige Rand- und Einzelplätze verfügbar. Diese sind z.T. online nicht erhältlich. Deshalb lohnt sich ein Besuch oder ein Anruf an der Theaterkasse am Spalenberg 12: Tel. +41 61 261 26 10, täglich ab 15 Uhr.



