„Willkomme in Basel“ heisst das diesjährige Motto der Kleinbasler Vorfasnachtsveranstaltung. Im Gegensatz zu anderen Anlässen vor den „drey scheenschte Daag“, widmet sich das Ensemble rund um Hans-Jörg „Häbse“ Hersberger ausschliesslich unserer Stadt und deren Problemfeldern. Dem Premierenpublikum hat es mit dieser Programmwahl offenkundig aus dem Herzen gesprochen.
Bereits im Prolog liessen sie die Glocken laut erklingen und gingen auf die Ungereimtheiten und Störfaktoren ein, welche sich wiederum innert eines Jahres unseren Stadtkanton geprägt haben. Dass die Würdenträger aus dem roten Haus hierbei nicht sonderlich gut davon gekommen sind, versteht sich eigentlich von selbst.
D Hofnaare setzten alsdann zu ihrem ersten Pfeifferstück an. „Oh Susanna“ so das bekannte Lied, welches sie in Begleitung von Heinz Wirz am Piano glänzend über die Bühne gebracht haben. Gleich anschliessend hatte die zweite Fasnachtsformation die Trommelgruppe „stickStoff“ ihren ersten Auftritt im Dschungel mit einem fetzigen „Gorilla“ gekleidet, wie getrommelt.
Alsdann folgte ein erster Höhepunkt. Unter dem Titel „IDKLM“ setzten H.J. Hersberger und Carlos Amstutz als „Basler Schugger“ Hedy Kaufmann und Dani von Wattenwyl, Susanne Hueber und Maik von Epple als Vertreter des Baudepartements ein Sitzung in Szene, welche an Wortwitz und Situationskomik hervorragend ausgearbeitet war. Das Publikum spendete den Schauspielern immer wieder spontanen Applaus und das zustimmende Kopfnicken aus den Zuschauerreihen bestätigte, dass die Aussagen auf der Bühne absolut treffend waren. Auch Michael Eckerle alias „Torbedo 12“ in seinem etwas zu eng geratenen Velokurier-Strampler hatte hierbei einen gelungenen Auftritt. Klasse Nummer!
„Pinocchio“ grüsste alsdann in Form von Pfyffer und Tambouren. Wiederum schön vorgetragen von den bald als hauseigen zu bezeichnenden Fasnachtsmusiker. Etwas genügsamer aber nicht minder Amüsant präsentierten sich anschliessend der erste „Bangg“ des Abends. „s Bangg-Ghaimnis“ bestach auch in diesem Jahrgang mit melodiösen, treffenden Versen, welche vom Publikum gefeiert wurden.
In den Untergrund führte der nächste Mini-Schwank. In den Untergrund von Basel und was man dort alles antreffen kann ist erstaunlich. Hier stiess auch noch das letzte noch nicht namentlich erwähnte Mitglied des Ensembles, Nicole Loretan, als verloren geglaubte, gehoffte Ehefrau zur Testgruppe.
Als Guggenmusik und letzte Nummer vor der Pause glänzten die in wunderbare gelben Clowns gehüllten „Messingkäfer“. „Ciao d’amore“ als Einstieg und „Sugar Baby Love“ als Sahnehäubchen, bei welchem die Bässchen einen hervorragenden Part hatten, rundeten eine schönen ersten Teil des diesjährigen Mimösli ab.
„D Hofnaare und stickStoff“ eröffneten nach dem dritten Glockenschlag den zweiten Teil. Hier warteten sie mit dem „Mimösli-Express“ auf. Wunderbar umgesetzt und sogar in Formation über die Bühne marschierend, hatten sie das Publikum in ihren Bann gezogen. Danach begaben sich „Speedi-Boarder“ und andere Abgesandte von Basel auf Flug 061 nach Shanghai. Ob sie je dort ankommen sei hier nicht erwähnt.
Eine sehr schöne Nummer brachten danach die Hofnaare, wiederum in Begleitung von Heinz Wirz. „In the Clock Store“ heisst der Vortrag, welcher in Virtuosität, Kostüme und Inszenierung genossen werden durfte.
„Dyschromatopie!“ Dieser Zungenbrecher beinhaltet eine Trommelnummer, die vornehmlich mit verschiedenen Lichteffekten ihren tollen Blickfang erzielt. Wie tanzende Glühwürmchen wirken die leuchtenden Trommelstiggs, wenn sie von den „stickStoff“ über die Schlaginstrumente jongliert werden. Eine wirkungsvolle Nummer, bei der es dem Zuschauer fasst ein wenig Schwindelig werden kann.
„Die letschti Mäss“ führte das Mimösli-Ensemble und das Publikum nochmals an den Weltuntergang. Ein vermeindlicher Untergang, der den Messebesuchern einige Geheimnisse entlockte, welche sie bei anderen Gelegenheiten sicherlich nicht geäussert hätten. Hervorzuheben war hier das tolle Bühnenbild, das die Anwesenden in den Altarraum einer Kirche brachte. Wirklich gelungen.
„S spizzig Ryssblei“ wusste erneut mit seinen kurzen, bissigen und treffenden Pointen das applausfreudige Premierenpublikum zu begeistern. Ein Toller Jahrgang und das trotz gebrochenem Finger!
Als Stargastnummer präsentierte das Häbse-Theater am Mimösli 2013 Anna Rossinelli. Wer sie noch nicht richtig gekannt hat, konnte sich hier überzeugen, dass sie eine hervorragende Stimme hat. Mit enorm viel Kraft und Sinn für die Musik, wusste sie vom ersten gesungenen Ton an zu überzeugen. Sie wurde von ihren Bandmitgliedern Manuel Meisel und Georg Dillier an der Gitarre resp. E-Bass unterstützt. Zu diesen gesellten sich auch noch Thomas Heid am Saxophon und Piccolo, Heinz Wirz am Piano und Stephan Felber am Schlagzeug. Letzterer konnte sein enormes Potenzial alsdann beweisen, in dem er ein Schlagsolo im wahrsten Sinne des Wortes aufs Parkett legte. Er beklopfte so ziemlich alles was ihm unter die Schlägel kam. Spektakulär! Eine weitere musikalische Unterstützung leisteten Giselle Janser, Claudine Holliger und Sabrina Biondi an ihren Piccolos. Zusammen brachten sie den Theatersaal so richtig zu beben. Die Virtuosen durften die Bühne natürlich nicht ohne Zugabe verlassen.
Ein toller Abschluss eines wirklich gelungenen Mimösli 2013. Trotz den ganzen Fusionsgedanken und der landschaftlichen Finanzdesaster hat sich H.J. Hersberger und sein Team auf unseren Stadtkanton konzentriert und das Premierenpublikum hat es ihnen mit langen Ovationen gedankt.
Mehr Bilder von der Premiere findest Du in der Mimösli 2013 Galerie.



