Bereits zum elften Mal ist im Ridicule «Fasnacht fir s’Härz» angesagt. Zum ersten Mal hat -minu zwei Texte beigesteuert. Dazu gesellen sich die Autoren Paul Göttin, Hansruedi Hartmann, Peter Heitz, Georges Merkofer, Carl Miville, Dieter Moor und Danny Wehrmüller. Göttin verspricht im durch Pfeifer und Tambouren musikalisch umrahmten «Prolog» in einer Videoshow für den Abend «Fasnacht pur».
Im ersten Rahmen «Schweinegrippe H1N1» gibt sich Eugen Urfer am Telefon in der Beratungsstelle alle Mühe, aus dem Text das Beste zu machen. Gags wie «Secondo ist besser als Primo» oder «Wer Schweinefleisch isst, hilft bei der Ausrottung der Schweine» reissen einen nicht vom Theaterstuhl. Auch ein Kurzauftritt von Kristina Nel rettet da nichts. Eine kleine Brise mehr «Hyylgschite-Schmalz» hätten die von Helmut Förnbacher vorgelesenen Geschichten «Dr Trämler Drummler» und «Dr Blaggedde-Verkäufer» von -minu schon noch ertragen. Doch kommen sie beim Publikum auch so gut an. In «Van Gogh» geben sich Sandra Förnbacher und Eugen Urfer als gute Bekannte vom Vincent aus und mokieren sich darüber, dass während der Ausstellung ein Küpli 25 Franken kostet. Selbst die Bemerkung von Sandra Förnbacher, dass van Gogh schon lange tot sei, beeindruckt sie nicht.
Eine Parforceleistung vollbringt Danny Wehrmüller in «Joggeli wott go s Gryttli schüttle». Durch viele Fasnachtsvorbereitungen wird er so in Trab gehalten, dass das Gryttli (Sandra Förnbacher) sich einen andern sucht. In «Ghaddh-affia» erzählen Victor Behounek, Kristina Nel und Danny Wehrmüller was alles passiert, wenn die Schweiz – wie angedroht – einmal aufgeteilt wird. Monaco bekommt dann das Ober- und Unterwallis, Liechtenstein Graubünden, und Luxemburg schnappt sich Wollerau. Nur Zürich will keiner. Basel aber fällt ans 4. Deutsche Reich: Aus dem Fasnachts-Comité wird ein Elferrat, den Cortège nennt man Umzug, die Guggen mutieren zu Spielmannszügen, die Cliquen sind bunte Trachtengruppen, der Morgestraich wird zum Zapfenstreich, und statt Mehlsuppe isst man Eisbein mit Sauerkraut. Tätä tätä tätä.
Helmut Förnbacher und Danny Wehrmüller brillieren in den drei «Balkon-Szeeneli», wo sie über Gott und die Welt lästern. So über den Starrsinn von Christian Heeb («Y wott my Radio ha!») und dass Radio Basel einen direkten Draht zu Gott haben muss, da es auf derselben Frequenz sendet, wie das Kölner Domradio. Neben Gendrämmli und Abzockerei wird auch der Bundesrat nicht verschont. Besonders lustig ist, wenn eine der älteren «Damen» den Faden verliert und dann einfach so lange improvisiert wird, bis dieser wiedergefunden ist.
Ein Pièce de résistance des Ridicule ist die «Sujetlischte» von Carl Miville. Sie gehört seit Jahren dazu wie das Rattern der vorbeifahrenden Güterzüge. Die köstlichen Verse werden von ihm, zusammen mit Helmut Förnbacher vorgetragen.
D Merkel muess jetz mit em Westerwelle
iir Gsicht wird als wie suurer.
Si soll sich dreeschte mit dr Widmer-Schlumpf,
denn die muess mit em Muurer.
Zur Sendung «Wetten dass», welche nicht mehr nach Basel kommt:
My Frind het mir verzellt, ass är
gege dr Gottschalk wettet,
«Wetten dass» au d Hunziker
die miedi Show nit rettet.
Und zum Vorschlag, dass die Besitzer eines Briefkastens dafür eine Gebühr zahlen sollen:
Au d Poscht verkindet jetz voll Stolz:
«Wär het s erfunde?»
wie me dr Laischtigsabbau kompensiert
mit Abriss bi de Kunde.
Wenn der Auftritt der beiden Bängg ein Hinweis auf den Jahrgang 2010 ist, dann wird es kein Spitzen-, aber immerhin ein guter Jahrgang. «D Ständerlampe» hält ihr Niveau seit Jahren – und «D Gwäägi» sind auch gesanglich Spitze. Dies kommt in ihrem SVP-Mammutvers (Melodie «Es Burebüebli mahn-i nid») besonders schön zur Geltung.
Grossartig – wie allewyyl – präsentiert sich der musikalische Teil. Die Pfeiferinnen und Pfeifer (mit vier Pfeiferköniginnen!) der UFS (Union Folklorique Suisse) stehen unter der Leitung von Michèle Zeggari. Die Tambourengruppe «pianoforte vs. Los Locos» wird geleitet von Nicola Dreier und d Swingvögel von Victor Behounek. Wunderschön der von neun als Marktfrauen verkleideten Pfeifern vorgetragene «Fischmärt», sowie in weiss-schwarz gekleidet «S Ständeli». Sauber tragen die in Ueli-Kostümen auftretenden acht Pfeifer und drei Tambouren «Dr Ueli» vor. In der Mitte des «Yankee» outet sich die in Rocker-Outfit auftretende Gruppe als Michael Jackson-Fans und tanzt zur Melodie «I’m Bad, I’m Bad» wie ihr grosses Vorbild auf der Bühne herum. Dass man nicht nur auf Trommeln, sonder auch auf hölzernen Hockern trommeln kann, beweisen die Tambouren im «Concerto Sgabello». Musikalisch und optisch sehr schön das schwierige «Le Nid» von Leon-Louis Mayeur (1837-94) mit Michèle Zeggari, Victor Behounek (Piccolo) und Chantal Largier (Piano). Ein besonderer Leckerbissen sind einmal mehr d Swingvögel. Diesmal begeistern sie mit «Piccolo meets… The Sax». Ständig wechseln die beiden die Melodien, vom Arabi über Bach zu «Manamana», «In the Mood» und wieder zurück zur Fasnacht. Einfach bravourös!
Zwischen einer rassigen «Neue Basler Tagwacht» und dem «S Guet Nacht Mimpfeli» der Tambouren erzählt Förnbacher als «Epilog» die Geschichte vom alten Trommelhund, der am Morgestraich auf seine Freunde wartet, doch die sind alle schon tot. Der lang anhaltende Schlussapplaus beweist: Das Versprechen «Fasnacht pur» wurde gehalten.
Weitere Informationen:
Impressionen des Ridicule 2010 in der BFO-Fotogalerie



