S’Ridicule startete gestern in seine zehnte Saison. Zehn Jahre Ridicule, das heisst zehn Jahre «Fasnacht fir s’Härz». Oder wie Stefan Uehlinger im musikalischen Auftakt erklärt: «s’Ridicule haisst schmunzle, lache». Und dieser Aufforderung kam das gut gelaunte Premierenpublikum auch nach und sparte nicht mit Applaus.
Besinnliche, aber auch freche und witzige Texte sind das Markenzeichen des Ridicule. «Mir Basler sin beschaide», behauptet etwa Patrick Bardelli und zählt genüsslich die Fehler der anderen Kantone auf. Er und Helmut Förnbacher lästern als Klatschtanten in vier «Balkon-Szeenli» über Gott und die Welt: Über Hochdeutsch im Kindergarten («Dr Glai redet Hochdytsch wie dr Leuebäärger») oder gewisse Budesräte («Me sötti alle beromünschtere – radikal vom Netz nää»). Selbst einen kleinen Hänger meistern sie bravourös. Quasi als Pausenfüller tritt Stefan Uehlinger immer wieder als «s Röösli – d Putzfrau vom Ridicule» auf. Hier sind allerdings einige Sprüche am Rande des guten Geschmacks. Grossartig dagegen Helmut Förnbacher als «Dr Drummelhund», welcher vom Morgestraich und alten Freunden träumt, die nicht mehr leben. Leise Poesie, die unter die Haut geht. Ridicule pur!
Wie das Rattern der ab und zu vorbeifahrenden Züge gehört auch «d Sujetlischte» von Carl Miville zum Ridicule. Die köstlichen Verse werden von ihm, zusammen mit Helmut Förnbacher vorgetragen.
Dr Hitzfäld dieg schyynt s d Schwyzer Koscht no guet verdraage
Nur d Luxeburgerli – die hänn em uff dr Maage gschlaageDr Benedikt het gsait, au d Schwyz miess jetzt e Hailige ha
Mer saage Dangg – nur hämmer gmaint doo kääm zeerscht s Trudi Gärschter draaBim Prinz vo Wales, bim Charles, seesch dütlig was eim bliet
wenn aim e Mueter sächzig Joor lang an de Oore zieht
Das Thema Bankkrise wird immer wieder aufgenommen. In «Dr Invescht(e)mändbängger» spielt Victor Behounek einen Bänker, als moderner Schacher Sepp. Er lebte nach dem Motto «Hereinspaziert ins UBS-Casino», um am Schluss als Arbeitsloser auf der Strasse zu stehen. Dazu passt das Lied «Wenn die Börsianer tanzen» von Konstantin Wecker. Kristina Nel singt es in «E Börsebricht».
Manchmal springen sie aus Fenstern
Wenn der Dow Jones kräftig fällt.
Dann gehörn sie den Gespenstern
Den Betrognen dieser Welt.Meinetwegen solln sie springen.
Muss nicht nur ein Freitag sein.
Wünsche glückliches Gelingen
Und mir fällt ein Grablied ein:Wenn die Börsianer tanzen
Heben sie verzückt das Bein.
Lassen dann in den Bilanzen
Auch mal Fünfe grade sein.
Vorzüglich besetzt ist auch der musikalische Teil mit Pfeiferinnen und Pfeifern von der «Union Folklorique Suisse (UFS)» und der Tambouren-Gruppe «pianoforte vs. Los Locos». Die Pfeifergruppe begeistert mit «Big Top» (in wunderschönem Charivari) und «Best of Walt Disney» (mit Marimbaphon, Geige und Querflöte). Zusammen mit drei Tambouren erklingt ein wundeschöner «Monty (Liberty Bell)» und «Dr Glopfgaischt» (köstlich die drei Pfeifergeister über den verhüllten Tambouren). Optisch eindrücklich das «Duello illuminato» (leuchtende kleine Punkte auf den Schlegeln) der Tambourengruppe. Ihr «Classic Drummer» beginnt mit Hintergrundmusik eher bedächtig. Als eine Bass Drum dazukommt, steigern sie das Tempo und entwickeln ein wahres Trommelfeuer. Bemerkenswert, dass der ganze Auftritt ohne den sonst üblichen Schnick-Schnack erfolgt. Der als «Special Guest» angekündigte Lee Caron aus den USA ist zwar ein exzellenter Tambour, wirkt aber doch wie ein Fremdkörper, der nicht so richtig ins Programm passt. Wie allewyyl grossartig sind «d Swingvögel». Vom einfachen Volkslied bis zur Bachkantate begeistern sie mit ihrem «Piccolo meets… The Trumpet!».
UBS, Bundesratswahl, Schweizer Armee, schuhewerfender Journalist, Papst Benedikt und natürlich Ziircher und Schwoobe, diese Themen kommen dieses Jahr wohl bei allen Schnitzelbängg vor. Zwei davon vertreten diese Gilde im Ridicule. «D Ständerlampe» hat zwar wunderschöne Helgen, doch seinen Versen fehlt manchmal etwas der Pfeffer. Umso angriffiger zeigt sich «Dr Spitzbueb» mit einem lustigen Mammutvers als Abschluss.
Doch allen eindeutig die Show gestohlen haben «D Stedtli-Singers vo Lieschtel». Themen wie der Stau von und nach Basel, Stararchitekten («Im stille Kämmerli do plant e hmhmhm…»), die abgelehnte Subvention an die Sinfonietta und das Rauchverbot begeistern sowohl gesanglich als auch darstellerisch. Ein besonderer Leckerbissen ist, wie sie die Kultur ab Stange aus Amerika beschreiben: «Halloween» und «Big Mac, Fish Mac, Double Mac», deren Verpackungen am Morgen überall herumliegen werden – vom Publikum immer wieder mit spontanem Beifall belohnt. Und allzu früh verabschieden sie sich Richtung Liestal «wo me no rauche dörf».
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