«Schweizer Darm-Alarm», titelte selbst das deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» im Januar dieses Jahres aufgeregt – und berichtete darüber, dass auf Grund des Einfuhrverbots für brasilianische Rinderdärme die «Nationalwurst in Gefahr» sei. Um den Solothurner Ständerat Rolf Büttiker, seines Zeichens Präsident des Schweizer Fleisch-Fachverbandes, hatte sich rasch eine Lobby für den Klöpfer gebildet: Die Schweizer Regierung solle Druck auf die Europäische Union (EU) in Brüssel ausüben, wo das Einfuhrverbot für die Därme des brasilianischen Zebu-Rindes beschlossen worden war.
Eine solche Lobby braucht demnächst auch die Basler Trommlerszene, denn die Angst, mit dem Verdauungstrakt des Zebu-Rindes auch die gefürchtete BSE-Seuche einzuschleusen, hat bisher nicht beachtete Auswirkungen, wie Recherchen von Basler Fasnacht Online zeigen: «Beim Trommelbau werden je nach Ausführung auch zirka zweieinhalb Meter Darmsaiten verwendet», bestätigt der Basler Trommelbauer Alain Martin, Geschäftsführer von Swissdrum. Zum Verständnis: Diese über das untere Fell einer Trommel führenden Saiten erzeugen den «rasselnden» Klang, wie der Effekt auf der Online-Enzyklopädie Wikipedia umschrieben wird.
Mit dem Einsatz von Darmsaiten könnte demnächst Schluss sein – ein Horrorszenario für Trommelpuristen, die dann auf Kunststofflösungen ausweichen müssten. «Spontan kommen mir nur Kohlefasern in den Sinn», sagt Martin auf Alternativen angesprochen. Die Hoffnung, auch künftig auf tierische Saiten zurückzugreifen, hat er aber noch nicht aufgegeben: «Zur Zeit testen wir den Einsatz von Haaren mongolischer Zuchthengste», lässt er sich in die Karten blicken – schiebt aber sogleich nach, dass es sich dabei zwar um eine qualitativ und klangbildlich sehr ähnliche, aber alles andere als günstige Lösung handle.
Sobald der Restbestand an Darmsaiten aufgebraucht ist, droht also nach dem Klöpfer eine zweite grosse Tradition zu Ende zu gehen. Dann können auch die originalen Holztrommeln nur noch mittels Kunststoff- und Metallsaiten dazu gebracht werden, dass der Fünferruf so richtig «grällelet». Die Hoffnung aufgegeben hat Martin noch nicht: «Vielleicht lässt sich in der mit der EU harmonisierten Verordnung doch noch ein Schlupfloch entdecken.»



