Noch immer liegt der dunkle Schatten des von Kriegen, Terrorakten und Katastrophen übermässig geschüttelten Jahres 2001 auf den Gemütern. Das merkte man an der gestrigen Premiere des «Ridicule 2002 – e Nase voll Fasnacht». Textlich durchzogen, musikalisch gut, so präsentiert sich die dritte Ausgabe dieser jüngsten Vorfasnachtsveranstaltung.
Der Prolog verspricht «liisi Deen und grossi Reere fyr Ratio und feins Gfyyl». Und es wird Wort gehalten. Die beiden Rahmenstücke im ersten Teil sind sehr gut im Ansatz, flachen dann aber – trotz guter schauspielerischer Leistung – leicht ab und wirken dadurch etwas langatmig. «260 Joor Lichtenberg» von Peter Heitz ehrt den Mann, der die Bedeutung des Lochs erkannte. Gespannt war man auf das erste fasnächtliche Werk von Georg Kreisler. «Der Spiilplan», den er für das Theater Basel erstellen lässt, hat durchaus lustige Einfälle, doch vermisst man hier den schwarzen «Tauben-vergiften-Humor».
Im zweiten Teil sind die Texte besinnlicher. In «Adjee Fasnacht – adjee Wält» von Georges Merkofer lässt ein Fasnächtler in Gedanken die schrecklichen Ereignisse des letzten Jahres Revue passieren. Die Schlusspointe geht hier unter die Haut. «D Resslirytti» von Peter Heitz symbolisiert den Lebenslauf. Der politisch- wirtschaftlich gewobene FDP-Filz wird von Walo Niedermanns Text in «Us alle Wolgge gfloge» kräftig ausgeschüttelt. Grossartig und zu Herzen gehend «Wenn der Spaalebärg verzelle kennt» von Jörg Jösslin. Ein altes Ehepaar träumt inmitten des fasnächtlichen Treibens in der Altstadt von vergangenen Zeiten. Es spürt, dass es für sie die letzte Fasnacht ist.
Pièce de résistance im Ridicule ist «D Sujetliste». Hier hat Carl Miville in vier Kategorien («S’ Eerlig», «s’ Positiv», «dr Klatsch» und «die letschte News») alles festgehalten, was das Jahr durch so passierte. Köstlich hier die durch eine Triangel angekündigten Zwei- und Vierzeiler.
Die Ridicule-Tambouren schienen zu Beginn beim «Unggle Sam» noch etwas unsicher (Premieren-Fieber?), was sich bis zu den «Celanesen» gelegt hat. Sehr sauber ihr «Narebaschi», zusammen mit den Ridicule-Pfeifern. Hervorragend der von den Pfeifern vorgetragene «Festival March». Musikalisch abwechslungsreich präsentieren sich «d Swingvögel». Meisterhaft gespieltes Piccolo, von einer Bassgitarre begleitet, in «Piccolo meets Sydney Bechet». Beim «S Piccolo … und z’ Basel an mym Rhy» galt der Sonderapplaus dann Susanne Haller mit ihrer Handorgel.
Der Ridicule-Bangg «D Gluggersegg» tritt im Matrosen-Look auf. Jeden Vers singen sie zu einer anderen Melodie, was dem Vortrag eine zusätzliche überraschende Note verleiht. «S paggt ys, das Fieber. Wie-ne Blitz schloots denn y. S Fasnachts-Fieber, s scheenscht Fieber vom Rhy!» Mit diesem Song nach einem irischen Volkslied ernten die drei «Marble Bags» den verdienten Applaus. Herrlicher Big-Band-Sound und fantastische Soli, musikalisch fast zu perfekt, so begeistert die Guggemuusig «Haanedropfer 1982». Sie können das Geräusch eines vorbeifahrenden Zuges mühelos übertönen.
Zum absoluten Höhepunkt des Abends gerät «Opus 1» der Tambourengruppe «Bronx». Was die fünf Strassenjungen im gleichnamigen New Yorker Stadtteil auf Plastikkübeln, Ölfässern und Trommeln bieten, ist schlicht sensationell. Es ist der krönende Abschluss eines gelungenen, kurzweiligen Abends.
Wie schon erwähnt, sind die Schauspieler durch die Bank überzeugend. Das Ensemble der «Helmut Förnbacher Theater Company» mit Kristina Nel, Suzanne Thommen, Patrick Bardelli, Victor Behounek, Linda Spiess, Hanspeter Stoll, Jürgen von Tomëi und Helmut Förnbacher begeistern durch ihr frisches Spiel. Die musikalische Leitung haben Pascal Caviezel (Tambouren), Silvia Fuchs (Pfeifer) und Victor Behounek (Swingvögel). Die Ausstattung besorgte Georges H. Wolf. Für Licht und Ton ist Markus Neuhaus zuständig. Konzept und Regie liegen in den Händen von Helmut Förnbacher, unterstützt durch Claus Schröder.



