Rettet den gedruckten Rädäbäng!

1. Oktober 2025 | Von | Bilder: zVg Wiederkehr, Facebook Wiederkehr | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Nur wenige Tage nach der Bekanntgabe von Basel Tourismus bzw. dem Comité, dass der Rädäbäng jetzt nur noch als App erscheint, formiert sich Widerstand in der Fasnachtsszene: Eine IG will den Rädäbäng in gedruckter Form behalten!

Worum gehts? Basel Tourismus und das Fasnachts-Comité haben beschlossen, dass der Fasnachtsführer „Rädäbäng“, der bisher in gedruckter Form ab Jahreswechsel bis hin zur Fasnacht verkauft worden ist, fortan nur noch auf der bereits für die WOMEN EURO 2025 und den ESC eingesetzte   „Basel City App“ erscheinen wird. Nun meldet sich eine „IG Rädäbäng“ und will den Entscheid wieder kippen.

Der Initiator der IG Rädäbäng ist der stadtbekannte Fasnächtler Michel Wiederkehr. Er will zusammen mit (Zitat) „e Grubbe von Fasnächtlerinne und Fasnächtler“ im Oktober eine Gründungsversammlung der IG durchführen und das weitere Vorgehen besprechen. Dazu ruft er in den sozialen Medien und per Pressemitteilung auf.

Michel Wiederkehr wehrt sich gegen die Abschaffung des gedruckten Rädäbäng.

Die Motivation zu diesem Schritt findet Wiederkehr in der Tradition: Es dürfe nicht schon wieder eine Tradition an der Fasnacht untergehen. „Nach 115 Jahren soll also dieses beliebte und sehr wichtige Informationsbulletin in gedruckter Form für immer verschwinden?“ schreibt Wiederkehr in seiner Mitteilung.

Weiter beruft er sich darauf, dass unzählige Menschen sich alljährlich  „fast sehnsüchtig“ auf den „Rädäbäng“ freuen würden, um „endlich zu erfahren, was die anderen Cliquen … sowie Guggemsiken und Wagencliquen in diesem Jahr für ein Sujet ausspielen, quasi wie der Vortrab, die Pfeifer & Trommler, der Tambourmajor, das Requisit, die Laterne, das Spiel der Guggenmusiken sowie der Wagen dieses Mal am Cortège … aussehen werden!“.

Wiederkehr sorgt sich auch um die Akzeptanz einer App, z.B. bei „älteren Menschen oder interessierte Personen…, die nicht digital unterwegs sind“. Er denkt aber auch an die Heimweh-Bebbi in aller Welt: „Viele davon erhalten nach der Fasnacht von ihren Bekannten, Freunden oder Verwandten ein Päggli, wo Zugszeedel, Fötteli oder eben der Rädäbäng enthalten sind. Sollen die nun einfach den Link für das App erhalten?“

Michel Wiederkehr ist der Meinung, dass sich dieses Vorgehen „für das immaterielle UNESCO-Welt-Kulturerbe nicht gehört“ und schreitet mit der Gründung der IG Rädäbäng zur Tat. Wer interessiert sei mitzumachen, solle sich bei ihm melden (steinenberg.barfi@web.de). Die Gründungsversammlung sei für den Oktober geplant.

 

Kommentar des Autors

Es ist eines der Dilemmas, denen wir in unserer Zeit immer wieder begegnen: Soll das Gute, Bewährte und Beliebte einer neuen Form weichen, die vielleicht besser und effizienter ist, aber halt neu und ungewohnt? Also z.B. soll das Bargeld verschwinden? Email statt Brief? E-ID anstatt Plastikkärtchen? Es scheint mir, dass besonders in den letzten 50 Jahren unzählige solcher Fragen aufgetaucht sind. Nun also auch an der Fasnacht. Beim Rädäbäng. Ich kann jedes einzelne von Wiederkehrs Argumenten nachvollziehen. Auch ein Kollege schreibt: „Ich habe keine Lust, meinem Vater den ganzen Rädäbäng vorzulesen, weil er kein Handy bedienen kann“. Und ja, auch ich habe lange Momente mit der Lektüre des interssanten Fasnachtsführers verbracht. Demgegenüber stehen die Druckkosten für dieses Medium und auch der enorme Verschleiss, die fehlende Nachhaltigkeit. Ich nehme mal an, 90 % der Rädäbängs landen im Altpapier. Und die Touristen, die nicht einmal wissen, was „Rädäbäng“ bedeutet, informieren sich sowieso meistens primär im Netz und werden die Infos auf dem Basel City App mehr als schätzen, weil sie auch in Englisch und Französisch daher kommen. Soweit zum Dilemma. Gibts eine Zwischenlösung? Z. B. den Rädäbäng noch eine beschränkte Zeit parallel zum App als gedruckte Form, für alle, die an Traditionen hängen (finanziert vom Sutter Begg…)? Ich bin gespannt, wie diese Geschichte ausgeht. Jedenfalls bleiben wir dran.

Daniel Thiriet