Der rote Faden durch die Räppli-Serenaade 2005 ist die Basler Museumsnacht, welche letzten Freitag-Abend in Basel zum fünften Mal stattfand. «Ab an die Museums-(Vorfas-)Nachts-Veranstaltung» so fordern die Verantwortlichen der Räppli-Serenaade und in diesem Motto wird bereits klar, was an der Vorfasnachtsveranstaltung unter anderem erwartet werden kann: Viel Wortwitz der drei Rahmenspieler (Roland Suter, Daniel Buser und Walo Niedermann).
Niedermann und Suter besuchen als Museumswächter (oder Museumswärter, wie sie sich selber nennen) freilich keine real existierenden Basler Museen, aber sie könnten (sollten?) es sein. Die Rahmenspieler brauchten an der Premiere etwas Anlaufszeit, aber je länger die drei auf der Bühne waren, desto schräger, absurder und besser wurden ihre Pointen. Spätestens bei ihrer Lieder-Nummer im Museum der «Abverheyte», hatten sie das Publikum im Sack. Es war dies einer der gelungensten Auftritte des Schauspieler-Trios, bei dem Anita Fetz, Dieter Behring und Hakan Yakin an die Kasse kamen.
Sehr gut auch Hans Martin Tschudis Klagelied, der sich bitter darüber beklagt, dass er immer in den 2. «Qualgang» geschickt wurde, er habe doch alles das gegeben, was er nicht könne… Daniel Buser (mit Roland Suter zusammen auch bekannt als Kabarett-Duo «touche ma bouche»), ist grandios in seinen diversen Rollen. Als «Gröfaz» etwa – grösster Fasnächtler alles Zeiten -, ein Pharao, der vor 3000 Jahren die Fasnacht erfand (Tutenchamun lässt grüssen) – sprüht er nur so vor Arroganz.
Die Räppli-Serenaade 2005 lebt aber vor allem auch von den musikalischen Einlagen, allesamt auf höchstem Niveau. Beeindruckend ist auch der Aufwand und die liebevolle Detaillierung bei Bühnenbild und Kostümen, bei jeder musikalische Nummer wird Dekor sowie die Aufmachung der Pfeifer und Trommler dem entsprechenden Marsch angepasst.
D Mihlireedli ruessen als Römer den gleichnamigen Marsch mit kühnen, rhythmischen Synkopen, und zwar in einer Interpretation, welche «uff dr Gass» nicht zu hören ist.
D Bajass-Clique drehen sich als mechanische Puppen mit Wackelkontakt im Kreis, wenn sie Art Paul «Draiögeli» zum Besten geben und treten als zum Teil arg lädierte britische Soldaten auf, wenn die den River Kwai-March pfeifen und, wie alle musikalischen Nummern an der Räppli-Serenaade, viel Applaus ernten.
D Barfiessler pfeifen «d Resslirytti» (barfuss, freilich und mit «Ressli» versehen), ein Arrangement von diversen Drehorgelmelodien und brillieren mit einer «BWUUF», (Basler-Wält-Ur-Uf-Fiehrig).
D Harlekin stolpern in bester Monty Python-Manier über die Bühne, bevor sie mit «Liberty Bell» loslegen, der bekannte Melodie aus der britischen Komödie «Monty Python’s Flying Circus.»
Die Junge Naarebaschi spielen unter anderem eine wunderschöne «Pfyffer-Daagwach», ein Marsch den die Junge Naarbaschi erst dieses Jahr in ihr Repertoire aufgenommen haben und den sie an der Räppli-Serenaade zum ersten Mal aufführen – Respekt!
D Luusbuebe (und ein Luusmaitli) zeigen in «Pauseblatz anno… » wie früher mit Zippos, Besen und Basketbällen umgegangen wurde und ernten grossen Applaus. Man darf gespannt sein…
Grandios ist auch die Schotte-Clique, welche nach der Pause den zweiten Programmteil für eine Guggemusik ganz untypisch sanft eröffnete. Süsse Teddybären und Puppen reiben sich im Puppenmuseums-Dekor die Augen, aber sobald die Schotten-Clique loslegt, ist jede Müdigkeit verflogen. Sie spielen «Ohni Di», eine «BWUUF», wie auch schon ihr erstens Stück «Whiskey in the Jar» im Whiskey-Museum. Der Schotten-Clique ist auch grösstenteils die Abba-Schlussnummer vorbehalten, die verschiedene Pfeifer-Gruppen «drängen» sich dazwischen mit «Waterloo», «Money, Money» und «Fernando»: Ein fulminanter, herrlich ohrenbetäubender Schluss, wobei das letzte Wort den drei Rahmenspielern vorbehalten ist, welche die Zuschauer unzimperlich in die eisige Kälte schicken, aber sie immerhin in kaum verständlich Österreichisch damit trösten, dass Frau Fasnacht ja schon fast zum Fenster hereinschaue…
«Ab an die Museums-(Vorfas-)Nachts-Veranstaltung» heisst das Motto der 13. Räppli-Serenaade – «Ab in den Saalbau Rhypark!» empfehlen wir allen, die schräge Pointen und gute Fasnachtsmusik schätzen. Tickets für alle Vorstellungen bis am 29. Januar sind noch zu haben.



