Noch nicht alle Tannenbäume sind entsorgt, so mancher Weihnachtsschmuck hängt nicht mehr lange. Es ist Dreikönigtag und Pfyfferli-Premiere. Von der nachweihnachtlichen Zeit geht’s somit nahtlos über in die Vorfasnachtssaison. Farbenfroh bleibt es auch ohne Christbaumschmuck – schliesslich zieren lauter verspielte Fasnachtsfiguren von Domo Löw das Bühnenbild und die Steckenlaternen im Fauteuiltheater. Bunt ist aber auch das diesjährige Pfyfferli-Programm. Unter anderem werden das Schwingfest, WM in Katar und Lehrermangel ausgespielt, aber wie immer auch ein paar Basler Eigentümlichkeiten.
Erstmals führt der Urner Rolf Sommer Regie in der frühesten aller Vorfasnachtsveranstaltungen. Bekannt aus den vorigen Jahren ist das Ensemble mit David Bröckelmann, Salomé Jantz, Myriam Wittlin, Roland Herrmann und Ronja Borer. Fauteuil-Leiterin Caroline Rasser steht dieses Jahr nicht auf der Bühne. Sie pausiert und wirkt als Dramaturgin im Hintergrund. An ihrer Stelle spielt Ronja Borer erstmals in der Haupt- statt in der Alternativbesetzung. Für musikalische Auflockerung sorgen am Premiereabend die Bajass-Clique (Piccolo) und die Chriesibuebe (Tambouren).
Das Programm beginnt mit dem «Hofnaar». Ein Pfyffer wird begleitet von Bettina Urfer am Klavier und René Held am Akkordeon. Beschwingt verwandelt sich dann der Fasnachtsmarsch ins Musicalstück «Hell Dolly» – oder eben in ein «Hello zämme». In diesem Prolog aus der Feder von Felix Rudolf von Rohr bekommen erst mal die Basler Regierungsräte ihr Fett ab. Weiter geht’s mit den Debatten um Dreadlocks und Winnetou im Verslein «Zää glaini Fasnachtsnaare».
Wie immer nimmt das Pfyfferli aber auch fasnächtliche Eigenheiten aufs Korn. Ein Stiggli von Domo Löw spielt auf einem Perron an einem Bummelsonntag. Es zeigt, dass das Cliquenleben nicht immer ganz so «glatt» sein muss – eine Portion Situationshumor mit herrlichen Small-Talk-Szenen. Im Stück «Filantroope» hat eine illustre Schar von völlig selbstlosen (naja…) Wohltätern ihren Musical-Auftritt.
Dr Spitzbueb ist als erster Bangg an der Reihe. Mit seinen gewohnt schnörkellosen Versen liefert er knackige Pointen zum Klimastreik, zur Fifa und Bersets Irrflug. Besonders bissig ist sein Värs über die Queen.
Für viele Lacher im Gewölbekeller sorgt das Stiggli über den Lehrermangel von Walter Loeliger. Eine Angestellte des Erziehungsdepartements (Salomé Jantz) nimmt es bei den Stellenausschreibungen nicht so genau. Da spielt es auch keine Rolle, wenn eine Bewerberin (Myriam Wittlin) einen Uber-Eats-Rucksack statt einem Diplom antanzt.
Herrlich ist auch das Rahmenstück mit dem zankenden Ehepaar vor dem Scheidungsrichter. Nein, damit sind für einmal nicht die beiden Halbkantone gemeint. Vor der Trennung stehen Herr Basler (David Bröckelmann) und Frau Basler-Fasnacht (Ronja Borer). Deren Beziehung hat nach zwei Jahren Nicht-Fasnacht und einem Cortège-Ausfall gelitten. Ob Gloria Gaynor («Ych überläbs») oder Herbert Grönemeyer: Die Musikeinlagen mit Trennungsliedern reichern das musikalische Stiggli von Emanuel Kuhn an. Wie es mit dem zerstrittenen Paar weitergeht und was es mit dem Nachwuchs auf sich hat, sei aber noch nicht verraten. Das Pfyfferli bekommt anschliessend Besuch: DJ und Rapper Lil Jey (Roland Hermann) will sich im Stück von Roman Huber dem Ensemble anschliessen – was anfänglich ein kleiner Kulturschock ist.
Nach der Pause wird dem Disney-Klassiker «König der Löwen» ein fasnächtliches Gewand verpasst. Beim Song «Dr ewig Krais» (Andrea Pfähler) wird Löwenbaby Simba zum Pfyfferli-Harlekin. Es folgt der «Hailige Fuessball-Oobe». Man fühlt sich daran erinnert, dass sowohl Weihnachten wie auch die umstrittenste aller WMs nur wenige Tage zurückliegen. Eine fussballverrückte Familie stimmt etwa «O Fussballplatz» an.
Alt-Regierungsrat Baschi Dürr kommt nicht nur in einem Bangg vor, sondern steuert selbst ein Stiggli («Auge zue, denn hesch Rue») bei. Es ist nicht das erste Mal: Das letztjährige Stück über den Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger hat er inkognito verfasst.
Der zweite Bangg am Premierenabend ist ebenfalls ein Stammgast: Heiri, der beliebteste Baselbieter Bauer ever. In seinen Zeilen rappt er über den Strommangel, die Bundesratswahlen und die Krimiserie Beschatter. Ein weiterer Pfyfferli-Stammgast ist der «Daig», liebevoll auf die Schippe genommen im Stück «S Basler Fescht» von Alexander Sarasin. Darin gibt’s so etwas wie eine Antwort aus der «Dalbe» auf das Esaf im Baselbiet.
Zu guter Letzt verrät uns David Bröckelmann, dass die grossen Literaten Goethe, Schiller und Shakespeare ganz angetan waren von der Basler Fasnacht. Das Ensemble zeigt die Erstfassungen von berühmten Werken, die allesamt von den «drey scheenschte Dääg» inspiriert waren. Vor dem Epilog bekommen wir den Hofnaar nochmals zu hören, diesmal aber ganz: Die Chriesibuebe und die Bajass-Clique geben den Robertson-Marsch sauber zum Besten.
Das Pfyfferli findet zwischen dem 6. Januar und 26. Februar 2023 statt. Die Zeiten sind unterschiedlich, somit beim jeweiligen Datum ersichtlich. Tickets sind unter www.fauteuil.ch und an der Theaterkasse am Spalenberg 12 (Tel. 061 261 26 10) ab CHF 49.- erhältlich.



