Pfyfferli 2006: So muss Vorfasnacht sein!

19. Januar 2006 | Von | Kategorie: Nachrichten

Eine Kritik sollte dem Wortsinn nach zumindest auch aus kritischen Anmerkungen bestehen. Beim Pfyfferli 2006 fällt dies schwer, so vergnüglich und kurzweilig zieht die Show über die Bühnenbretter. Das Ensemble mit Colette Greder, Peter Richner, Colette Studer, Dani von Wattenwyl, Caroline Rasser und Mirjam Buess besticht in praktisch allen Nummern, vor allem aber im absoluten Höhepunkt vor der Pause, als im Sketch «Santo subito» dargestellt wird, wer denn von Ospel über Merkel bis Oeri so alles heilig gesprochen werden sollte.

Keineswegs schlechter ist die skurrile Nonsense-Nummer um Bären und andere Monster oder die – sehr männerfeindliche – Hymne an «Sex and the City». Einzig – und damit doch auch noch Kritisches gesagt ist: Das «E-Shopping mit Sämi», welches den zweiten Teil des Pfyfferlis einläutet, ist etwas gar lang geraten. Ansonsten bieten die Wortbeiträge aber eine Fülle von Pointen, die für ein Dutzend «Monstre»-Rahmenstücke (oder gegen 50 «Mimösli») reichen würde.

Da wollten sich auch die Schnitzelbängge nicht lumpen lassen. «Dr Schorsch vom Haafebeggi II» fand überraschende Sujets und Pointen, und liess uns wissen, warum es Elton John mit der Hochzeit so pressierte: Er musste heiraten! In nichts nach stand ihm (dem Schorsch) «dr Peperoni» mit seinen herrlich lakonischen Versen. Neben diesen beiden werden drei weitere Formationen im Pfyfferli 06 auftreten (abwechslungsweise zwei Bängg pro Vorstellung):«d‘ Striggede», «dr Singvogel» fusioniert mit »de Strossewischer» und «die Verschiffte».

Die fasnachtsmusikalischen Beiträge, für die Xenia Fünfschilling und Erik Julliard verantwortlich zeichneten, gerieten ab soviel Wortwitz fast etwas ins Hintertreffen, was sie aber nicht verdient haben. Ob «Original Bajass-Pfyffer», «d’ Pfyffer» (Leitung Michi Robertson), die «Barfiessler» oder eine Gruppe aus Pfeifer-Koryphäen – es wird hohe Kunst geboten. Dies vor allem bei der Arth Paul-Komposition «Spalebuggel 12», welcher den Fingern einiges abverlangt.

Für eine vorfasnächtliche Überraschung sorgen Angelo Borer und seine Crazy Feet Company mit Stepptanzeinlagen. Gesteppt wird unter anderem zum Wettsteinmarsch. Im Gegensatz zu anderen, diesjährigen Versuchen, Fasnacht mit einer ganz anderen Kunstrichtung zu verkuppeln, wirkt dies hier harmonisch und als Ganzes. Und nur, damit wieder etwas Kritisches angemerkt ist: Wenn Angelo Borer nur nicht bei jeder Nummer so gequält grinsen würde…

Alles in allem eine Vorfasnachtsveranstaltung, wie sie sein muss und wie sie Lust auf mehr Fasnacht macht. Kein Wunder, sind die geplanten 51 Vorstellungen bis auf wenige Plätze ausverkauft. Zwei Zusatzvorstellungen am 25. und 26. Februar geben einem die Chance, das Pfyfferli 2006 doch noch zu erleben. Man sollte die Chance nutzen.