Die Vorfasnachts-Szene ist um eine fantastische Veranstaltung reicher. Das legendäre Pfyfferli, welches zehn Jahre lang in einem Dornröschenschlaf gelegen hatte, erwachte gestern Abend am Spalenberg zu neuem Leben. Für die meisten der Premieren-Besucher war es ein freudiges Wiedersehen. Ausgezeichnete Texte, ein spielfreudiges Ensemble und wunderschöne, unverfälschte Fasnachtsmusik liessen den Abend zu einem Erlebnis und die Vorfreude auf die «drey scheenschte Dääg» noch grösser werden.
Im Prolog trauern ein Harlekin (Caroline Rasser), ein Blätzlibajass (Colette Greder), eine Alti Dante (Stefanie Hargitay), ein Pierrot (Peter Richner) und ein Dummpeter (Dani von Wattenwyl) der eben zu Ende gegangenen Fasnacht nach. Letzte Grüpplein und Einzelmasken ziehen vorbei, und ein Tambour sucht verzweifelt seine Clique, deren Namen er vergessen hat. Doch ein Waggis (Urs Bosshardt) stört mit einem kräftigen «Hoi, zämme» die Gruppe. Es ist Willibald, ein Sankt Galler, welcher gerne einmal Fasnacht machen würde, da er «fascht e weneli Fasnacht im Bluet» habe.
Es war eine grossartige Idee, den Ostschweizer Dialekt so in den Abend einzubauen, dass er nie störte. Gegen Schluss brilliert Bosshardt in der Solonummer «Jesses, e Blackout!». Er hat ein Jahr lang Piccolospielen gelernt, und nun überlegt er verzweifelt, wie der «Morgestraich» beginne. Ebenso hervorragend ist Richner in «Y gang an jeedi Stuubede». Fasnacht privé im Salon bedeutet ihm alles, denn hier kann er frei nach Shakespeare «drby or not drby» Champagner trinken und sich gratis verpflegen. Kein Wunder, dass ihm für die Fasnacht keine Zeit bleibt. Ein spezieller Höhepunkt ist «Y wär so gärn…». Hier träumt Greder davon, eine Fasnachtslaterne zu sein, welche von allen bewundert wird. Eine Glanzleistung, welche zu Recht mit starkem Beifall belohnt wird.
Auch die Ensemble-Stücke begeistern allesamt. In «E Proob» diskutiert die Gugge Mugge-Schnupfer, was das Wort Piano in den Noten zu bedeuten habe, da man doch kein Klavier besitze. Ein Trachten-Quartett singt in «Härzlig willkomme!» davon, dass man am liebsten gar keine Ausländer hätte. Ausgenommen Neger, welche beim FCB spielen! Mit Narrenkappen auf dem Kopf nimmt das Ensemble mit «Ai Naar kunnt sälte elai» das Bundeshaus-Theater sarkastisch aufs Korn. Schelmisch wird darauf hingewiesen, dass die Fasnacht diesmal im «Merz» stattfinde. Dies unter dem Motto «Besser in Basel kai Blatt vor s Muul als in Bern ein Brett vor dem Kopf». Rasser begeistert in «Dr Usflug». In herrlichem Berndeutsch berät eine Bauernfamilie, wie man an der Basler Fasnacht teilnehmen könne. Dies als Schyssdräggs-Zyygli, welches sie Kuhfladenzug nennen, mit Rääbeliechtli auf dem Kopf. Am Schluss spielen sie den «Arabi» mit kleinen Glocken, und als Zugabe «The answer is blowin in the wind». Auch diese Nummer erhält stürmischen Applaus.
Beide Bängg, welche an der Première auf der Bühne stehen, sind hervorragend. «d Striggede», in neuem Outfit und mit Bosshardt als Helgedreher, überzeugt sowohl gesanglich, als auch mit guten Versen. Das Publikum singt beim «Yyneschtäche, ummeschloo…» lautstark mit. In Höchstform präsentiert sich «dr Schorsch vom Haafebeggi II». Seine Pointen sitzen, und seine «Band» erhält immer wieder Sonderbeifall. Fasnachtmusik pur bietet «d Bajass Clique Alti Garde» mit einer Spezialfassung der «Alten Schweizermärsche» und dem «Baslermarsch». Zusammen mit den «Pfifferli-Dambuure» begeistern sie mit einem rassigen «Glopfgaischt» und der «Pfyffer-Retraite». Trotz einem swingenden «’z Basel…» passt Thomas Moeckel mit seinen «Little Big Horns» nicht so recht in den Rahmen. Arth Paul, welcher die musikalische Leitung hat, begleitet das Ensemble gewohnt souverän am Klavier.
Ein langanhaltender Schlussapplaus, sowohl von den alten als auch den wenigen neuen Pfyfferlifreunde ist der verdiente Dank an das ganze Team. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen kurzweiligen, vergnüglichen Abend und die Vorfreude auf (hoffentlich) noch viele Pfyfferlis.



