Ospel setzt auf Zeit und Lernprozess

18. Februar 2004 | Von | Kategorie: Nachrichten

BASLER FASNACHT ONLINE: Marcel Ospel, sind Sie betroffen durch die Reaktionen der «offiziellen» Schnitzelbangg-Organisationen? Ihre Schnabelbryys-Idee ist ja fast durchgehend auf Ablehnung gestossen.

MARCEL OSPEL:
Betroffen nicht, aber gewundert habe ich mich schon. Ich wollte als aktiver Fasnächtler etwas für die Fasnacht und damit einen wichtigen Teil der Basler Volkskultur tun. Deswegen habe ich das Geld «aus dem eigenen Sack» genommen und für die Stiftung «Schnabelbryys» eingesetzt. Dass die Reaktionen derart harsch ausfallen, hat dann schon erstaunt.

Sie halten die Argumente gegen Ihre Idee also nicht für stichhaltig?

Einige Argumente kann ich durchaus verstehen, andere eher nicht. Ich weiss auch, dass Neues es immer schwer hat an der Basler Fasnacht.

Ein Argument der Gegner ist, dass nun nach «Star Search» und «Music Star» auch im fasnächtlichen Bereich ein Anlass kommt, in dem ein Superstar gekürt werden soll.

Darum geht es doch gar nicht. Das Problem ist, dass sich bei den Schnitzelbängglern in den letzten Jahren kaum etwas bewegt hat, während die Guggenmusiken ihre Qualität massiv verbessert haben und die Cliquen musikalisch immer innovativer werden. Ausgerechnet der wichtigste «Exportartikel» der Basler Fasnacht, der Schnitzelbangg, den die ganze Schweiz anschaut, ist stehengeblieben. Mit dem Schnabelbryys wollen wir motivieren und einen Anreiz schaffen, mehr in Qualität zu investieren, Innovatives zu schaffen, und vielleicht auch den einen oder anderen zum «gerissenen Bängglen» bringen, der dies bisher nur im Rahmen seiner Clique oder seines Freundeskreises gemacht hat.

Warum wurde der Wettbewerb dann nicht auf «Jung-Bängge» beschränkt? Auch die Vertreter der Schnitzelbangg-Gesellschaften haben Ihnen ja vorgeschlagen, zum Beispiel nur Formationen zuzulassen, die noch nicht länger als drei oder fünf Jahre auftreten.

Aufgrund dieser Anregung haben wir ja zusätzlich den «Grienschnabelbryys» geschaffen, mit dem speziell der Nachwuchs motiviert werden soll. Wir wollen aber explizit nicht einen «altgedienten Bangg» ausschliessen, wenn dieser mit einer neuen und originellen Idee daherkommt. Ein Kriterium lautet denn auch: Es darf nicht abgedroschen sein.

Weiter wurde als Alternative vorgeschlagen, nicht DEN Besten zu küren, sondern die zehn oder zwanzig Besten, damit es nicht in eine «Superstar»-Uebung ausartet.

Dies wäre nur dann sinnvoll, wenn wir praktisch alle Bängge beurteilen und uns so ein Gesamtbild machen könnten. So würde es aber tatsächlich in eine unrealistische Uebung ausarten; die Jury müsste sich wohl tagelang Schnitzelbängge anhören.

Das Geld wird auch immer wieder als Gegenargument gegen den Schnabelbryys ins Feld geführt. Preisgeld auszuschütten sei unfasnächtlich, war etwa zu hören.

Es wird doch auch heute schon Geld ausgeschüttet. Die Gesellschaften schliessen Verträge mit den Restaurants und Kleintheatern ab und verteilen die Einnahmen dann nach ihren Kriterien an die einzelnen Formationen. Auch die am Cortège teilnehmenden Cliquen erhalten Subventionen aus dem Plakettenverkauf. Dies ist alles völlig legitim, denn ohne liesse sich der immense Aufwand für die Fasnacht kaum finanzieren. Und so wollen auch wir einen zusätzlichen Anreiz schaffen, und das geht nun mal fast nicht ohne Geld.

Man könnte das Geld auch für einen gemeinnützigen Zweck stiften.

Es ist den Gewinnern unbenommen, ihren Preis einer gemeinnützigen Institution zukommen zu lassen. Es ist aber nicht an uns, dies zu bestimmen.

Kritisiert wird schliesslich die Zusammensetzung der Jury. Sie sei zu wenig «baslerisch» und nicht mit Fachleuten besetzt.

Uns war von Anfang an klar, dass wir zwei Persönlichkeiten aus Basel in der Jury haben müssen, die als «Opfer» der Schnitzelbänggler oder als aktive Fasnächtler involviert sind. Dies ist uns mit Christoph Stutz und Massimo Ceccaroni gelungen. Dazu wollten wir aber explizit auch die «Aussensicht» berücksichtigen; der Schnitzelbangg ist nun mal der einzige «Exportartikel» unserer Fasnacht. Viktor Giacobbo ist zweifellos ein Fachmann auf dem Gebiet des Humors, und Adolf Ogi war nicht nur oft Inhalt eines Schnitzelbanggs, er kennt die Basler Fasnacht von vielen Besuchen auch gut. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die Jury über die Jahre immer wieder anders zusammengesetzt sein wird.

Es wird also allen Widerständen zum Trotz auch einen Schnabelbryys 2005 geben?

Die Idee ist langfristig angelegt und auch so finanziert. Das heisst aber nicht, dass der Wettbewerb genau gleich aussehen wird wie 2004. Wir werden den diesjährigen Schnabelbryys analysieren und unsere Lehren aus der Premiere ziehen.

Rechnen Sie damit, dass der Widerstand im Laufe der Zeit schmilzt?

Ich setze auf Dynamik und einen Lernprozess. Wie gesagt, hat es alles Neue erst einmal schwer. Immerhin konnten wir aber bereits für die Premiere nicht alle Anmeldungen berücksichtigen, und auch die Zuschauerplätze sind praktisch ausverkauft.