Eine schwarze Wand, die um 13 Uhr von Westen her über die Stadt zieht, verheisst nichts Gutes. Doch just um 13.30 Uhr, auf den Beginn des zweiten Cortège reisst der Wolkenvorhang auf, macht der Sonne und den Gaschtro-Noome Platz, die als violette Alti Dante schon lange «uff dr Wält» sind und jetzt den Steinenberg hoch zum Bankenplatz schränzen. Sie kreuzen dabei die farbigen Blätzlibajasse der Bebbi Stompers, die laut «Rädäbäng» mit einem lachenden Gesicht ins neue Jahrtausend gehen (weil sie die «Lämpen» vom letzten Jahr ausgestanden haben?).
Die nächsten Guggen, die auf den Plan treten, sind die Gugge-Zwärgli, die einen herzigen, keineswegs zwergenhaften Vortrab und Patty Schnyder als Major(in) haben, sowie die Note-Akrobate. Sie spielen die Sonnenfinsternis aus, haben auf ihren Larven grosse Sonnenbrillen, die das Publikum am Strassenrand in diesem Moment auch gut gebrauchen könnte. Im gleissenden Sonnen-Licht kommen die silbernen Kostüme der Chaise Bebbi Gläbbere zauberhaft zur Wirkung, und die «(Street)Parade Millenium 2000» der ausgeflippten blauen Clara-Schnoogge mit dem einem stolzen Pfau als Major erscheint besonders farbenfroh.
Mit der Sonne hat es auch die Wagen-Clique Plausch-Waggis, die sich über «Arte Plage Basilea – Hesch au no Sand?» lustig macht und meint:
Do kan y Spass und Sunne ha
No scheener as in Florida.
Spass haben in der nächsten halben Stunde vor dem Comité am Steinenberg eine ganze Reihe anderer Wagen-Cliquen auch. Die Zapfeschlugger-Waggis rücken aus Anlass ihres 20. Geburtstags mit einem Zugfahrzeug an, das als riesige Geburtsagstorte verkleidet worden ist. Die Rieblizupfer-Waggis erscheinen dem Namen entsprechend in orangen Kostümen, die Köpfe ziert eine gelbe Perücke, und sie verteilen farbenstilgerecht nur Riebli und Mimosen. Die Hirnlose scheinen wie schon letztes Jahr ohne graue Zellen zu sein, jedenfalls schauen sie völlig apathisch vom Wagen herunter. Ganz anders die giftgrünen Heumatt-Rueche, deren Wagen zwar kein Ausbund an Fantasie ist (sie meinen denn auch «Im Joor 2000 wänn mir au zrugg zue de Wurzle – also Strau»), aber sie Intrigieren dem Teufel ein Ohr ab. Wieder andere zeichnen sich durch das aus, was sie den Kiebitzen am Strassenrand schenken, oder wie sie es tun. So verteilt die Alti Bäbeli-Clique ihre Bhaltis einzeln und schmeisst sie nicht sinn- und wahllos ins Publikum, die Gwürztraminer-Waggis ihrerseits verteilen wohl in Anlehnung an den edlen Tropfen ebenso vornehm-edel herrlich duftende, weisse, rosa und rote Nelken.
Doch nicht nur Chaisen, Gugge und Wagen absolvieren bei merklich kühleren Temperaturen als noch am Montag die über sieben Kilometer lange Route. Einzelmasken und Gruppen bereichern den Cortège. «Sind Sie auf dem richtigen Netz?», fragen die beiden Säuliwäg-Tramper, die auf ihrem gut cachierten Gefährt allerdings nicht trampen, sondern auf einen Motor vertrauen. Die beiden Wildsey, zwei Waggis, die sich auch so benehmen (wie WildschweineS) führen auf ihrem Leiterwägeli jede Menge Mimosen mit, die der oder die bekommt, die zuvor «eingeseift» worden ist. Oder die beiden Venomephantomastisach spazieren als täuschend echte Brunnenfiguren daher und persiflieren die Geschichte des Zschokke-Brunnens mit dem Sujet «Mr brünnele uff s Gold».
Mittlerweile ist es recht kühl geworden, und so kommt gerade gelegen, dass während Minuten eine Gugge nach der anderen (sie haben sich wohl alle in der Beiz aufgewärmt…) den Zuschauern beim Comité einheizt: Die Krach-Schnygge, Träne-Furzer, Seibi-Schränzer, Rätsch-Beeri, Negro-Rhygass, Wettstei und Schränzharmoniker. Da fällt mir nur noch ein: I have a (Alb-)dream…



