Morgestraich : Lampenpracht in kalter Nacht

10. Februar 2008 | Von | Kategorie: Nachrichten

Kurz vor vier Uhr, Gedränge auf dem Marktplatz. Viele schauen ungeduldig, erwartungsfroh auf die Uhr. Dann der Moment – Licht ab, das Kommando «Morgestraich, vorwärts, marrsch!» ertönt aus vielen Ecken. Ein leichtes Schaudern packt uns, nicht nur weil die Kälte langsam durch die Hosen schleicht.

Eine sternenklare Nacht wars, die Temperatur leicht unter null Grad, fast kein Wind – Bebbi, was willst Du mehr? Der erste Vers des «Morgestraich» wird im Stehen gepfiffen und getrommelt, dann setzt sich das Ganze in Bewegung, als erste erscheint die Märtplatz-Clique, biegt von der Hutgasse auf den Platz ein und wendet sich Richtung Post, begleitet von einem Blitzlichtgewitter. Trotz aller Mahnungen gibt es jedes Jahr die ahnungslosen Fasnachtstouristen, die schöne Fasnachtsbildli machen wollen und sich nicht bewusst sind, wie unangenehm das Blitzen für die Fasnächtler unter der Larve ist.

Der Dupf-Club marschiert durch die Tramhaltestelle, auf der anderen Seite vor dem Rathaus zieht die Wettstai-Clique mit einer schönen Laterne vorbei. Auf chinesisch macht die J.B.-Clique Santihans – «Kunt s dil auch chinesisch vol?» lautet das Sujet, die Lampe dazu ist wunder(l)voll. Das Sujet China treffen wir an dieser Fasnacht noch oft an, zum Teil in aussergewöhnlichen Kombinationen. Die Junge Garde der Glunggi zeigt auf ihrer Lampe Bart Simpson (gelb, wie er ist) und das Sujet «Gääl de kennsch mi nit?» Weiter hinten leuchtet die Reklame der Chinesenbeiz im Singerhaus ungeniert in die Dunkelheit.

Mit der Seibi kommt eine der Jubelcliquen (75 Johr), die Alten Stainlemer ziehen mit ihrem Riesenharst vor dem Rathaus vorbei, beindruckend immer wieder ihr Morgestraich-Markenzeichen, die Petrollampen-Kopflaternen. Beeindruckend auch ihr Sujet «Die hailigi Aifältigkeit». Die Verschnuuffer kurven um den ganzen Platz. Und dazwischen plötzlich blinkendes Blaulicht, ein Krankenwagen, der sich langsam den Weg zwischen den Fasnächtlern durch bahnen muss – Freud und Leid liegen eben nahe zusammen.

Lange bleibt der Märtplatz Territorium für die grossen Formationen. Die kleineren Cliquen, die Gruppen, die Schyssdräggziigli bewegen sich in den kleinen Gassen, die indessen auch von grossen Cliquen begangen werden. In der Schneidergasse herrscht viel Verkehr, beim Hotel Basel, auf dem Rümelin. Wer lange stehen bleibt, bekommt kalt, macht weiter, derweil sich die Beizen längst gefüllt haben. Kääs- und Ziibelewaie sind Trumpf, und natürlich die Mählsuppe.

Wir stärken uns auch, gehen wieder auf die Gasse und sehen, dass die Kleinbasler Cliquen bereits den Sprung über den Bach gemacht haben, die Alten Glaibasler und die VKB mischen sich ins Gewühl. Gegen sechs Uhr leuchten nicht mehr nur die Ladärne, auch einige Geschäfte nehmen es nicht mehr so genau mit der Verdunkelung, vor allem Cafés und Beizen. In der Gerbergasse leuchten überdies Reklamen von Schuhgeschäften.

Wir drehen noch eine Runde, gehen hinter den Opti-Mischte und geniessen einen wunderschönen «Sambre et Meuse». Und wir bewundern die Prachtslampe des Central Club Basel, der sich für diese Fasnacht umgetauft hat in Closed Cow Broject; in der Tat dreht sich alles um die Kuh.
Kalt, aber scheen, lautet das Fazit. Und: Es gibt eine ganze Reihe von sehr, sehr schönen Laternen.