Morgestraich: Frau Fasnacht schlittert durch den Schnee

7. März 2006 | Von | Kategorie: Nachrichten

Noch ist tiefe Nacht, und nichts weist beim Blick auf die verschneiten Strassen darauf hin, dass in wenigen Stunden der Auftaktzu den «drey scheenschte Dääg» erfolgt. «Ja, träume ich denn», frage ich mich: «Ist es erst Januar?» Doch die Augen wollen sich nicht recht schliessen lassen, und so meine ich, von fern Frau Fasnacht flüstern zuhören: «So n e weeneli Schnee macht mir nyt uss!»

Aus den Federn, in die Flocken: Um halb vier Uhr morgens gibt es kein Halten mehr, und erleichtert sehe ich, dass sich aus vielen Türen Menschen wagen – dick vermummt, teilweise sogar im Skianzug trippeln sie vorsichtig die Fusswege entlang, die sich im pulvrigen Schnee gebildet haben. Es glitzert eine nächtliche Märchenlandschaft in bedächtiger Stille vor sich hin, als wir in Richtung Schifflände die Strassen entlang stapfen. Der Schnee schluckt das Gelächter über den eigenen Gang, der doch etwas seltsam anmutet: Ein Schritt, schlittern, die Augen fest auf die Füsse gerichtet, bevor man den nächsten Schritt wagt.

Unten am Spalenberg stehen die Opti-Mischte schon bereit und präsentieren ihre Laterne, die den «Easy Jet»-Gründer Stelios als Rattenfänger zeigt. Dann geht – endlich – das Licht aus und das Kommando «Morgestraich, Vorwärts, Marsch» ertönt. – Doch ganz dunkel ist es nicht, als sich die Cliquen trommelnd und pfeifend in Bewegung setzen. Vom weissen Himmel schweben einzelne Flocken, die Steckenlaternen beleuchten die Schneemassen auf den Strassen und vermischen sich dort zu wundersamen Farbenspielen.

Den Rümelinsplatz entlang schlängelt sich der CCB, um bald darauf im Stau zu stehen. An diesem Morgestraich geht es noch um einiges langsamer voran als sonst, denn den Cliquen bleibt wenig Platz und auf Glatteis rutscht es gefährlich. Eine beeindruckende schwarzweisse Laterne präsentieren die Muggedätscher, die «EGO – Numme mir zelle, alli andere hän nyt z welle» proklamieren. – Zu Unrecht, denn hier am Morgestraich ist die Stimmung friedlich, wildfremde Menschen helfen einander bei riskanten Rutschpartien. Besonders am prekären Nadelberg, wo die Füsse knöcheltief im Schmelzwasser steckenbleiben. Passend dazu pfeift ein einsamer Pierrot «Z Basel a mim Rhy», während sich zwei ältere Damenfest an den Händen halten.

Vom dunklen Imbergässli aus nimmt also Frau Fasnacht die schwierige Aufgabe in Angriff, den Winter auszutreiben. Doch von fern erklingt ein«Gluggsi» und der Duft von Mehlsuppe weht durch die Gasse: Und bevor wir uns die Füsse im «Schnabel» wärmen, atmen wir tief durch und freuen uns auf drei Tage Fasnachtsglückseligkeit im Basler Schnee . . . Ein unvergessliches Ereignis!