MORGESTRAICH: Ein wunderheerliger Fasnachtsbeginn

1. März 2004 | Von | Kategorie: Nachrichten

In Basels Aussenquartieren herrscht um drei Uhr morgens ein Betrieb wie zur Haupteinkaufszeit am Samstag-Nachmittag. Fasnächtler um Fasnächtlerin kommen aus den Häusern, die Larve unter den Arm gepackt. Auf der Lyss herrscht bereits eine Mini-Druggede; kein Zweifel – es ist Morgestraich-Zeit!

Ein Motorrad mit zwei Kostümierten fährt vorbei, es ist wohl einfacher, so einen Parkplatz zu finden. Die ersten Kiebitze am Strassenrand fangen an, auf und ab zu hüpfen, wahrscheinlich weniger, weil sie die Vorfreude kaum mehr ertragen, sondern vielmehr, um sich warm zu halten. Bei den Aktiven steigt die Spannung hingegen ins Unermessliche. «Bin ich nervös!», tut ein Fasnächtler lautstark kund.

«Ystoh!» heisst es um fünf vor Vier und dann… vier Glockenschläge und: «Morgestraich, vorwärts Marsch!» Sie hat uns endlich wieder, die schönste Zeit des Jahres, und das dreitägige Schwelgen in Fasnachts-Glückseligkeit kann losgehen.

Die meisten Gruppen ruessen und pfeifen den «Morgestraich» im Stehen und setzen sich dann in Bewegung – oder versuchen es zumindest. In engen Gassen wie dem Heuberg und dem Nadelberg ist Geduld angesagt, zuviele Aktive wollen gleichzeitig in diesselbe Richtung. Die Ainsame machen zumindest in diesen Stunden ihrem Namen gar keine Ehre. Die Staus geben Zeit, das Treiben in aller Ruhe zu beobachten und einfach zu geniessen und nochmals zu geniessen. Bald bahnt sich auch die erste Stammclique den Weg durch die Menge, Die Versoffene Deecht kommen daher.

Auf dem Marktplatz werden die Cliquen von einer riesigen Kran-Kamera vom Schweizer Fernsehen verfolgt, nicht nur die Sporepeter lassen sich aber davon nicht beim Ruessen und Pfeifen stören. In der Freie, in der Gerbergasse und auf dem Barfi – überall ist ein Durchkommen problemlos möglich, die Druggede scheint dieses Jahr nicht so riesig. Vielleicht herrscht sie umso mehr in den Beizen, die Temperatur von minus zwei Grad wird manche Zuschauer nach einem kurzen Morgestraich-Eindruck in die nächste Beiz getrieben haben. Fasnächtler und Fasnächtlerinnen kümmert dies wenig, sind auch die Füsse Eisklumpen und die Finger am Piccolo klamm – mit einem sternenklaren Himmel sind die wettertechnischen Voraussetzungen für einen perfekten Morgestraich schliesslich gegeben.

Der Petersgraben ist bis auf eine kleine Clique leer; das ist Morgestraich-Stimmung pur – wunderschön. Ein paar Meter weiter dann der atemberaubende Blick auf ein ganzes Meer von Kopf- und Stägge-Ladärnli. In der Spiegelgasse reiht sich Laterne an Laterne, Rätz, Wiehlmys, Seibi, Breo und Antygge; sie alle gönnen sich den ersten Halt. Die Cocktail Bâlois haben das Sujet «Blackout» und müssen zu Kerzenlicht greifen, so gehört sich das ja schliesslich auch am Morgestraich.

An der Schifflände leuchtet von weitem die Bar Rouge im Messeturm, was muss es aus dieser Höhe für einen Blick auf den Morgestraich sein! Anderthalb Stunden nach dem Auftakt ist im Kleinbasel allerdings nicht mehr allzu viel los, fast alle grösseren Cliquen haben den Weg über die Brücke ins Grossbasel bereits gefunden.

Ein Halt für Käse- und Zwiebelwähe darf natürlich beim Fasnachtsauftakt nicht fehlen, in der Bäckerei wird bei Kerzenlicht verkauft, um ja den Laternen keine Konkurrenz zu machen – gut so! «Basel isch d Nummere 1», verkünden Die Glaine Opti-Mischte auf ihrer Laterne in der entsprechenden Zahlform. Und ob, und an der Fasnacht erst recht.