Mit Jubilar in den Fasnachts-Olymp

8. Januar 2008 | Von | Kategorie: Nachrichten

«Jetz muesch luege, do kemme die mit de Messing-Hääfe, loos ene guet zue!» Mein Vater tat ganz aufgeregt und rettete mich, der ich als dreijähriger Knirps erstmals auf seinen Schultern den Morgestraich miterleben durfte, so gerade vor dem Einnicken. «Waisch, das sinn d Öl-Limpe», fuhr er weiter, «die kenne esoo guet ruessen und ihri Kiibel deene wie Gleggli». Als ehemaliger Tambour musste er es ja wissen. Mit «Öl-Limpe» meinte er die Fasnachtsgesellschaft Olympia von der er zuvor schon oft am Mittagstisch geschwärmt hatte. Warum, habe ich auch später nie ergründen können, teilte aber bald einmal seine Begeisterung für die traditionsreiche Stammclique.

In all den Jahren hat sich dies nicht geändert, und heute wird doch diese Olympia stolze100 Jahre alt.

Gründung am 9. März 1908

Man schrieb den Montag, 9. März 1908, als nach dem Morgestraich zehn Herren im Birseckerhof zusammensassen. Sie waren bis dahin alle Mitglieder der im Jahre 1884 gegründeten Vereinigte Kleinbasler VKB gewesen. In der ältesten Stammclique überhaupt waren sie aber nicht mehr geduldet, weil sie ihren Wohnsitz nicht mehr im Kleinbasel hatten. «Über den genauen Sachverhalt gibt es allerdings verschiedene Lesarten», sagt Andres Pardey, der heutige Archivar und aktiver Tambour der Clique. Oder mit anderen Worten, die Olympia ist, wie viele anderen Stammcliquen auch, aus «Lämpe» entstanden. Zu denen, die im Grossbasel Wohnsitz hatten, gehörte auch Emil Hug, der 1906 vom Restaurant Alten Greifen an die Heuwaage gezügelt war und als Beizer den Birseckerhof übernommen hatte.

Die «würdigen Herren» (so steht es in der Chronik zum 75-Jahr-Jubiläum der Olympia) gründeten also die Clique, und auf Vorschlag Hugs hin, der auch als erster Präsident wirkte, wurde sie auf Olympia getauft. Dies in Anlehnung an einen damaligen Turnerkreis «Olympier», der bereits früher als «Jüngere Olympia» Fasnacht gemacht hatte und in dem einige der anwesenden Herren auch schon mitgewirkt hatten. Bemerkenswert ist, dass die Olympia keine Statuten kennt, eine einfache Gesellschaft ist und faktisch wie ein Verein geführt wird. Und seit jeher steht an ihrer Spitze ein Präsident und nicht ein Obmann.

Kunstwerke von Otto Plattner

Den ersten Zug stellte die Clique an der Fasnacht 1909, der erste Zeedeldichter war der bekannte Stadthistoriker Paul Koelner und die Laterne malte Adolf Sigrist. Ihm folgten zumeist namhafte Künstler wie Charles Hindenlang, Paul Rudin, Max Sulzbachner (er malte 16 «Lampen»), Samuel Buri, Hans Weidmann oder auch der Liestaler Kunstmaler Otto Plattner (von 1937-1939). Heute schafft Roland Gazzotti wieder die leuchtenden Kunstwerke; er war bereits von 1973 bis 1983 Schöpfer der Laternen und ist auch Olympia-Tambour.

Nach ihrer Gründung war die Olympia vorwiegend eine Tambourenclique – 1914 zählte man 14 Tambouren und 7 Pfeifer – «und blieb es während Jahrzehnten», wie es in der Chronik heisst und lakonisch «aber Pfeifer waren immer dabei». Der heutige Stamm zählt 40 Tambouren, 30 Pfeifer und 30 Vorträbler. Aufmerksamen Leserinnen wird dabei nicht entgehen, dass im Text stets nur die männliche Form gebraucht wird. Das hat seine Richtigkeit, ist doch die Olympia eine der noch insgesamt 7 Cliquen, die nach wie vor keine Mädchen oder Frauen in ihre Reihen aufnehmen. Andres Pardey sagt dazu, dass die Clique «einen Beitrag zur Vielfältigkeit der Fasnacht leistet, in der junge Menschen die Wahl haben zwischen reinen Buben- und Mädchenformationen und den in der Mehrzahl stehenden gemischten Cliquen». «Mer hänn kaini Lämpe», und dass keine weiblichen Mitglieder Aufnahme fänden, sei weitgehend unbestritten, doppelt Präsident Daniel Keller nach.

Viele Traditionen

Seit 1922 stellt die Olympia das Spiel der E. Zunft zu Safran und begleitet seit 1938 den Vogel Gryff auf seinem abendlichen Rundgang. So natürlich auch am kommenden Samstag wegen des 100-Jahr-Jubiläums auf ganz spezielle Art (siehe «Jubiläumstermine»). Tradition haben auch die Bummel, die schon in den frühesten Jahren durchgeführt wurden und während vielen Jahren auch nach Bad Bubendorf und Liestal führten. Einer grösseren Öffentlichkeit wurde die Olympia ihrer zahlreichen Reisen wegen bekannt: Sie war an den Weltausstellungen in New York (1939), Brüssel (1958) und Montreal (1967). Aber auch an verschiedenen Winzerfesten (Lutry), den Fêtes des Vignerons in Vevey 1955, 1977 und 1999, als die sie ein Kontingent der Fifres et Tambours de Bâle stellte

Die Höhepunkte im hundertjährigen Cliquenleben würden eine ganze Zeitung füllen. Erwähnen wir drum nur einen letzten, den die Besucher des diesjährigen Drummeli erleben werden: Die Olympia wird den Jubiläumsmarsch «Fyyrvogel» (Trommeltext Andri Obrist, Pfeifertext Michi Robertson) kredenzen auf eine Art, von der man noch lange reden wird.

Bald schreibt man den 11. Februar 2008, kurz vor vier Uhr früh vor dem Café Spitz: Gut möglich, dass ich mich hinter der Olympia einreihe, meine bald dreijährige Enkeltochter auf den Schultern tragend. Ich werde ihr wohl ziemlich aufgeregt sagen: «Waisch, das sinn die mit de Messing-Hääfe, die deene wie Gleggli», und die Kleine und ich werden uns wie im Fasnachts-Olymp fühlen. . .

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Jubiläums-Termine

Bereits kommenden Samstag wird die Olympia den Vogel Gryff auf dem abendlichen Rundgang durch das Kleinbasel begleiten. Mit dabei sind 100 Buebe (21 aus den 3E, 19 aus der Olympia, 60 aus den 6 anderen Stamm-Clliquen, die nach wie vor keine Mädchen in ihre Reihen aufnehmen) mit 100 Stäggeladärne. Auf den Bummel geht der Stamm statt am 2. erst am 3. Bummelsonntag, dem 2. März, und wird mit der Jungen und Alten Garde abends in der Innenstadt ein paar Mal gemeinsam «auf den Riemen» gehen (für Laien: von Zwischenhalt zu Zwischenhalt). Am 6. September steht ein Jubiläumsfest in Kleinbasel auf dem Programm, an dem aber nur Eingeladene teilnehmen können. Vom 23. bis 26. Oktober folgt die Jubiläumsreise ins Piemont, für die bereits 75 Anmeldungen vorliegen.

Im Dezember, das präzise Datum ist noch nicht bestimmt, steht die Vernissage für die Jubiläumschronik auf dem Programm. Jedenfalls soll sie auf eine sinnvolle Art mit dem «Olymperli», einem traditonsreichen internen Cliquenanlass kombiniert werden.