Das Mimösli-TV präsentiert: Das Häbse-Theater wird dieses Jahr zum Fernseh-Studio. Die Besucher sitzen in der Finalshow eines Jekami-Talent-Wettbewerbs. Aber soviel sei gleich zu Beginn verraten – anders als in Casting-Shows wie Musicstar oder Topmodel im „echten Fernsehen“ werden hier die Nerven der Zuschauer nie strapaziert. Wenn der eine oder andere Programmpunkt auch etwas zu lange gerät, bietet die Vorfasnachts-Revue im Kleinbasel beste Unterhaltung.
Ein Moderator (Joël von Mutzenbecher) führt witzig durch die Finalshow und sorgt nur vor Pause kurz für Verwirrung. Da er etwas zu früh in sein Sandwich beisst, will auch ein Teil des Premiere-Publikums bereits den Saal verlassen, dabei steht noch die Guggenmusik «Funatiker» bereit. Sie zu verpassen, wäre sehr schade gewesen. Die Schränzer bringen in ihren furchterregenden Larven mit «wish you were here» von Pink Floyd Guggen-Klänge der ganz besonderen Art auf die Bühne. Ein toller Auftritt. Auch sonst hat das Mimösli 09 musikalisch viel zu bieten. Die Haus-Pfyffer «Hofnaare» gefallen mit der «Moulinet Polka» und einem nostalgischen «Entertainer». Donnernder Applaus erntet die Tambouren-Gruppe «stickStoff» vor allem für ihren auch visuell beeindruckenden Auftritt als «Oranje-Wirbler».
Apropos Oranje. Unsere Lieblings-Gäste während der Euro08 dürften an der diesjährigen Fasnacht ein Dauer-Thema sein und sie sind es auch im Häbse-Theater. Die grosse Langeweile in den Fanzonen bringt das Häbse-Ensemble besonders witzig auf den Punkt. Daneben gab es zu Recht die meisten Lacher für die UBS-Bosse Ospel und Wuffli als Clochards. Eine tolle Ergänzung zum spielfreudigen Ensemble (Häbse H.J.Hersberger, Rinalda Caduff, Hedy Kaufmann, Nicole Loretan und Urs Werner Jaeggi) ist Maik van Epple. Er überzeugt als versoffener Clochard ebenso wie als nerviger deutscher Fussball-Fan oder schleimiger Zürcher TV-Reporter.
Um die Gunst des Publikums buhlen beim Mimösli-Talent-Wettbewerb natürlich auch Schnitzbänkler.
Wie schon letztes Jahr bestreiten diesen Teil die Comité 2000-Bänke «s’Bangg-Ghaimnis» und «d’Joggeli». Erstere drehen nach verhaltenem Anfang zum Schluss mit zwei gelungenen Versen auf. «D’Joggeli» zeigen sich schon fast durchwegs in guter Fasnachts-Form. Das Trio mit den unverkennbaren zittrigen Stimmen nimmt in den bissigsten Versen die verschleierte Micheline Calmy Rey und Neo-Bundesrat Ueli Maurer aufs Korn.
Um 22 Uhr wird schliesslich das jeweils streng gehütete Geheimnis um den Stargast gelüftet. Nach Hazy Osterwald, George Gruntz oder Pepe Lienhard in vergangenen Jahren erscheint heuer Eliana Burki auf der Mimösli-Bühne. Die zierliche 25-jährige Solothurnerin begeisterte die Zuschauer mit kraftvollen Alphorn-Klängen, begleitet vom Profimusiker Peder Rizzi. Unglaublich, worauf der gebürtige Bündner alles spielen kann. Er entlockt nicht nur der Panflöte, sondern selbst Flaschen rasante Klang-Folgen. Nicht fehlen dürfen bei der Eliana-Peder-Combo die Piccolo-Virtuosen Thomas Weber und Kurt Stalder, sowie Stefan Felber am Schlagzeug und Heinz Wirz am Piano. Das Sextett bringt eine halbstündige Musikshow auf die Bühne, in der sie Fasnachtsmärsche mit Liedern wie «El Condor Pasa» oder «Life is life» genussvoll kombinieren.
Wer aber glaubt, die Stargast-Nummer ist für den Titel des Mimösli-Supertalents vorprogrammiert, täuscht sich. Das Fazit des Ensembles im Epilog: Alle gewinnen oder eben niemand. Die wahre Siegerin kann nur die Fasnacht sein, die grösste Jekami-Veranstaltung überhaupt. Recht so. Und Vorfreude darauf kommt beim Mimösli 09 ganz sicher auf.
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