Mimösli-Gipfel für einmal klassisch

5. Januar 2008 | Von | Kategorie: Nachrichten

Erstauntes Schweigen im Premiere-Publikum als gestern Abend um zehn Uhr der Vorhang für die jeweils streng geheim gehaltene Überraschungsnummer aufging. Auf der Bühne des Häbse-Theaters erschien nicht wie in den Vorjahren ein Stargast wie Pepe Lienhard oder Hazy Osterwald, sondern da sass ein 16-köpfiges Orchester: Das Kammer-Ensemble des Neuen Orchester Basel. Hinter den Musikern standen Pfeifer der Gruppe «Hofnaare» und ein Tambour.

Was folgte, stand den früheren Stargast-Nummern in nichts nach. Der Orchester-Gründer und langjährige Dirigent Bela Guyas führte die unterschiedlichen Musiker auf der Bühne mit viel Witz durch ein Medley von Fasnachtsmärschen und grossen klassischen Melodien wie «Freude schöner Götterfunken.» Die Töne harmonierten mal sanft, mal prallten sie fast schrill aufeinander; ein spannendes und höchst anspruchsvolles Experiment, das zum bisweilen derben Mimösli-Humor einen angenehmen Kontrast bildete.

Ansonsten kamen Mimösli-Fans im Jahrgang 2008 mit den altbewährten Elementen voll auf ihre Kosten. Die lautesten Lacher in den Rahmestiggli konnten der Hausherr Häbse Hersberger und Hedy Kaufmann als altes, streitsüchtiges Ehepaar verbuchen. Ausser Hersberger und Kaufmann gehören zum Ensemble noch Nicole Loretan, Rinalda Caduff, Thomas Hardegger und Urs Werner Jäggi, sie alle zeigten tadellose schauspielerische (und zum Teil musikalische) Leistungen. Manche Pointen blieben mässig lustig, wie in dem Stück, das in einer Bäckerei spielt. Durchwegs unterhaltsam dagegen war die Versöhnungs-Bergwanderung von Vertretern verschiedener Parteien, wobei selbstredend Häbse den Part des SVP-Polteri bekam…

Zwischen den Rahmestiggli sorgten das Dutzend Pfeifer der «Hofnaare» auch ohne Orchester-Verstärkung für Highlights. Etwa, wenn sie die Zuschauer mit dem «Türkischem Marsch» an den Bosporus mitnahmen oder mit «Liberty Bell» in den Wilden Westen. Begeisterten Applaus und Bravo-Rufe bekam gestern auch die neu zusammengesetzte Tambourengruppe «stickStoff». Vor allem die messerscharfen Schläge im «Ysebähnli» waren ein Genuss. Last but not least liess es traditionellerweise vor der Pause eine Gugge krachen. An der Premiere war es die imposante Formation der «Märtfraueli», die im zweiten Teil der Mimösli-Saison von den «Fährischiffli» abgelöst werden.

Viel Applaus gab es auch für die Schnitzelbängg. Es sind dies «S’Bangg-Gheimnis», deren witzige Helgen oft schon die ersten Lacher hervorriefen und die besonders mit Martina Hingis und dem FC Thun gnadenlos ins Gericht gingen. Die Berner Oberländer lieferten auch dem zweiten Bangg «Joggeli» Stoff für ihren bissigsten und wohl gelungensten Vers.

Das dreistündige Programm (inklusive Pause) endete wie allewyl mit dem Mimösli-Lied, dieses Jahre mit Orchester-Begleitung. Manch zufriedener Premiere-Besucher dürfte auf dem Heimweg vor sich hingesummt haben:

«Aadie zämme, saage mir ,

mir fraie-n-uns eso,

uff s Mimösli, s näggscht Mimösli… »

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