21.39 Uhr gestern Abend im Häbse-Theater. Der Überraschungsgast – der für einmal im Vorfeld nicht geheim gehalten wurde – betritt die Bühne. Doch kaum stimmt Bo Katzman mit seinen Soul-Singers «Rock my soul» an, wird er von Häbse Hersberger, Hausherr im Kleinbasler Theater unterbrochen. So gehe das natürlich nicht, Bo habe sich schliesslich vertraglich verpflichtet, etwas Fasnächtliches darzubieten. Grosses Stirnrunzeln, doch immerhin bekommt der bekannte Basler Chorleiter Unterstützung von Tambouren und Pfeifern, allen voran Thomas&Thomas (Thomas Heid und Thomas Weber). Was herauskommt, wenn Gospel nicht nur auf die Basler Fasnacht, sondern auch auf Glenn Miller und Johann Strauss trifft, sei hier nicht verraten, nur so soviel: Die Überraschungsnummer war für viele Premiere-Zuschauer das Highlight des Abends.
Gut begonnen hatte das Mimösli 2006 im ersten Teil mit Charly Jansers «Hofnaare» mit ihrer rasanten musikalischen Bahnfahrt, gefolgt von der Gruppe «Octopuls» unter Leitung von Rolf Schlebach. Zu fünft schlugen sich die jungen Tambouren tapfer durch ihre Nummer, nachdem einen Tambour das Premieren-Pech knüppel- beziehungsweise schlegel-dick getroffen hatte – er musste seinen Kollegen mit einem gerissenen Fell zusehen. Ob «Octopuls» deshalb im zweiten Teil die Trommeln kurzerhand zwischen die Knie klemmen und mit blossen Händen spielen? Sie ernten jedenfalls einen Riesen-Applaus – ebenso zu Recht wie die «Hofnaare» mit ihrer wunderschönen «Mini-Opera».
Die Rahmestiggli des Ensemble hingegen vermögen anfangs nicht zu überzeugen, einzig Urs Jäggi als Fährimaa sorgt für gelungene Momente, wenn er auf seiner letzten Fahrt für die einzigen stillen, melancholischen Momente im Häbse-Theater sorgt. Die Stiggli steigern sich nach der Pause, für Lacher sorgt etwa Bianca Meesters, die als Barbara Schneider versucht, einer «repräsentativen» Delegation aus Basels Bevölkerung (gespielt von Patrick Allmandinger, Nicole Lorean, Hedy Kaufmann und Häbse Hersberger) Einheitstühle aufzuschwatzen. Witzige Ansätze zeigen sich auch im etwas lang geratenen Stiggli «dr neu Tarif», wenn Basels Bussen-Praxis aufs Korn genommen wird.
Durchwegs gelungen ist die Darbietung der zwei Mimösli-Schnitzelbängg: «S Bangghaimnis» (eine vierköpfige Gruppe, die seit vier Jahren als «Rotstab-Bangg» im Liestaler Rotstab-Cabaret auftritt und dieses Jahr als «Bangghaimnis» erstmals auch in Basel unterwegs ist) brilliert mit bissigen Pointen und macht klar, was die Top-Themen der Bangg-Fasnacht 2006 werden: Das Nati-Spiel in der Türkei, das neue Basler Bussen-Reglement, die Zürcher Spitzemedizin – und alle Jahre wieder – Charles und Camilla. Und spätestens als auch der zweite Bangg, «d Joggeli», nach der Pause einen gelungenen Vers zur neuen Chefin im nördlichen Nachbarland liefert, wird klar, dass Angela Merkel gut daran täte, sich möglichst weit weg von der Basler Fasnacht zu halten…
Selbstverständlich darf auch beim Mimösli 2006 das obligate Schlusslied nicht fehlen, diesmal mit tatkräftiger Unterstützung von Bo Katzmann und seinen Soul-Singers und dem begeisterten Premiere-Publikum. Für die – wohl wenigen – Mimösli-Neulinge im Saal gibt es Texthilfen in unübersehbarer Form. Auch wenn die Welt im Grossen und Basel im Kleinen «Ai Durenander» sei, so die Botschaft im Epilog, die Fasnacht lebe weiter wie eh und je. Gut so.



