Mimösli 2002: Flugjohr-Premiere ohne «Grounding»

5. Januar 2002 | Von | Kategorie: Nachrichten

«S’ Flugjohr», so heisst der Titel des Mimösli 2002. Deshalb singt das Ensemble zum Auftakt: «Maiekääfer flieg, uff dr ganze Wält isch Grieg». Es lässt die Ereignisse des vergangenen Jahres Revue passieren. An Krieg, Terror und Katastrophen wird erinnert. «Ka me do no lache? Deerf me do no Fasnacht mache?», fragen sich die sieben Käfer. Und ihre Antwort ist klar und eindeutig: «Jo, jetzt erscht rächt!»

Um es vorwegzunehmen: Der Mimösli-Jahrgang 2002 ist ein süffiger. Der Mix aus heiteren und ernsten Themen ist gut gelungen, die Pointen kommen an. Das Ensemble mit Häbse H.J. Hersberger, Hedy Kaufmann, Nicole Loretan, Eugen Urfer und Dani von Wattenwyl sprüht förmlich vor Spielfreude. Sei es in der Redaktion, wo man der Meinung ist, eine Meldung müsse keinen Sinn, sondern Platz in der Zeitung haben. Oder bei der 500-Jahr-Feier, wo alle Kantonsfahnen aufmarschieren und das Publikum am Schluss beim Jubiläumslied mitsingen darf.

Gespannt war man natürlich auf die angekündigten Überraschungsgäste. Wieder dabei ist Christofer von Beau. Und wie letztes Jahr begeistert er mit einer Solonummer. Diesmal als Farbiger, der als weisser Clown auftritt. Am Schluss schminkt er sich ab, denn «jeder Mensch sollte nur er selber sein». Der zweite Gast ist Patrick «Almi» Allmandinger. Er sorgt für Lacher als «Aeschbi» und «-minu», sowie als Polizist. Grossartig sein Auftritt, in dem er über sein «Flugjohr» beim Zirkus Knie erzählt. Wer sich hinter der Nummer «Thomas & Thomas» verbirgt, wurde schon an der Medienkonferenz ausgeplaudert: Thomas Heid und Thomas Weber erweisen sich einmal mehr nicht nur als Piccolo-Virtuosen, sondern beweisen an Saxophon, Klavier und Staubsauger ihr musikalisch-komödiantisches Können.

Arth Paul, stimmlich angeschlagen, versprüht wieder seinen Wiener Charme. Er vermisst auf der Speisekarte Paradeiser, Karfiol und Palatschinken. Doch nach einem Sprachkurs in Baseldytsch geht seine Liebe zu Basel auch durch den Magen. Und schliesslich gibt es in Basel Schmarren – wenn auch ohne Kaiser. Sehr gut die beiden Bänggler: «Dr Schorsch», wie immer mit einem Papst-Vers, präsentiert sich in Hochform. Die «Ständerlampe» beginnt – wohl absichtlich – etwas schwach, dann aber sitzt jede Pointe. Selbst bei einen Vers über Bin Laden und die Talibans.

Musikalisch überzeugen die Pfeifer (Hofnaare, von Claudio Cotti am Klavier begleitet) mehr als das Drummel-Sextett. Speziell die Gags in «Greentime» mit Körperverrenkung und Auf-den-Reif-schlagen gehören in die Kategorie «Déja-vu». Die Gugge «Chaote 1989», in festlichem Schwarz gekleidet, schränzte das Publikum nach der Pause wieder in Vorfasnachtsstimmung.

Der Epilog bringt mit lustigen Laternen-Vierzeilern das Publikum letztmals zum Lachen. Dann erklingt das alte Mimösli-Lied «Adie zämme saage miir eych». Und so mancher Besucher singt in Gedanken mit: «Mer fraien uns uff s näggschte Joor, uff s Mimösli, uff s Mimösli».