Fasnachtsformationen sollen von Velofahrenden oder Joggern attackiert worden sein, in einem Fall sei sogar Reizspray im Spiel gewesen. Im Zusammenhang mit den nun wieder beginnenden Marschübungen sorgt eine solche Meldung für Aufregung in den Sozialen Medien. Betroffen sei das Gebiet Lange Erlen. Die Polizei relativiert das Geschehen.
«Leider synn mr hüt mehrfach während dr Marschproob in dr Lange Erle vo Velofahrer ahgfahre worde und e Jogger hett nüt bessers gwüsst als unsere Vortrab mit Pfäfferspray z’attackiere. (…) S’isch efang jedes Joor e Problem und leider wirds nit besser, eher s’Gegeteil.» So schreiben die Horburgschlurbi am 21. Januar im Facebook – und «ernten» damit eine grössere Zahl von Kommentaren, wobei die Reaktionen von «schockiert» bis ziemlich «hässig» ausfallen.
Laut dem Facebook-Post hatte es der Jogger auf Konfrontation abgesehen und sei mit gezücktem Pfefferspray auf den Guggen-Vortrab zugelaufen. Zumindest ein Vorträbler sei im Gesicht voll erwischt worden. «Schlimm vor allem isch das mir Kinder im Vortrab hänn und d Tochter vom Aagriffene das au hett miesse mit erläbe», heisst es seitens der Horburgschlurbi weiter.
Das von der Guggenmusik Erlebte scheint kein Einzelfall zu sein. So schildern in den Kommentaren unter dem Post mehrere Personen ähnliche Erlebnisse. Andere melden gegenüber fasnacht.ch, dass es Radfahrende gebe, welche eine Gugge verbal konfrontiert hätten, eng an der Formation vorbeifuhren oder sich einfach gestört hätten, wenn sie mit ihrem eBike nicht mit 30km/h weiterfahren konnten und abbremsen mussten. Aber nicht nur Guggemusiken werden als störend empfunden, denn auch Cliquen berichten von ähnlichen Erlebnissen mit intoleranten Zweiradfahrern in den Langen Erlen.
Die bereits erwähnte Pfeiferin ergänzt, dass teilweise auch die fasnächtlichen Formationen nicht gerade feinfühlig seien und die Velorouten spät oder gar nicht freigäben oder auch ihre Pausen auf den Wegen verbrächten. Dies veranlasse die Zweirädler, verbotenerweise auf die unbefestigten Wege auszuweichen, wo sie wiederum den Ärger der Hündeler erregten.
Es müsse Aufklärungsarbeit geleistet werden, findet die Vertreterin einer Pfeiferformation gegenüber fasnacht.ch. So seien sie am vergangenen Samstag von einer Spaziergängerin mit hörbar zürcherischem Akzent angegangen worden, was dies denn soll und ob dies erlaubt sei. Früher – so die Pfeiferin – sei Anfang Lange Erlen jeweils angeschrieben gewesen, dass es zur Zeit fasnächtliche Übungen gebe; heute würde dieser Hinweis fehlen.
Auf Anfrage von fasnacht.ch relativiert die Kantonspolizei Basel-Stadt. Laut Sprecher Rooven Brucker seien zumindest gestern keinerlei Anzeigen eingegangen. Hingegen habe sich ein Velofahrer telefonisch beklagt, dass ihn eine Fasnachtsformation nicht durchfahren lasse. Die an Ort gefahrene Patrouille konnte aber weder den Velofahrer noch fehlbare Fasnächtler ermitteln. «Wenn sich am Einsatzort niemand meldet oder keine Anzeige vorliegt, haben wir in solchen Fällen keine Handhabe», so der Polizeisprecher weiter.
Die Horburgschlurbi haben auf den Vorfall reagiert und die nächstwöchige Marschübung in die Grün 80 verlegt. Von den Krach-Schnygge ist zu hören, dass sie wegen Pöbeleien nun im Muttenzer Hafen üben. Dies sei aber auch keine Lösung, meint man in den Kommentarspalten, denn wenn es dort wegen vieler «Vertriebener» eng würde, seien auch dort Konflikte vorprogrammiert.
Kommentar des Autors
Einzelfälle oder ernsthafter Konflikt der Waldnutzer in der Vorfasnachtszeit? Die Sachlage scheint nicht ganz klar. Natürlich gibt es auf dem Velosattel und in Jogging-Schuhen aggressive Personen. Man darf aber doch annehmen, dass diese eine Minderheit darstellen. Gefragt ist nun verstärktes gegenseitiges Verständnis und etwas Toleranz. Die Musizierenden müssen bedenken, dass die Velowege in den Langen Erlen (und das sind alle asphaltierten Strecken) nicht umsonst so heissen und man deshalb den Radlern möglichst rasch Platz machen sollte. Vor allem den Pedaleuren auf schnellen E-Bikes muss aber auch klar sein, dass die Waldwege keine Rennstrecken sind. Joggern und Hündelern ist zuzubilligen, dass Piccolos und Blechinstrumente (nicht nur) für Vierbeiner eine Qual sein können. «Musik wird störend oft empfunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden», reimte schon Wilhelm Busch. Aber es geht ja nur um die paar Wochen vor der Fasnacht – dann kann man wieder frei nach Goethe sagen: «Über allen Wipfeln ist Ruh.»



