Da sind sie auf dem Münsterplatz abgestellt – nicht geparkt: die
Laternen. Über das, was man darf oder lassen soll, lassen sich die
Laternenmaler in Wort und Bild eifrig aus. Sie zeichnen im Lichte der
Laternen ein düsteres Bild.
Der Stamm der Basler Bebbi blickt unfruchtbaren Zeiten entgegen. Ein
Skelett verkündet:
Sy Stammbaum isch scho
zämmebroche
und är blamiert sich bis uff d’Knoche.
In der «Erschöpfig» sind die Tage von Adams Efeublatt gezählt:
En Efeublatt dient zem verdegge,
nur gitts bald nytt me zum verstegge.
Die Zukunft des Menschen liegt bei der Clique in 480 Reagenzgläsern,
die mitgetragen werden – «in vitro veritas!». «Tote Hose» auch bei der Alten Garde der Alti Stainlemer: «Franciscus et Curtus in Protest, Coitus interruptus est» steht unter den Köpfen
von Sabo und Koch. Jesus am Kreuz kann die Vorgänge im
«Bisch-dumm-Basel» nicht mehr mit ansehen und hält sich mit einem Arm
die Augen zu. «Oh Jeh!», steht über dem Kreuz geschrieben. Während sich
Sabo zum Bleiben entschliesst, laufen auf der Laterne des Barbara-Club
Alte Garde die Gläubigen der Kirche davon, und nicht nur sie:
Sogar die grauschti Kirchemuus
segglet do zur Kirche uus.
Und der Letzte solle gefälligst das Licht löschen. Im Rot der
untergehenden Sonne verabschieden sich die Swissair in «Grounding», die
Firma Schmidlin und Jörg Schild:
Dr Schild isch furt, hett nimme welle.
Är miess jetzt go Medaille zelle.
Auf der anderen Seite der Laterne leuchtet bereits der Mond.
Dass in Basel das Licht aus bleibt, dafür machen sich die Pfälzer
stark. Münster und Pfalz liegen vom Kleinbasler Rheinufer betrachtet im
Dunkeln – und das ist recht so, selbst wenn die Fussgängerin eine
Taschenlampe braucht, um den Weg zu finden. Das Schreckensbild
präsentiert sich auf der andern Laternenseite «gräll häll». Die
Altstadtkulisse am Barfi erscheint in gleissendem Licht. Die Pfälzer
liebens eher grell-pastell. Sie bevorzugen das Dunkel des
Morgenstreichs und das Licht ihrer Laterne.
Apropos «zum Davonlaufen»: Wenn die Leute schon weglaufen, dann soll
dies wenigstens der Stadt dienen – zum Beispiel beim «Ersten Basler
Naarebaschi Fasnachts Marathon». Die Laterne der Naarebaschi ist als
Zieleinlauf, als Triumphbogen gestaltet. Seinem Ziel entgegen eilt dort
Marcel Ospel.
Als Schnällschte wird dr Ospel gsichtet,
wo vor der Styyrbelasschtig
flichtet.
Die Laterne der Clique ist auch für Leute, die an Wortspielen Freude
haben, ein Genuss. Da wird nämlich auch «inkognito» geworben für:
«Darfydoch» – ein Cigarrenhersteller, der sich auch für Tennis
engagiert, «Rhywälle» – ein Getränkehersteller, der farbigen Durst
propagiert, «Auweh» – ein Autofabrikant, dem das Volk am Herzen liegt,
«ComitéCortège» in einer Schrift mit zwei markanten «C» – ein Getränk,
das so schwarz daherkommt wie die Miglieder besagter Aufsichtsbehörde,
und schliesslich «hopp» in orangen Lettern – ein Grossverteiler, der
alle «in die (Brat)pfanne haut». Da lohnt sich ein Blick aufs Detail.
Grosse Probleme kleiner Leute bei der VKB, die sich «Barbaras Gärtli»
annimmt. Dort steht ein Drachenbrunnen – nicht aus Plastik – dessen
Brunnenfigur das Gesicht von Barbara Schneider ziert. Ihr
«Gartenprogramm» passt den vielen VKB-Plastik-Gartenzwergen auf der
Laterne verständlicherweise nicht ins Konzept:
Ob Schirm, ob Stuel, ob Uniforme,
ob Ainhaitsgärtli, Bluemedepf,
y pfyff uff all die Baudep.-Norme
und dääne iihri Wasserkepf.
Vor Uniformem graut es der Jungen Garde und Binggis der Junteressli.
Ihr Credo lautet:
Hemli, Pulli, Sogge Bluuse
alles glyych, es kennt aim gruuse.
Die Rippezwigger stellen berechtigt fest: «Basel diggt glych». Oder:
«Glyych und glyych, das gsellt sich gärn und scho liggt uns unseri
Fraihait färn». Die Laternen 2006: «e diggi Sach!».



