Vorbildlich vorbereitet mit Programmheft, Notizblock und einem kleinen Lämpli habe ich mich auf den für mich reservierten Presseplatz gesetzt und harre der Dinge, die da kommen. Und schon beim Einlauf der Publikums habe ich gemerkt, dass hier etwas ganz anders ist, als an einer «normalen» Vorfasnachtsveranstaltung. Das Publikum besteht – logischerweise – aus wahrscheinlich Dreiviertel Eltern, Göttis, Gottene, Grosseltern und Geschwister der über 1000 mitwirkenden jungen FasnächtlerInnen. Und deswegen freuen sich alle. Sie sind weder von Sponsoren eingeladen noch sonstige Ehrengäste. Und das spürt man direkt.
Dann habe ich einen Blick in die Garderobe der 1000 ProtagonistInnen gewagt: Eine riesige Messehalle, wo Kinder und Jugendliche übten, Fussball spielten, diskutierten und – bereits im Goschdym – Fangis machten. Eine Stimmung wie im Ferienlager. Herrlich.
Ja und dann beginnt das Programm dieser Vorfasnachtsshow für Junge Garden: Wir sehen 22 Formationen von Fasnachtsnachwuchs und allesamt bringen grossartige Nummern auf die Bühne. Jede der Darbietungen hat eine meist unerwartete Pointe und alle bieten Fasnachtsmusik mit Leidenschaft und Spielfreude. Diese Nummern einzeln zu bewerten mit Namensnennung und Fötteli wird dem Programm nicht gerecht. Denn die Kids wird das nicht interessieren. Sie geniessen den Auftritt heute und finden sich sowieso grossartig. Was sie dann auch sind. Wir verneigen uns vor den verantwortlichen InstruktorInnen und ziehen den Hut vor den Leistungen.
Und auch die Rahmenspieler sind gut bis grossartig, allen voran dr Laaferi und s Behtli. Die Themen der Stücke dürfen diskutiert werden, die Anzahl der Rahmenstüggli darf kritisiert werden (Der Abend dauerte an der Première 3 Stunden). Aber nicht hier und an dieser Stelle. Denn dieser Abend hat es verdient, dass man ihn und seine MacherInnen in den Fasnachtshimmel erhebt. Grosse Klasse und vorallem: für den Nachwuchs der Fasnacht Gold wert.
Damit dem Publikum die Wichtigkeit des Nachwuchses vor Augen geführt wird, lassen die Produzenten alle VorträblerInnen in Zwierkolonne über die Bühne und den Saal marschieren: 242 goschdymierte kleine Fasnachtskinder spazieren winkend und unter Dauerapplaus über die Bühne. Welch ein Bild. Welch eine Freude.
Das Laaferi ist ein ganz starkes Bekenntnis zum Fasnachtsnachwuchs und vielleicht das beste Mittel, um jungen Menschen die Basler Fasnacht mit all ihren Facetten nahe zu bringen (deshalb, als einzige Kritik, ist das Guggen- und Waagebashing im Rahmestiggli mit den Kiddies von Behtli und Laaferi nicht ganz nachvollziehbar).
Ein grosses Kompliment allen, die an dieser Idee und an dieser Ausgabe mitgewirkt haben. Der Verein «Jungi Fasnachtskultur» hat mit diesem Abend mehr für den Nachwuchs getan als alle bisherigen dagewesenen Aktionen. Das Coronavirus hat diese Idee befeuert! Und die UBS – das darf und muss man einfach auch mal sagen – investiert verdankenswerterweise in diesen Anlass.
Ein Hinweis an das Auswahlgremium für den «Fasnächtler des Jahres»: Ich nominiere die MacherInnen des Laaferis für diesen Preis. Allesamt!
Das Laaferi findet nochmals am 4. & 5.2.2023 statt. Tickets und weitere Infos unter www.laaferi.ch



