Kinder-Charivari: Kampf gegen Fasnight-Parc

20. Januar 2008 | Von | Kategorie: Nachrichten

«Es isch Zyt zum afoo, es isch Zyt zum afoo!» Was zu Beginn des 33. Kinder-Charivari ein ungeduldiger Binggis ruft, fordern am Schluss des Programms 100 Kinder lautstark auf der Bühne in Bezug auf den Morgestraich. Doch der Reihe nach.

Wir stehen eine Woche vor der Fasnacht, Nachwuchs-Pfeifer und Tambouren (Spezi Junge Garde und Binggis) üben fleissig bei der letzten Marschübung, eben so ihre jungen Gugge-Kollegen (Barbarossa-Binggis). Mit ihrem Eifer und ihrer Spiel-Freude haben die jungen Fasnächtler das Publikum schon in den ersten Minuten in der Tasche. Und um die Vorfreude auf die Fasnacht noch etwas zu steigern, machen die Kinder die Euro08-Countdown-Uhr beim Bahnhof flugs zu einer Uhr, welche die Tage und Stunden bis zum Morgestraich zählt.

Doch nicht weit entfernt ziehen über der Villa Fasnacht dunkle Wolken auf. Frau Fasnacht (herrlich verkörpert von Reinhard Strehle) mag sich nämlich gar nicht mit dem Gedanken abfinden, dass die Skiferien mit ihrer Schwester Frau Sächsilüüte schon vorbei sind. Kurzerhand diktiert sie ihrer schrägen Tippse im Estrich einen Flyer, der in sämtliche Basler Haushalte verteilt wird: Die Fasnacht ist abgesagt, man solle sich doch dieses Jahr lieber um die Fussball-Europameisterschaft kümmern.

Da wittert Frau Fasnachts hinterhältiger Butler Dagobert (Silvio Fumagalli) seine Chance. Innert Minuten hat er Pläne für einen kommerziellen Fasnight-Park entworfen, in dem das ganze Jahr Fasnacht sein soll, mit Orangen-Zielscheiben für Waggis, Larve-Workshops und einem Morgestraich jeden Montag. Noch schneller ist der Sponsor Herr Osch gefunden, der geldgierige Dagobert ist in seinem Element: «Ja, Herr Oschpel, ääh Herr Osch, natürlich zahlen die Leute Eintritt. Ja, es sind nur Profis am Werk, nein, Kinder haben da gar nichts zu suchen.»

Von diesem Schreckens-Szenario ahnen die Kinder zwar noch nichts, aber die Absage der Fasnacht platzt wie eine Bombe in ihre Vorfreude auf die drey scheenschte Dääg.
Angeführt von Flo und Sarah (Yves Geng und Lara Schenk) mobilisieren sie, was sich mobilisieren lässt. Ein Protest-Rap (unter Mitwirkung von jungen Steppern des Tanzwerks und des Chors der Sekundarschule Binningen) bringt jedoch ebenso wenig wie eine Flut von Briefen an Frau Fasnacht. Die flehenden Bitten, sie möge ihre Entscheidung doch nochmals überdenken, werden vom fiesen Dagobert nämlich unter den Teppich gekehrt.
Unterstützung bekommt Dagobert von der Hausangestellten Trudy, die in ihrer Naivität und Tolpatschigkeit an Donald Duck erinnert. Man vermutet, dass die von Dagobert ausgetrickste Trudy zur Retterin der Fasnacht werden wird, doch es kommt anders. Tippse Marlies (Steffi Kuster) sorgt schliesslich dafür, dass die Pläne vom Fasnight-Park als Papierflieger vom Estrich fliegen. Und in Flug-Objekte im Sinkflug investiert Herr Osch bekanntlich nicht mehr.

Um Frau Fasnacht aber vollends aus ihrer Depression zu rütteln, müssen die kleinen Tambouren, Pfeifer, Guggemusiker, Stepper und Sänger alles geben, die Fasnacht 08 wird in letzter Minute gerettet. Im grossen Finale erfüllt sich Trudys sehnlichster Wunsch, während Dagobert als Sekretär auf den Estrich verbannt wird.

Über 300 grosse und kleine Zuschauer haben gestern im Theater Basel dieses Happy-End bejubelt, der Zuschauerraum der Kleinen Bühne war mehr als bis auf den letzten Platz besetzt. Das grosse Foyer, wo das Kinder-Charivari in den letzten Jahren stattfand, bietet gut 100 Plätze mehr, stand aber laut den Organisatoren heuer nicht zur Verfügung. Dafür gibt es dieses Jahr eine Vorstellung mehr als in den Vorjahren. Genügend Gelegenheiten also, dass 33. Kinder-Charivari noch zu sehen. Es sei Theater von Kindern für Kinder, haben die Macher im Vorfeld der diesjährigen Premiere angekündigt. Die vielen strahlenden Kinder-Augen im Premiere-Publikum gaben ihnen recht.

Weitere Impressionen vom Kinder-Charivari gibt es in unserer Fotogalerie.