Bereits in der ersten Viertelstunde werden die kleinen und grossen Besucher auf der Kleinen Bühne des Theater Basel fasnachtsmusikalisch verwöhnt: Der Trommelbauer Guschti Schlepp (Silvio Fumagalli) schwärmt von hoher Tambourenkunst, die ihn seit frühster Kindheit begeistert. Wer könnte dies besser illustrieren als der mehrfache Trommelkönig Ivan Kym. Er erscheint aber nicht alleine auf der Bühne, sondern tritt mit seinem knapp siebenjährigen Sohn Jerome auf. Unglaublich, was der Nachwuchs-Tambour schon alles zeigt, der Sonder-Applaus an der heutigen Premiere hat er sich wahrlich verdient.
Doch zurück zu Gusti Schlepp. Der Trommelbauer in dritter Generation hat soeben zwei Prachtstücke vollendet. Weil ihm diese zwei «silbrigen Glöggli» so gut gelungen sind wie kein Instrument zuvor, lässt ihnen Gusti Schlepp eine Sonder-Behandlung zukommen. Nach einem alten Rezept von seinem Grossvater wendet er eine Zauber-Zeremonie mit Räppli-Staub und Junteressli-Brusthaar an, um den silbernen Trommeln eine Seele zu geben. Zunächst passiert gar nichts. Doch kaum sind die Trommeln unter sich, kommt Leben in sie. Die zwei Jung-Trommeln werden durch die anderen, erfahrenen Trommeln im Atelier über ihre Bestimmung an der Fasnacht aufgeklärt. Die altehrwürdige Holztrommel Hyronimus Douplé (Rheinhard Strehle) schwärmt von den echten Fasnachtsklängen, welche die Junge Garde der «Rätz Clique» und die Pfeifer der «Antygge» (Sieger der Gemischten Gruppen am Offiziellen 2009) gekonnt auf die Bühne bringen. Spätestens nach der Guggemuusig «Barbarossa Binggis», tanzen die Trommeln vor Fasnachts-Vorfreude und wissen genau was sie wollen.
Die Namen sagen es schon: Der vorlaute und besserwisserische Zack (Lara Schenk) kann sich nur ein Trommel-Leben in einer Guggenmusik vorstellen, der ruhige und sensible Trommelgeist Sensi dagegen (Mia Kirsch) freut sich auf das harmonische Zusammenspiel zwischen Piccolo und Trommeln in einer Clique. Doch es kommt anders: Die künftigen Besitzer Sämi (Denis Sorie) und Yannick (Cédrik Arpagaus) wissen nicht, welche der identischen Trommeln sie wählen sollen. Das Los entscheidet, aber eben falsch. Es kommt wie es kommen muss: Sensi leidet an der Guggenmusik-Marschübung fürchterlich unter den heftigen Schlägen seines Besitzers und Zack langweilt sich beim Morgestraich mit einer Clique. Sämi und Yannick dagegen verzweifeln fast wegen ihren Trommeln, die so gar nicht so klingen wie sie sollten. Die jungen Fasnächtler müssen von Cliquen-Gschpänli und Musikchef ganz bösen Spott einstecken und bekommen sogar die Drohung zu hören, dass sie so nicht weiter Fasnacht machen dürfen.
Als die Trommeln merken, dass sie von den Menschen keine Hilfe erwarten können, nehmen sie die Sache selbst in die Hand. Wie sie zu ihrer wahren Bestimmung finden, sei hier nicht verraten, nur soviel. Ein Mimösli und eine englische Touristin sind nicht ganz unschuldig am Happy End. Das Kinder-Charivari 2010 ist aber nicht nur wegen der phantasievollen Geschichte (Text: Christoph & Jaqueline Knöll und Rebekka Scartazzini), ein rundum gelungener Jahrgang. Unbedingt erwähnt gehören auch die schönen Kostüme und das witzige Bühnenbild mit lebendigen Bäumen und Trämmli. Ausserdem sorgen drei junge Schnitzelbänggler als «Venezianer» für Lacher, besonders mit ihrem Vers zu der Schweinegrippe. Aber vor allem lebt das Kinder-Charivari natürlich von der Spielfreude und dem Engangement der über 100 beteiligten Kinder Es ist Vorfasnacht von Kindern für Kinder, wie Obmann Bernhard Stutz sagt. Und das ist gut so.
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Impressionen vom Kinder-Charivari 2010 in der BFO-Fotogalerie



