Reihensweise Kinder, die vor einer Bühne auf Kissen sitzen und ungeduldig darauf warten, dass sich der Vorhang hebt. Kein Zweifel – es ist Kinder-Charivari-Zeit auf der Kleinen Bühne des Theater Basel.
Gleich zu Beginn gibt es ein Wiedersehen Frau Fasnacht (Reinhard Strehle) die gemächlich strickt und mit «dr Baschi uss Brasilie» eine Geschichte in Aussicht stellt, in der für einmal gar nichts Schlimmes passieren werde. Schwer vorstellbar, nachdem in den letzten Ausgaben der Vorfasnachtsveranstaltung für die Kleinsten doch nichts Geringeres als die Fasnacht selbst bedroht war.
Und tatsächlich: Für Baschi (Robin Niedecker), den Titelhelden des 34. Kinder-Charivari, gestaltet sich der Besuch bei Götti Hanspi (Silvio Fumagalli) in Basel bald nicht mehr wunschgemäss. Der Junge aus Brasilien sollte eigentlich endlich einmal die Fasnacht kennenlernen, doch sein Götti, Instruktor einer Buebe-Clique, stellt sich quer. Er verbietet Baschi an der Fasnacht mitzumachen und auch das Probelokal von Hanspis Junger Garde bleibt für Baschi verbotene Zone. Zugegeben, der Junge hat von Fasnacht so wenig Ahnung, dass er immer mal wieder die Hilfe des jungen Publikums in Anspruch nehmen muss. Als talentierter Konga-Spieler hingegen könnte er auch einen guten Tambour abgeben. Aber eben, für den Fasnachts-Puristen Hanspi ist das Trommeln eine todernste Sachen und wer das nicht seit Jahren übt, hat zumindest als Aktiver an der Fasnacht nicht zu suchen.
Hanspis Tocher Isa (Cynthia Myra) – auch sie als Mädchen von Vaters Clique ausgeschlossen – lässt sich von Baschi überreden, heimlich in den Probe-Keller zu schleichen. Dort schwelgen die beiden in Fasnachts-Vorfreude. Auftritte der Guggemuusig «Barbarossa Binggis» und einer Jungen Garde zusammengesetzt aus 26 Mitglieder der «AGB Setzlig», «Basler Bebbi», «Märtplatz» und «Schnurebegge» sorgen für die richtige Stimmung. Ein verdächtiges Geräusch aber reisst Baschi und Isa aus ihren musikalischen Träumereien und sie verlassen das Übungslokal so abrupt, dass Hanspis ganzer Stolz, der Tambour-Stecken seines Grossvaters,
ungeschützt zurück bleibt. Prompt nutzen dunkle Gesellen die Gelegenheit und klauen das kostbare Stück. Der Einbrecher-Rap verursacht Gänsehaut – eine unheimliche und starke Szene.
Vater Hanspi ist natürlich fuchsteufelswild und verdächtig die Gugge seiner Frau (Nadine Roth), die im Nebenraum probt. Es kommt zu wüsten Beschuldigungen, einer Schlägerei und zu der Drohung: Wenn der Stecken nicht bis zum nächsten Tag auftaucht, gibt dieses Jahr gar keine Fasnacht, weder für die Junge Garde noch für die Gugge. Baschi und Isa, getrieben von schlechtem Gewissen und der Angst um ihre drey scheenschte Dääg, müssen handeln. Da der Stock aber verschwunden bleibt, wird Baschi kurzerhand selber zum Instruktor. Er führt die zuvor verfeindeten Pfeifer und Tambouren mit den Schränzern zusammen und probt mit ihnen ein Fasnachts-Stück mit Samba-Rhythmus. Ganz nach dem Motto: Wenn die Grossen nicht spuren, machen wir halt alleine Fasnacht.
Dieser Wille lässt die Erwachsenen und Frau Fasnacht nicht kalt. Erstaunlich schnell lässt sich Hanspi mit einem Ersatz-Stecken besänftigen und so steht dem grossen Finale mit 80 Kindern auf der Bühne nichts mehr im Weg. «Ystoh, Baschi!» singen die jungen Darsteller des Kinder-Charivari und strahlen dabei so viel Begeisterung aus, dass es nicht nur den kleinen Zuschauern ganz warm wird ums Herz. Fazit: Das 34. Kinder-Charivari ist eine rumdum gelungene Geschichte (Text von Christoph Knöll und Rebekka Scartazzini), mit viel Witz, Engagement und musikalischem Können vorgetragen. Das Fasnachts-Theatersrück vom Team rund um Obmann Bernhard Stutz sei wärmstens weiterempfohlen. Aber Achtung: Für die weiteren Vorstellungen hat es laut den Machern nur noch wenige Tickets.
Weitere Bilder vom Kinder-Charivari gibts in unserer Foto-Galerie.



