Mit der Fasnachtsgeschichte «Saifibleeterli» eröffnete das Kinder-Charivari mit grossem Erfolg die lange Serie der Vorfasnachts-Veranstaltungen 2001. Die Premiere fand am 13. Januar im leider nicht ganz ausverkauften Foyer des Theater Basel statt. Die kleinen (und junggebliebenen) Kinder waren von dem von Jürg Jösslin geschriebenen und von Tino Krattiger inszenierten Stück gleichermassen begeistert.
Zwei Schwestern aus dem Kleinbasel, das kleine, quirlige Anneli (Lena Einsele) und das ältere Fränzi (Pauline Pivot) sehen, wie am Donnerstagmorgen nach der Fasnacht ein Schyssdräggziigli (zwei Tambouren und fünf Pfeifer der Jungen Garde der VKB) mit der Pfeifer-Retraite seine Laterne verabschiedet. Zufällig ist der Tambourmajor Till ein Junge, der in ihrer Nachbarschaft wohnt. Sie fragen ihn, ob er ihnen helfen könne, nächstes Jahr auch Fasnacht zu machen. Er erklärt sich sofort bereit, bei den Vorbereitungen zu helfen, eine Laterne zu malen und mit ihnen ein Zyschdigziigli zu machen. Denn einen Zug selber zu gestalten, das sei «wie Weihnachten, Ferien und Geburtstag zusammen».
Doch der Zeitgeist (Reinhard Stehle) hat erkannt, dass Kinder, im Gegensatz zu den Erwachsenen, noch Zeit haben. Er schlägt Anneli und Fränzi vor, ihre Zeit gegen Spielsachen einzutauschen. Aus der so erhaltenen Zeit macht er Seifenblasen, die zerplatzen. Einen Tag vor dem Morgestraich merken die beiden, dass sie einen schlechten Tausch gemacht haben – denn für die Fasnachtsvorbereitungen fehlt ihnen plötzlich die Zeit. Dank der Lösung eines schweren Rätsels gewinnen sie vom Zeitgeist eine Woche zurück und können so ihre Vorbereitungen doch noch rechtzeitig zu Ende führen.
Bei den Kindern fand das Stück grossen Anklang. Waren sie im ersten Teil noch eher andächtige Zuhörer, so gingen sie im zweiten Teil, als sie vermehrt mit einbezogen wurden, voll mit. So etwa, als Anneli das schwere Rätsel lange nicht lösen konnte – das Lösungswort wurde ihr immer wieder lauthals zugerufen. Und als der Zeitgeist behauptete, bis jetzt habe noch kein Mensch das Rätsel lösen können, kam der Zwischenruf «Dasch uns egal!». Auch beim Auftritt der Guggemuusig (d Schänzli-Fäger) sangen sie zur Melodie «s Elfigleggli lyttet scho, jetz isch Zyt zem haime go» kräftig mit.
Erstaunlich war das sichere Auftreten der jungen Darsteller. Von Lampen- oder Premierenfieber war nichts zu merken. Der Comité-Bangg Gluggersegg als Zeitungsverkäufer ist gut ins Stück integriert. Wieder mit dabei sind die Kinder der Klasse 3b vom Bläsischulhaus. Unter der Leitung von Susanne Repka treten sie diesmal sogar singenderweise in Erscheinung. Dass sich beim Spiel des Zischdigsziigli, das zum Schluss im Foyer seine Runden dreht, beim «Dudelsagg» ein Hänger einschlich, war nicht geplant – wirkte aber umso realistischer.
Die Aufführung ist mit zweimal vierzig Minuten und einer halbstündigen Pause erfreulich kinderfreundlich. Beim Ausgang erhält jedes Kind ein Bhaltis, mit welchem es selbst Seifenblasen machen kann. Natürlich wird dies sofort noch auf dem Theaterplatz ausprobiert…
Kinder-Charivari-Obmann Dieter F. Wullschleger zeigte sich über den herzlichen Schlussapplaus (mit Zugabe-Rufen) sichtlich erfreut. Er hofft aber, dass die beiden Vorstellungen vom kommenden Wochenende (es sind noch Billetts erhältlich) vor vollen Rängen gespielt werden können.



