Die Sonnenschirme für das Comité, sind gespannt, die Tramwagen-Beiz für die Medienleute an Ort es kann losgehen: Punkt halb zwei Uhr paradiert vom Bankenplatz her der Barbara-Club 1902 als erste Stamm-Clique mit dem Sujet d Kischte ziglet vor dem Comité, am Steinenberg. Im Contre-Marsch den Steinenberg hinauf bläst als erste Einheit die reine Frauengugge Rätsch-Beeri den hohen Comité-Herren ganz schön den Marsch. A propos Frauen: die Gumsle des Barbara-Clubs sind ein Vierteljahrhundert alt und feiern dies als 21 heerlig aussehende und pfeifende Ueli. Auch die Junge Garde feiert 150 Johr kätsche! Die Pfeifer als Indianer, die Tambouren als Uncle Sam. Keine Feierstimmung kommt bei der Märtplatz-Clique auf, die sich mit dem Sujet Sigg-Sagg-Sugg ( und Du bisch duss!) der wirtschaftlich schlechten Lage mit unzähligen Entlassungen annimmt und als Requisit bezeichnenderweise eine Beförderungsmaschine (zum Sozialfall…) mit sich führt und als Zeedel dr blau Brief verteilt.
Joo zuenere suubere Elsbethe meint die Alti Richtig. Die Pfeifer sind Schweizer Gardisten, die die Elisabethenkirche von Ungeziefer und sündigem Treiben befreien, der Tambourmajor kommt als Christoph Merian auf dem Weg zurück ins Grab einher, während die Tambouren als Pfaffen, echte Diener am Wort, in die Elsbethe zurückkehren.
Doch dann ist wieder Feiern angesagt: Die 100jährige Breo-Clique ist im Anmarsch. Die Stamm-Clique voran mit der ehemaligen Stammbeiz Löwenfels als Requisit, der Tambourmajor stellt die Stamm-Mutter Brändli, eben d Mamme Breo dar, die Pfeifer und Tambouren sind Turner und Studenten der Amicitia und Zofingia. Hinter ihnen die Binggis und die Junge Garde mit dem Sujet Striit Parade (die englische Version wäre wohl für einmal verständlicher…). Als letzte, und vielleicht bald einmal als erste, wenn es dem Stamm darum geht, um sie zu werben, folgen im Jubelzug die Breo-Jüntli. Es sind 29 wunderschöne, weisse Bräute, die sich fragen: Jüntli, het s letscht Stündli gschlage? Doch das ist eine andere Geschichte, die vielleicht auch 1997 noch aktuell ist…
Die Lälli-Clique proklamiert Liberté, Egalité, Bombenidee. Mit Liberté ist der Vortrab mit sauglatten Touristen gemeint, die Bombenidee verkörpert die Laterne, Egalité repräsentieren die Pfeifer als Gaggervolgg vom Coq Chirac, der seinerseits der Tambourmajor ist, und die Tambouren marschieren als radiaktive Mutanten. Zuletzt folgt der Wagen als Schiff mit strahlensüchtigen Touristen. Ein schöner und nachdenklicher Zug!
Em Friide z lieb heisst das Sujet der Verschnuufer. Sie spielen nicht nur auf Chirac an, nein, es geht auch um den Frieden an der Fasnacht. So verteilt der Vortrab eine Friedensbotschaft, der Tambourmajor ist schlicht zufrieden, und die Pfeifer und Tambouren sind blendend weisse Engel mit Heiligenschein, unter die sich allerdings einzelne schwarze Exemplare gemischt haben.
Eine wunderschöne Farbenorgie in Grün ist der Zug der Rootsheere, die das Sujet All-eluja ausspielen, wobei der Tambourmajor selbstredend der All-mächtigi ist. Diese Clique führt im übrigen als eine der wenigen auch einen Wagen mit.
Gerade noch einmal dominiert grün, und zwar bei der J.B.-Clique Santihans mit dem Sujet Kai Aanig vo Bot(t)anik. Im Vortrab finden sich Beamtenfuudi mit einem Brett vor dem Kopf und einzelne Gärtner im Botta-Look, die Pfeifer stellen Botaniker dar, der prächtige Tambourmajor ist der viktorianisch-Botta-nische-Äsche-Palazzo, begleitet von den Kult-urwürmern Striebeli und Cornazis basiliensis, die Tambouren am Schluss ruessen als viktorianischi Tryybhüsler mit Botanisierbüchse und Schmetterlingsnetz.
Seit über zweieinhalb Stunden läuft der Cortège reibungslos, wohl auch des schönen Wetters mit strahlend blauem Himmel wegen. Wenig Farbe ist beim Zug der Wettstai-Clique auszumachen. Ihre Ladäärne in Form einer überdimensionierten alten Strassenlaterne und ihre Kostüme sind noch nicht fertig. Uns längts nid! heisst das Sujet. Mitgeführt wird ein ganzes Atelier mit Farben und Textilien, bei jedem Halt wird genäht und gemalt. Ein herrlicher Einfall!



